Würde lieber das Coronavirus treten als den Ball: Liverpools Virgil van Dijk - Bildquelle: imago images/ShutterstockWürde lieber das Coronavirus treten als den Ball: Liverpools Virgil van Dijk © imago images/Shutterstock

München - In der Premier League tobt gerade ein Sturm, der das Gerüst der Liga stark ins Wanken bringt. Durch den Spielplan hat er bereits eine Schneise geschlagen: Fünf Partien dieses Wochenendes mussten abgesagt werden, weitere könnten folgen.

Der Grund für die Verwüstung hört wie so oft dieser Tage auf den Namen Coronavirus, genauer gesagt Omikron.

Ob im Norden, im Zentrum oder an den Küsten - überall kämpfen die Fußballklubs mit der Ausbreitung der hoch ansteckenden Corona-Variante. Bei Manchester United explodierten die Fallzahlen zuletzt regelrecht. Aufgrund von Infektionen und Verletzungen stehen aktuell nur sieben Spieler des Kaders zur Verfügung.

Das Spiel gegen Brighton & Hove Albion am Wochenende wurde abgesagt. Auch die Partien FC Southampton gegen FC Brentford, FC Watford gegen Crystal Palace, West Ham United gegen Norwich City und FC Everton gegen Leicester City fielen dem Virus zum Opfer.

Die Liga fragt sich nun: Wie kann die Entwicklung gebremst werden? Brentford-Trainer Thomas Frank, dessen Team mit 13 Fällen besonders heftig getroffen wurde, plädierte für eine Absage des kommenden Spieltags sowie der League-Cup-Partien am Dienstag und Mittwoch. "Firebreak" nennen die Engländer so einen Einschnitt. Es wäre eine Art Mini-Lockdown für die Premier League.

Klopp ist gegen Spieltag-Absage

"Die Covid-Fälle gehen in allen Premier-League-Klubs durch die Decke", sagte Frank: "Alle betrifft es und alle haben Probleme." Die Verschiebungen würden "mindestens eine Woche Zeit geben, um den Trainingsplatz zu reinigen und alles zu tun, damit alles in Ordnung ist und wir die Kette bei jedem Verein durchbrechen", sagte der dänische Coach des Aufsteigers.

Widerspruch kommt aus Liverpool, wo Trainer Jürgen Klopp die Effektivität einer Pause bezweifelt. "Natürlich würde es helfen", sagte er zwar, "nur dann kommen wir raus und haben das Gleiche wieder. Wo ist der Mehrwert? Den kann ich nicht erkennen."

Klopp appelliert an die Ungeimpften

Der Klub des deutschen Trainers wurde ebenso vom Sturm erfasst. Am Donnerstagmorgen lieferten Virgil van Dijk, Fabinho und Curtis Jones "völlig überraschend" positive Tests. Beim 3:1-Sieg über Newcastle United am Abend fehlte das Trio, das laut Klopp doppelt geimpft ist.

Der 54-Jährige erwartet nicht, dass es bei diesen drei Ausfällen bleibt, obwohl die Impfquote in seinem Klub sehr hoch sei. Wenn man die hohe Ansteckungsgefahr des Virus sieht, möchte man ihm nicht widersprechen - auch nicht beim Thema Impfen.

Dabei war Klopp erneut die Stimme der Vernunft. "Ignorieren Sie diejenigen, die vorgeben, etwas zu wissen. Ignorieren Sie Lügen und Fehlinformationen", appellierte er in einem Statement, "hören Sie auf die, die es am besten wissen. Wenn Sie das tun, werden Sie am Ende den Impfstoff und die Auffrischungsimpfung wollen." Er selbst habe seine bekommen, "sobald ich dafür in Frage gekommen bin".

Bielsa äußert Bedenken

Doch die Impfung allein reicht schon lange nicht mehr aus, um die Kette zu durchbrechen. Manchester United, Leicester und Watford schlossen ihre Trainingsplätze. Die "Foxes" erklärten, dies sei "eine Vorsichtsmaßnahme, um das Risiko einer weiteren Ansteckung zu verringern".

Am Donnerstag kündigte Brighton an, den Zugang zu den Trainingsplätzen einzuschränken und das Training am Wochenende trotz der Verschiebung des United-Spiels auszusetzen.

Aus Leeds kommen derweil Bedenken, die die Integrität des Wettbewerbs infrage stellen. "Ich würde ungern gegen eine Mannschaft antreten, die aufgrund von Covid dezimiert ist", sagte Trainer-Legende Marcelo Bielsa: "Das möchte ich nicht ausnutzen." Die Realität ist, das solche Szenarien schon der Fall sind. Der FC Chelsea trat trotz vier Corona-Fällen gegen Everton an und spielte nur remis.

Kann der Boxing Day stattfinden?

Auch der Liga geht es um den Wettbewerb, allerdings vornehmlich um den Erhalt ebenjenes. "Die Liga ist sich der Tatsache bewusst, dass einige Vereine von Covid-19-Ausbrüchen betroffen sind, und beabsichtigt, den aktuellen Spielplan fortzusetzen, wo dies sicher möglich ist", heißt es trocken in einer Mitteilung: "Die Gesundheit und das Wohlergehen aller Betroffenen bleibt unsere Priorität."

Wäre das der Fall, müsste die Liga wohl eine Pause einlegen. Aber die finanziellen Aussichten dürften doch noch etwas mehr Priorität haben. Die Zwänge eines eng getakteten Spielplans sind in England zudem noch größer als in Deutschland, weil es auf der Insel keine Winterpause gibt. Die Liga umfasst zwei Teams mehr, zudem gibt es einen großen Wettbewerb mehr zu bestreiten.

Vielmehr noch steht vor Weihnachten der Boxing Day an mit neun Spielen am zweiten Weihnachtsfeiertag. Dass der Sturm bis dahin abgeflaut ist, davon ist nicht auszugehen.

Tim Brack

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