Chelsea-Stürmer Romelu Lukaku (re.) schießt zu schwach, um City-Torwart Eder... - Bildquelle: 2022 Getty ImagesChelsea-Stürmer Romelu Lukaku (re.) schießt zu schwach, um City-Torwart Ederson zu überwinden © 2022 Getty Images

München/London – Der Chelsea-Stürmer Romelu Lukaku ist eine Erscheinung, 1,90 Meter groß, 103 Kilo schwer, muskelbepackt, trotzdem beweglich. Ihn einen Riesen zu nennen, ist nicht die kreativste, aber eine durchaus treffende Bezeichnung. Zumindest in der Theorie.

Denn der 28-Jährige hat schon länger nicht mehr gezeigt, dass er seine Gegenspieler auf dem Platz wie Miniaturen aussehen lassen kann. Vielmehr leidet Lukaku selbst an einer Verzwergung. Das hat sich zuletzt bei der 0:1-Niederlage im Spitzenspiel gegen Tabellenführer Manchester City gezeigt.

Chelsea-Trainer Tuchel kritisiert Lukaku

Einmal tauchte der Linksfuß unbedrängt vor City-Schlussmann Ederson auf, provozierte mit seinem Schuss aber geradezu eine Parade. Ein anderes Mal wand er sich geschickt um Verteidiger John Stones, sprintete in den freien Raum, sein Pass auf Hakim Ziyech war aber so ungenau wie unüberlegt.

Sein Trainer Thomas Tuchel kritisierte Lukaku im Nachgang scharf und setzte damit seine eindeutigen Gesten am Spielfeldrand fort. "Er hatte viele Ballverluste ohne Druck und in sehr aussichtsreichen Situationen", sagte Tuchel. "Natürlich wollen wir ihn unterstützen, aber er ist ein Teil der Mannschaft und manchmal muss er auch seinen Dienst leisten."

Lukaku fehlt die Konsequenz

Zwar streut Lukaku immer wieder seine genialischen Auf-dem-Bierdeckel-Drehungen wie gegen Stones ein, doch zu häufig fehlt die Konsequenz in seinen Aktionen. Und die von Tuchel angesprochene mangelnde Unterstützung dürfte sich auch auf die Laufleistung beziehen. Lukakus Bewegungsradius war gegen City nämlich auch kaum größer als besagter Bierdeckel.

Um zu verstehen, warum die Enttäuschung über den Angreifer so gewaltig ist, lohnt sich eine kleine Zeitreise – nicht einmal sechs Monate in die Vergangenheit. Da kam der belgische Nationalspieler zurück nach Chelsea. Schon als 18-Jähriger war er ein Teil der Blues gewesen, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Lukaku passt nicht in Tuchels Puzzle

Nun waren die Vorzeichen andere, Lukaku wurde – auch an dieser Stelle – als das fehlende Teil im Puzzle von Tuchels Mannschaft gesehen. Chelsea hatte gerade erst die Champions League gewonnen und wenn es eine Problemzone gab, dann im Sturm. Lukaku schien der ideale Kandidat und die 115 Millionen Euro Ablöse wert zu sein.

Aktuell wirkt der Angreifer aber eher wie das überflüssige Teil eines Puzzles, bei dem man sich fragt, wo es denn reinpasst.

Das liegt natürlich auch an Lukakus Form. In 22 Pflichtspielen hat der Belgier acht Tore erzielt, das wäre kein schlechter Wert, wenn immer noch Olivier Giroud das Sturmzentrum besetzen würde. Doch von Lukaku wird mehr erwartet. Trotzdem sah sich Tuchel zuletzt immer wieder gezwungen, den Stürmer nur einzuwechseln.

Nur auf dem Feld bewegt sich Lukaku klug

In Italien hatte Lukaku Inter Mailand mit 47 Toren in zwei Spielzeiten zur einer Meisterschaft geschossen, zugeben, in einer Liga, in der auch ein 40-jähriger Zlatan Ibrahimovic noch zu den Attraktionen gehört. Auch im belgischen Nationaltrikot beweist Lukaku regelmäßig sein taktisches Geschick, seine Fähigkeit, die Abwehrspieler aus dem Zentrum zu ziehen, um Platz für die Mittelfeldspieler zu schaffen. Eigentlich die Stellenbeschreibung für einen Chelsea-Stürmer.

Doch der Linksfuß bewegt sich neben dem Feld nicht so klug wie darauf. In einem im Dezember ausgestrahlten Interview hatte Lukaku die taktische Idee von Tuchel kritisiert und seine Liebe zu Inter Mailand bekundet. Ein Affront gegen Trainer und Fans in London. Es dauerte nicht lange, bis der FC Chelsea ein Video verbreitete, auf dem sich Lukaku entschuldigt.

Die Inszenierung wirkte so, als habe das chinesische Staatsfernsehen sie produziert.

Chelseas Angriff lahmt 

Darin sagte Lukaku, er wolle im Training und auf dem Platz sein "Bestes geben" und seiner Mannschaft bestmöglich helfen. Taten hat er gegen City nicht folgen lassen, einem Spiel, in dem es für Chelsea immerhin darum ging, den Abstand zumindest auf sieben Punkte zu verringern. Nun beträgt er 13. Die Titelhoffnungen sind mit großer Sicherheit begraben.

Das ist beileibe nicht nur Lukakus alleinige Schuld, auch die übrigen, für viel Geld geholten Chelsea-Angreifer überzeugen derzeit nicht. Weder Timo Werner, noch Kai Havertz oder Hakim Ziyech. Doch Lukakus Leistungsabfall ist der verblüffendste.

Lukakus Schwankungen erinnern an seine Zeit bei Manchester United, wo er unter den schwierigen Bedingungen litt, sie aber auch teilweise verschuldete. Seine Engagement bei Chelsea ist noch nicht einmal sechs Monate alt. Man sollte den 28-Jährigen nicht abschreiben, dass er die Qualität besitzt, sich durchzusetzen, hat er oft genug bewiesen. Doch er muss bald beweisen, dass er das Premier-League-Format für einen Spitzenklub hat, um nicht als Scheinriese zu gelten.

Tim Brack

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