Ihm scheint derzeit die Sonne ins Gesicht: Steven Gerrard hat mit den Glasgo... - Bildquelle: Getty ImagesIhm scheint derzeit die Sonne ins Gesicht: Steven Gerrard hat mit den Glasgow Rangers den Erfolgskurs eingeschlagen © Getty Images

München - Wenn die DFB-Auswahl bei der Europameisterschaft im Sommer aufläuft, werden ihr sehr wahrscheinlich auch in Glasgow die Daumen gedrückt. Genauer gesagt in der Chefetage der Rangers. Denn das Abschneiden des Teams von Joachim Löw dürfte sich unmittelbar auf die nahe Zukunft des 54-maligen nationalen Meisters auswirken.

Was zunächst wie ein reines Hirngespinst klingt. Und doch mit einem sich anbahnenden Domino-Effekt auf den Trainerbänken erklärt werden kann. Zuletzt berichtete der "Mirror", dass sich die Anzeichen mehren würden, Jürgen Klopp könnte seinen Posten als Teammanager des FC Liverpool aufgeben, sobald der DFB ihm den Job als Nationaltrainer anbieten würde.

LFC-Legende Gerrard wäre naheliegender Klopp-Nachfolger

Womit sich dann die "Reds" nach einem Nachfolger des "Normal One" umschauen müssten. Und wer wäre da naheliegender als Steven Gerrard? Die lebende Klub-Legende. Die auf ihrer ersten Trainerstation im Profibereich die Herzen der Rangers-Fans im Sturm eroberte. Und den Rekordmeister nach zehn Jahren Durststrecke klar auf Titelkurs führt.

Von den ersten 30 Ligaspielen gewannen die Rangers 26, sind noch ungeschlagen und Serienchampion Celtic bereits vor Beginn der Meisterrunde deutlich enteilt. Da drängt sich der Trainer doch geradezu für höhere Aufgaben auf. Gerade wenn der Klub auf der Suche ist, dem Gerrard sein Fußballerleben verschrieben hat.

Rangers-Bosse würden wohl oder übel ihr Okay geben müssen

Also: Enttäuscht das DFB-Team bei der EM, könnte Klopp geneigt sein, den LFC in Richtung Frankfurt zu verlassen und der jetzige Rangers-Coach wäre sein logischer Nachfolger. Kaum anzunehmen, dass die Klubbosse in Glasgow ihrem prominenten Angestellten dann Steine in Weg legen würden.

Zweifellos wären sie aber die großen Verlierer dieser Trainer-Rochade. Dennoch dürfte ihnen bereits bei Gerrards Verpflichtung 2018 klar gewesen sein, dass der nach höherem streben wird. Oder eben dem für ihn höchsten: Anfield.

Gerrard sprach schon vor einem Jahr von Liverpool-Rückkehr

"Für mich ist Liverpool ein besonderer Ort und vielleicht werde ich dort noch einmal anheuern", äußerte sich Gerrard im vergangenen Mai im "Socrates Magazin" noch zurückhaltend. Aber damals gestaltete sich die Situation noch komplett anders: Klopp stürmte mit Liverpool dem ersten Meistertitel in der Premier League nach drei Jahrzehnten entgegen, die Rangers waren von Stadtrivale Celtic während der letztlich abgebrochenen Saison souverän auf Distanz gehalten worden.

Doch im Fußball kann es eben ganz schnell gehen. Auf und abseits des Platzes. Manchmal setzt dann eine nicht für möglich gehaltene Eigendynamik ein. Gerrard hat mittlerweile bewiesen, dass er auch unter Druck - denn der ist bei einem erfolgsverwöhnten Klub wie den Rangers natürlich nicht nur beim Toilettengang gegeben - abliefern kann. Und das auf beeindruckende Weise.

Gerrard-Fußball erinnert sehr an Klopp-Fußball

Was bei Gerrards Erfolgskurs auffällt: Wie im System Klopp attackieren auch bei ihm die Außenverteidiger ständig und werden so zu verkappten Flügelstürmern. Das führt sogar zu dem Kuriosum, dass mit James Tavernier der Rechtsaußen der Abwehrkette mit elf Treffern bester Torschütze ist.

Auch Gerrard schickt seine Elf überwiegend in einem offensiven 4-3-3 auf das Feld. Dabei agiert das Mittelfeld wie bei Klopp eher defensiv. Das Trio ist vorrangig als Ballverteiler respektive Staubsauger vor der Abwehr und Absicherung für die anlaufenden Außenverteidiger gefragt.

Rangers begeistern auch in Europa League

Das Toreschießen schultern die anderen Mannschaftsteile. Es wirkt wie eine Doublette des Liverpooler Powerfußballs, der zwei Jahre lang ganz Fußballeuropa in Atem hielt und mit dem Champions-League-Triumph sowie der Meisterschaft gekrönt wurde. Wenn auch in Glasgow natürlich auf einem längst nicht so hohen Niveau gespielt wird.

Festzuhalten bleibt zudem, dass Gerrards Team längst nicht nur an der wegen ihres Leistungsgefälles oftmals belächelten Scottish Premiership abliefert. In der Quali für die Europa League warfen die Rangers keinen Geringeren als Galatasaray Istanbul (2:1) aus dem Wettbewerb. Gegen Standard Lüttich, Lech Posen und Benfica Lissabon gelang ungeschlagen der Gruppensieg, zuletzt wurde Royal Antwerpen mit 4:3 und 5:2 aus dem Weg geräumt.

Erfolgreiche Europa-Tour keine Eintagsfliege

Bereits in der vergangenen Saison war erst im Achtelfinale gegen Bayer Leverkusen Endstation - trotz namhafter Gruppengegner wie dem FC Porto oder Feyenoord Rotterdam. Es wäre Gerrard also durchaus zuzutrauen, die immensen Fußstapfen von Klopp auszufüllen, zumal er selbstredend mit einem Legenden-Bonus ins Abenteuer starten würde.

Wobei dieser schnell aufgebraucht sein kann, wie zuletzt Frank Lampard beim FC Chelsea erfahren musste. Dennoch wird sich mit Sicherheit niemand dieser Gelegenheit verschließen, wieder zusammenzubringen was zusammengehört.

Klopp favorisiert Gerrard als seinen Nachfolger

Natürlich ist Gerrard viel mehr Liverpool, als Klopp oder irgendein anderer Trainer auf der Welt es jemals sein könnten. Das weiß auch der derzeit mit den "Reds" kriselnde Erfolgstrainer, der schon im vergangenen Jahr seinen Segen gab: "Wenn man mich fragt, wer auf mich folgen soll, würde ich Stevie sagen. Ich helfe ihm, wann immer ich kann."

Um diese Feel-Good-Story Realität werden zu lassen, braucht es mutmaßlich nur noch einen Stein des Anstoßes. Wobei sie auf den in Frankfurt und vor allem Glasgow gern noch länger verzichten würden.

Marcus Giebel

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