Marina Granovskaia. - Bildquelle: imago images/PRiME Media ImagesMarina Granovskaia. © imago images/PRiME Media Images

München/London – John Terry war unzufrieden. Er wollte ein bisschen mehr Geld, etwas mehr Anerkennung. Immerhin ist er Chelsea-Legende. Klub-Ikone. Fan-Liebling.

Mit dieser Reputation kann man in Verhandlungen durchaus auch mal auf Konfrontationskurs gehen, um die Konditionen eines neuen Vertrags zu verbessern. 

Doch die Antwort, die Terry 2016 erhielt, war laut "Daily Mail" unmissverständlich.

"Take it or fucking leave it."

Nett übersetzt: "Nimm es oder lass es." Terry unterschrieb.

Knallharte Worte 

Die knallharten Worte kamen von Marina Granovskaia, die beim FC Chelsea als Direktorin für die Transfers zuständig ist. Die Anekdote taucht immer wieder auf, exemplarisch für ihr Vorgehen, als Charakterisierung ihres Stils, eine Szene als Blaupause einer Macherin, die als knallhart gilt.

Man muss dazu sagen: Terry hat sich 2019 vehement gegen die Berichterstattung gewehrt, sie als "Lüge" und "100 Prozent unwahr" bezeichnet. 

Doch wie auch immer: Wer Granovskaia kennt, der weiß, dass die Geschichte genauso passiert sein könnte. Denn die 46-Jährige hat sich beim FC Chelsea längst den Ruf der "Iron Lady", der eisernen Lady erarbeitet.  

Die Terry-Story mag überzeichnet oder gar erfunden sein, die Botschaft dahinter zeigt aber, welche Eigenschaften die gebürtige Russin hat, um sich in der Männerdomäne Profifußball nicht nur durchzusetzen, sondern sich den Respekt zu erarbeiten und einen Namen zu machen. Sie gilt als knallhart, als humorlos, gewitzt, aber auch als gerecht und schlicht gut in ihrem Job. Qualität setzt sich durch. 

Nicht umsonst gilt sie inzwischen als mächtigste Frau im Weltfußball, da sie seit Jahren bei den "Blues" mit den Millionen des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch jongliert – und das ziemlich gut. 

Rummenigge beeindruckt

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge gehört zu den Konkurrenten, die beeindruckt sind, denn der FC Chelsea "ist einer von nur zwei oder drei Klubs, die finanziell stabil sind. Die Zahlen von Chelsea sehen sehr positiv aus. Marina hat sehr gute Arbeit geleistet", sagte der 65-Jährige.

Die Londoner hatten für das Geschäftsjahr 2019/20 einen Gewinn von 32,5 Millionen Pfund verkündet – trotz Pandemie. Seit der Saison 2013/14 gaben die Blues für Transfers 1,258 Milliarden Euro aus, alleine im vergangenen Sommer waren es fast 250 Millionen Euro. Im Gegenzug wurden in dem Zeitraum 911,52 Millionen Euro durch Verkäufe eingenommen.

Keine allzu schlechte Bilanz in einer Liga, in der mit Geld nur so um sich geworfen wird.

Doch woher kommt die Macherin, die am liebsten im Hintergrund agiert, das Rampenlicht anderen überlässt und keine Interviews gibt? 

Enge Abramowitsch-Vertraute

Sie arbeitet seit dem Abschluss ihres Fremdsprachen-Studiums für Abramowitsch, seit fast 25 Jahren also. In der Zeit stieg sie zu einer der engsten Vertrauten des Milliardärs auf, wird Beraterin und Vermögensverwalterin. 2003 nimmt er sie nach der Übernahme mit zum FC Chelsea. Seit fast zehn Jahren kümmert sie sich um die wichtigen Deals, wie zum Beispiel den Ausrüster-Wechsel zu Nike, der über eine Laufzeit von 15 Jahren rund 997,5 Millionen Euro schwer sein soll. In ihre Ära ab 2013 fallen zwei Meisterschaften, zwei Pokalsiege und ein Triumph in der Europa League. Dabei ist sie der angenehme Gegenentwurf zu den Kollegen, die gerne in der Öffentlichkeit stehen und sich dort gerne inszenieren.

"Sie hat bei Chelsea im Prinzip die Macht. Roman vertraut ihr total. Sie hat kein Interesse daran, ein Star zu sein. Trotzdem kann es keinen Zweifel daran geben, wer das Sagen hat und wer die Richtung vorgibt", wurde eine klubinterne Quelle im "Evening Standard" zitiert.

Bayer Leverkusens Ex-Chef Wolfgang Holzhäuser erinnert sich an die eine oder andere Verhandlung. "Die Gespräche haben nie lange gedauert und gehörten zu den angenehmsten, die ich geführt habe. Marina wollte Fakten und unsere Vorstellungen wissen und hat dann ihre Position gesagt. Sie war als Verhandlungspartnerin im Sinne der Sache hart, aber immer fair, offen und seriös", sagte er der "Bild".

"Nur" 80 Millionen für Havertz

Womit wir bei einem wahren Beispiel für ihre Arbeitsweise sind. Nicht nur Holzhäuser taxierte den Wert von Kai Havertz im vergangenen Sommer auf 100 Millionen Euro, auch Bayer wollte so viel für den Nationalspieler haben. Granovskaia drückte den Basis-Preis auf 80 Millionen, der erst durch Boni auf 100 Millionen anwachsen kann. 

"In unserem Klub gibt es nur eine Person, die dafür sorgt, dass Dinge über die Bühne gehen, und das ist natürlich Marina", sagte Petr Cech, der ebenfalls im Management des Klubs tätig ist: "Offensichtlich ist sie die beste Person dafür. Marina macht den schwierigen Teil, der darin besteht, mit allen Beteiligten zu verhandeln."

So auch bei Timo Werner, der aus Leipzig an die Stamford Bridge geholt wurde, oder auch Trainer Thomas Tuchel, der Frank Lampard beerbte. 

Sie alle wissen: Sollten irgendwann mal wieder Verhandlungen anstehen, hat Granovskaia das Sagen. 

"Take it or fucking leave it."

Andreas Reiners

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