Einer der vier Neuzugänge aus der Bundesliga: Taiwo Awoniyi - Bildquelle: Getty ImagesEiner der vier Neuzugänge aus der Bundesliga: Taiwo Awoniyi © Getty Images

München - Als die letzte Angriffswelle von Huddersfield abebbte, ertönte der erlösende Pfiff. Die Emotionen der knapp 80.000 Fans im Stadion schwappten über. Schluss. Nottingham Forest sichert sich den Aufstieg in die Premier League. Auf den letzten Drücker über die Playoffs. Eine Rückkehr, die knapp 20 Jahre auf sich warten ließ.

Der Traditionsklub, der gegen Ende der 1970er-Jahre zur europäischen Spitze gehörte und zwei Mal die Champions League gewann, möchte nun erneut in der Premier League Fuß fassen. Knapp 100 Millionen Euro investierten die "Tricky Trees" bereits in Neuzugänge.

Die Bundesliga avanciert dabei zu einem Import-Schlager. Auch, weil hinter den Kulissen ein ehemaliger Stuttgarter die Fäden zieht. 

George Syrianos: Einer der Köpfe hinter dem Erfolg

Vor gut einem Jahr lockte Forest den heute 32 Jahre alten George Syrianos nach England. Der gebürtige Starnberger arbeitete zuvor beim VfB Stuttgart als Chefanalyst. Er soll dem Verein aus den East Midlands, dessen Glanz nach knapp 20 Jahren Zweitliga-Dasein etwas verblasst war, einen Neuanstrich geben. Junge Spieler holen, attraktiven Fußball spielen lassen, Rahmenbedingungen für eine langfristige Entwicklung schaffen. 

"Ziel ist es, ein junges Team aufzubauen, das über einen langfristigen Zeitraum zusammen besteht, mit dem sich vor allem die Fans identifizieren können. Die Historie, die Umgebung und vor allem die Fans sind Elemente, die mit einbezogen werden müssen", sagte er zu Beginn seiner Amtszeit im Interview mit "transfermarkt.de". 

Gleich zu Beginn der Saison mussten die Forest-Verantwortlichen allerdings einen Dämpfer hinnehmen. Sechs Niederlagen aus den ersten sieben Partien, vorletzter Tabellenplatz. Nach dem Fehlstart wurde Steve Cooper als neuer Trainer ins Boot geholt und sollte die Mannschaft durch die wilden Gewässer des Abstiegskampfes segeln. 

Kehrtwende unter Steve Cooper

Doch unter der Leitung des 42-Jährigen gelang viel mehr. Nottingham avancierte zu einem der formstärksten Teams der Liga, kletterte hoch bis auf Tabellenplatz vier und sicherte sich in den nervenaufreibenden Playoffs den Aufstieg. 

Blitzartiges Umschaltspiel mit eiskalten Abschlüssen, Lauffreudigkeit und ein gutes Gegenpressing zeichnete das Team aus. Defensiv ließ Cooper mit einer Fünferkette, drei zentralen Mittelfeldspielern und zwei Stürmen spielen, offensiv beackerten die Außenverteidiger die Flügel mit und trieben das Spiel über die Außenbahnen an.

"Der Turnaround ist vor allem sein Verdienst. Besonders der entstandene Glaube an sich selbst ist in jedem Spiel spürbar," lobte Syrianos Trainer Cooper in einem Interview mit dem "kicker". Der walisische Coach war ein Jahr zuvor noch mit Swansea City im Playoff-Finale gegen den FC Brentford am Premier-League-Aufstieg gescheitert, holte dies nun bei seiner zweiten Station im Profibereich umgehend nach.

Awoniyi, Mangala und Co. kommen aus der Bundesliga

Damit die Mission Klassenerhalt glückt, haben Syrianos und sein Team neue Stützen für das taktische Konstrukt von Cooper verpflichtet. Gleich vier Spieler kommen aus der Bundesliga. Taiwo Awoniyi avancierte bei Union Berlin zum Goalgetter, glänzt auch als Pressing-Spieler gegen den Ball und bringt die nötige Physis für den Fußball in der Premier League mit.

Omar Richards konnte sich bei Bayern München nicht wirklich durchsetzen, jedoch zeigte der 24-Jährige in seiner Karriere bisher die technischen Feinheiten, das Passspiel und die Kondition, um als offensiver Außenverteidiger zu agieren. Allerdings erlitt er jüngst eine schwere Beinverletzung und wird den Saisonstart verpassen. 

Moussa Niakhate dürfte im Abwehrzentrum eine wichtige Rolle einnehmen. Der ehemalige Mainzer ist in der Defensive zweikampfstark und physisch. Forest dürfte in der Premier League oft auf Konter lauern, Niakhate zeigte bei Mainz immer wieder gute Übersicht im Passspiel und die nötige Risikofreudigkeit, um schnell Distanz mit hohen Pässen oder Steilpässen zu überbrücken. 

Der Transfer von Orel Mangala steht Berichten zufolge kurz vor dem Abschluss. Der Stuttgarter dürfte bei Nottingham den Mittelfeldmotor geben. Knapp 60 Millionen Euro lässt sich Syrianos diese vier Spieler wahrscheinlich zusammengerechnet kosten.

Weitere Stars aus der Premier League

Syrianos setzt zudem auf Erfahrung aus der Premier League. Jesse Lingard kommt ablösefrei von Manchester United und hat bereits 165 Spiele im englischen Oberhaus absolviert. Torhüter Dean Henderson kommt ebenfalls von den "Red Devils", allerdings auf Leihbasis. Der 25-Jährige hütete in der Saison 2020/21 als Stammkraft das Tor von Sheffield United und ließ in 36 Partien lediglich 33 Gegentore zu. 

Forest eiste Neco Williams vom FC Liverpool los, der Rechtsverteidiger gilt als einer der vielversprechendsten Außenverteidiger in der englischen Liga und zeigte in der Vergangenheit die nötige Dribbelstärke, Passgenauigkeit und Ausdauer, um im System von Cooper zu bestehen. 

"Eigens konzipierte App" für Spielerscouting

Dass er dabei nichts dem Zufall überlasst, liegt auch an einer modernen Scouting-Strategie. "Wir kaufen Rohdaten, die mit Hilfe eines von mir mitentwickelten Modells verwertet und dann von einer eigens konzipierten App für alle Entscheidungsträger dargestellt werden. (Dadurch) können wir intern mittel- und langfristige Prognosen über Spieler und ihre Leistungen erstellen", sagte Syrianos im "kicker". 

Eine langfristige Prognose über den möglichen Erfolg von Nottingham Forest in der Premier League gibt es nicht. Das Fundament ist allerdings gelegt. Jetzt gilt es, darauf aufzubauen. 

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