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München – Am Ende war nur noch Jubel. Tränen. Freudenschreie. Ekstase. Eine Gefühls-Explosion.

Gänsehaut.

Und das nicht nur bei Fans von Eintracht Frankfurt, sondern auch bei einem ungewöhnlich großen Teil der deutschen Fußball-Anhänger. Das ging weit über das übliche Europapokal-Mantra "Wir halten zu den deutschen Teams" hinaus.

Jede Menge Unterstützung

Der (Fan)-Marsch der Eintracht durch Europa mit dem abschließenden Triumph in Sevilla gegen die Glasgow Rangers hat vor allem in den vergangenen Wochen viele ungewöhnliche Emotionen in Deutschland hervorgerufen, eine positive Resonanz erzeugt, viele Sympathien geweckt.

Doch warum?

Es gibt sie, die essenziellen Unterschiede zum FC Bayern oder auch Borussia Dortmund, die regelmäßig im Europapokal vertreten sind und auch mehr oder weniger regelmäßig erfolgreich sind, dafür aber außerhalb ihrer Fan-Blase selten so viel allgemeinen Zuspruch und ungebrochene Unterstützung erhalten: Die Frankfurter haben großflächig Träume geweckt, mit Sehnsüchten gespielt, das perfekte Märchen hingelegt.

Sie haben den Fußball gelebt. Und geliebt. Und am Ende gesiegt.

 

Emotionen, Drama, Sensationen

Sie haben gefeiert. Die Mannschaft. Den Fußball. Das Fan-Leben. Und damit sich selbst.

Emotionen, Drama, Sensationen und ganz, ganz viel Party: Der Stoff, aus dem der Frankfurter Siegeszug durch Europa war, macht süchtig. Wo für jeden Drehbuchautor zu viel Kitsch dabei gewesen wäre, ist die Story für andere Klubs eine Inspiration.

Denn die Eintracht hat als Underdog gezeigt, was mit einem verschworenen Haufen und jeder Menge Begeisterung auf den Rängen möglich sein kann. Mannschaft und Fans haben die Europa League zu ihrer Bühne gemacht. Sich selbst von Statisten zu Hauptdarstellern und den Großen wie den Bayern, dem BVB oder RB Leipzig die Show gestohlen.

Tradition verleiht dann doch Flügel. 

Und am Ende war es auch ein Sieg gegen den Kommerz. Die Eintracht hat den Traum jener Bundesligisten vorgelebt, die eben kein Euro-Abo haben, für die alles perfekt zusammenlaufen muss, um solch eine Reise zu erleben. 

Ja, und die Fußball-Fans in der Republik schauen mit einer Mischung aus Neid, Respekt und Sehnsucht nach Frankfurt. Denn diese Europa-League-Saison der Frankfurter war eine Reminiszenz an das, was den Fußball in seinem Kern ausmacht, eine romantische Ode an die Liebe zum Spiel. Und Trostspender für alle, die solche Erlebnisse aus ihren Fan-Träumen schon verbannt haben.

Denn sie wurden Zeuge eines modernen Fußball-Märchens, das in Zeiten von perversen Ablösesummen, abgehobenen Verantwortlichen und realitätsfremden Stars kaum noch möglich schien. Das Beste daran: Der Weg ist nicht zu Ende, denn die Frankfurter nehmen in der kommenden Saison durch den Europa-League-Sieg an der Champions League teil, im Konzert der ganz Großen. 

Die ganz große Bühne also. Jede Menge Potenzial für noch mehr Märchen.

So sollte Fußball sein

Noch ein schöner Nebeneffekt: Einer von Geld und Raffgier getriebenen Branche wurde in elektrisierender Eleganz - auch durch die Fans der Rangers - vorgemacht, wie Fußball heute noch sein kann.

Wie er eigentlich sein sollte.

Andreas Reiners

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