Parierte den einzigen Elfmeter am Abend: Frankfurts Mauer Kevin Trapp - Bildquelle: ImagoParierte den einzigen Elfmeter am Abend: Frankfurts Mauer Kevin Trapp © Imago

München/Sevilla - Es läuft die 118. Spielminute im Estadio Ramon Sanchez Pizjuan zu Sevilla. Die Glasgow Rangers haben in Person von Ryan Kent die wohl größte Möglichkeit des Spiels. Aus vier Metern kommt Kent zum Abschluss, doch Eintracht Frankfurts Schlussmann Kevin Trapp hält mit einer Weltklasse-Fußabwehr das Elfmeterschießen fest.

Jenes Elfmeterschießen entscheidet ebenfalls der SGE-Keeper mit einem Save gegen Aaron Ramsey. Es ist wahrlich kein Zufall, dass er es ist, der das Spiel entscheidet und sich in die Geschichtsbücher einträgt. Spiegelt Trapp doch beinahe alles wider, was die Eintracht in den vergangenen Jahren in Europa ausgemacht hat.

Deutscher EL-Rekordspieler und stiller Top-Performer

Im Herbst 2013 machte die SGE erstmals im Europapokal auf sich und seine Fans aufmerksam. Nach einem starken sechsten Platz im Vorjahr qualifizierte sich Frankfurt für die Europa League - erstmals seit der Wettbewerbsreform im Jahr 2009. Im Gegensatz zu anderen deutschen Teams sah Frankfurt den Wettbewerb nicht als unliebsame Pflicht an, sondern als absolutes Highlight - und so spielten sie auch. Dramatisch scheiterten die Frankfurter im Achtelfinale am FC Porto und der Auswärtstorregel (5:5 nach Hin- und Rückspiel).

Bereits damals stand Trapp im Tor. Neben Sebastian Rode der einzige der heutigen EL-Sieger, die damals schon Adlerträger waren. Er ist der deutsche Rekordspieler in der Europa League mit 39 Einsätzen. Alle für die SGE, versteht sich.

Wie alle Frankfurter, damals wie heute, wuchs der mittlerweile 31-Jährige im Laufe der europäischen Jahre fast immer über sich hinaus, nachdem im Stadion die Hymne der Europa League gespielt wurde. Im Viertelfinale 2018/19 beispielsweise rettete er mit einem exzellent parierten Elfmeter gegen Inter Mailands Marcelo Brozovic das Weiterkommen, nur ein kleiner Eintrag in der Chronik der Monsterleistungen des Kollektivs Sportgemeinschaft Eintracht Frankfurt.

Zudem ist Trapp ein Fanliebling, kaum zu glauben ob seiner Vergangenheit beim 1. FC Kaiserslautern. Das zahlte er nach dem Gewinn des Pokals zurück, er übergab die schwere Trophäe nach dem Sieg über die Rangers auch an die Fankurve. "Ohne die Fans hätten wir das schließlich nicht geschafft", sagte er anschließend bei "RTL".

Der Mann, der der Eintracht - erneut muss man sagen - ein Spiel zu ihren Gunsten entschied, blieb jedoch bescheiden. Nachdem er von einem Reporter als "Held" angesprochen wurde, entgegnete er nur: "Guck dich um, wir sind alle hier Helden." Der 31-Jährige weiß, wie gut er ist, weiß jedoch auch einzuschätzen, welchen Anteil alle anderen am Erfolg haben. Er repräsentiert die Eintracht so gut wie kaum ein anderer: Unterschätzt, aber in den Ausnahme-Momenten zur Stelle.

Trotz starken Leistungen: Kaum eine Chance bei der Nationalmannschaft

Fast tragisch eigentlich, dass so ein hervorragender Keeper wie Trapp bisher nur sechs Länderspiele absolvieren konnte - obwohl er zu 53 Spielen eingeladen war.

Deutschland verfügt traditionell über hervorragende Schlussmänner und vor dem Frankfurter befinden sich Marc-Andre ter Stegen sowie der vierfache Welttorhüter Manuel Neuer in der DFB-Hierarchie. Trapp erklärte zwar, dass dies nichts an seiner Motivation ändere, zweifelsohne dürfte er es aber im Hinterkopf haben, dass er vermutlich in 95 Prozent aller Nationalmannschaften weltweit die unangefochtene Nummer eins wäre.

An Bundestrainer Hansi Flick gehen die hervorragenden Leistungen jedoch nicht vorbei: "Klar hat Kevin eine herausragende Form, er hat in den letzten Monaten die richtige Entwicklung gemacht, sensationell gehalten, das registrieren wir", sagte der Nationaltrainer.

Wie im Estadio Ramon Sanchez Pizjuan hielt Trapp auch in seinem bis dato letzten Länderspiel gegen Israel einen Elfmeter. Da sich Konkurrent ter Stegen bereits für die kommenden Länderspiele im Juni abmeldete, ist die Chance auf Einsatzzeit beim DFB für den gebürtigen Saarländer nicht gerade kleiner geworden. Und wer weiß, wie viele Länderspiele Neuer noch machen wird.

Nächster Halt: Champions League

Kleiner werden die Chancen auf den DFB-Kasten auch nicht, wenn Trapp mit der Frankfurter Eintracht in der kommenden Saison in der Königsklasse aufläuft. Er ist einer von nur wenigen Frankfurtern im aktuellen Kader, die bereits die ikonische Hymne auf dem Rasen anhören durfte.

Gut möglich, dass die anpassungsfähigen Adlerträger sich dann noch einmal steigern können. Das wird wohl nicht nur ein Wunsch sein, sondern auch ein Muss, wenn man in einer möglichen Gruppe mit großen Namen wie etwa Atletico Madrid, Juventus oder Liverpool um ein europäisches Überwintern kämpft.

Um dieses hochgesteckte Ziel zu schaffen, wird die Eintracht auch wieder auf ihren Schlussmann Kevin Trapp bauen können.

Ihren selbstlosen "Helden" in einer legendären Nacht von Sevilla.

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