Von Franziska Wendler

"Wenn der Traum wahr wird, wird das Leben zum Rausch."

Selten dürfte eine Fan-Choreographie so gut zur Situation eines Klubs gepasst haben, wie in diesem Fall. Am Donnerstagabend zeigten die Anhänger von Union Berlin im Europa-League-Duell gegen Favorit Ajax Amsterdam genau dieses Motto - und lagen damit goldrichtig.

Im Stadion an der Alten Försterei erlebten Fans und Spieler einen Abend, den so schnell niemand vergessen dürfte. Mit 3:1 besiegte das leidenschaftliche Team aus Köpenick den niederländischen Serienmeister und schnappte sich nach einem 0:0 im Hinspiel erstmalig das Ticket für das Achtelfinale in der Europa League.

"Es ist einfach unfassbar. Es ist außergewöhnlich. Das hätte vor der Saison keiner gedacht", jubelte Robin Knoche bei "RTL": "Wir entwickeln uns Stück für Stück weiter. Jeder kann seinen Teil dazu beitragen. Das macht einfach Spaß."

 

Union erstmals im Achtelfinale der Europa League

Dass die Saison auf europäischer Bühne vor vielen Monaten mit zwei 0:1-Niederlagen gegen den belgischen Vertreter Royale Union Saint Gilloise und den portugiesischen Klub SC Braga begonnen hatte, erscheint dabei wie aus der Zeit gefallen.

Bei den Eisernen herrscht Euphorie - und das zu Recht. Und vor allem zur rechten Zeit. Am Sonntag steht in der Münchner Allianz Arena das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen dem FC Bayern und den Berlinern auf dem Programm (ab 17:30 Uhr im ran-Liveticker).

Voller Begeisterung ob der historischen Leistung intonierten die leidenschaftlichen Fans nach dem Sieg gegen Ajax bereits den Klassiker: "Zieht den Bayern die Lederhosen aus."

Duell gegen den FC Bayern als nächste Prüfung

Doch was vor nicht allzu langer Zeit hochgegriffen und übertrieben erschienen wäre, ist im Angesicht der aktuellen Situation mehr als nur möglich. Und das nicht nur, weil der Rekordmeister derzeit nicht unbedingt auf dem Zenit der eigenen Leistungsfähigkeit steht.

Punktgleich liegen die Münchner, der BVB und Union an der Tabellenspitze der Bundesliga. Der beeindruckende Sieg gegen Ajax hat den Hoffnungen auf einen Sieg in München neue Nahrung gegeben.

Zwar überließ das Team von Trainer Urs Fischer dem Gegner fast zu 75 Prozent den Ball, eine starke Zweikampfführung und fiese Nadelstiche in Form von schnellen Umschaltmomenten erwiesen sich aber als Mittel zum Erfolg.

"Wir sind natürlich überglücklich, auch wenn die 90 Minuten sehr anstrengend waren. Aber es hat sich definitiv geloht", führt Knoche weiter aus, wollte sich im Hinblick auf das Duell gegen Bayern aber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen: "Mal gucken, was am Wochenende möglich ist."

Trainer Fischer tritt auf Euphoriebremse

Sein Cheftrainer zeigte sich am "RTL"-Mikrofon von den Errungenschaften seiner Mannschaft derweil begeistert. "Es geht wirklich fast nicht besser. Wenn ich überlege, wo wir nach den ersten beiden Gruppenspielen standen - und jetzt sind wir im Achtelfinale. Das ist ja Wahnsinn", jubelte er.

Trat in Sachen Bayern-Bezwinger aber ebenfalls ein wenig auf die Euphoriebremse: "Fürchten tun wir uns nicht. Wir müssen sehr gut mit unseren Kräften umgehen, müssen regenerieren. Wir müssen gegen den Ball präziser werden. Ich glaube nicht, dass es ein zweites Mal gutgeht", setzte er direkt zu einer Analyse des Geschehens an.

Vor dem mit Spannung erwarteten Duell gegen die Bayern steht am Freitagmittag ab 12 Uhr aber erst einmal die Achtelfinal-Auslosung auf dem Programm. Einen Wunschgegner hat Union dabei nicht. "Wir nehmen alles", sagte Rani Khedira bei "RTL+".

Bei der derzeitigen Erfolgswelle keine allzu verwunderliche Aussage.

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