Unmittelbar vor Spielende wurde Gianluigi Donnarumma (M.) gegen Salvatore Si... - Bildquelle: 2021 Getty ImagesUnmittelbar vor Spielende wurde Gianluigi Donnarumma (M.) gegen Salvatore Sirigu ausgewechselt. © 2021 Getty Images

München - Es ist eine der grundsätzlichen Fragen im Fußball, über die regelmäßig leidenschaftlich diskutiert wird. Soll eine Mannschaft, für die es um nichts mehr geht, mit der bestmöglichen Aufstellung auflaufen? Oder sollen Spieler geschont werden? Argumente gibt es reichlich für beide Varianten.

Die bestmögliche Elf aufzubieten, ist zum einen eine Frage der Fairness. Schließlich geht es ja häufig für den Gegner noch um etwas, andere Mannschaften hoffen auf Schützenhilfe. Außerdem besteht die Gefahr, dass der Flow verloren geht, wenn für ein Spiel komplett durchgewechselt wird. Gerade bei einem Turnier wie der Europameisterschaft, wo es erst nach der Gruppenphase so richtig ernst wird.

Auf der Gegenseite ergibt sich natürlich die Chance, Leistungsträger zu schonen, ihnen im engen Spielplan eine Pause zu verschaffen. Reservisten sammeln Spielpraxis, ein Trainer kann etwas ausprobieren. Und vielleicht wollen die Spieler aus der zweiten Reihe ihre Chance nutzen und spielen besonders motiviert auf. Diese Argumente überzeugten Italiens Nationalcoach Roberto Mancini offenbar, am Sonntagabend gegen Wales als bereits feststehender Gruppensieger eine komplette B-Elf aufzubieten.

 

Kurz vor Schluss wird auch noch Donnarumma ausgewechselt

Der Plan ging auf, Wales wurde mit 1:0 besiegt, Italien feierte den dritten Sieg im dritten Spiel und wird mehr und mehr zu einem ganz großen Favoriten bei dieser Europameisterschaft. Man könnte also Mancini eigentlich nichts vorwerfen, hätte er nicht kurz vor Schluss auch noch Torwart Gianluigi Donnarumma ausgetauscht und damit deutlich überzogen. Das grenzt an Arroganz!

Natürlich gibt es auch gute Argumente für diese Aktion, schließlich verschaffte Mancini Ersatztorwart Salvatore Sirigu zumindest ein paar Minuten Einsatzzeit bei der EM, was für den Teamgeist sicher nicht schlecht ist. Bei diesem Wechsel überwiegen aber klar die Gegenargumente. Den Torwart ohne Not auszutauschen, gilt im Fußball nämlich als Respektlosigkeit der gegnerischen Mannschaft gegenüber. Man denke nur etwa an Felix Magath, der im April 2009 beim Stand von 5:1 ebenfalls in der 89. Minute Andre Lenz für Diego Benaglio einwechselte. Die Bayern, damals Gegner, schäumten vor Wut.

Auswechslung war überzogen und unnötig

Bayern-Kapitän Mark van Bommel sprach damals von einer Respektlosigkeit, wie er sie sich schlimmer kaum vorstellen könne, die Bayern-Bosse und -Fans schimpften und murrten ebenfalls. Schließlich hatte der FC Bayern nach der deutlichen Niederlage in Wolfsburg keine Chance mehr auf die Meisterschaft und wurde außerdem ausgerechnet vom Ex-Trainer vorgeführt.

Für Wales ist die aktuelle Situation weniger dramatisch, die Mannschaft rund um Superstar Gareth Bale steht nach der Niederlage trotzdem im Achtelfinale und dürfte sich durch den Torwartwechsel weit weniger angegriffen fühlen.

Und doch war Donnarummas Auswechselung überzogen, unnötig und vielleicht sogar ein wenig unsportlich. Mancini hätte sich die Aktion besser gespart. Alleine schon, um die nun aufkommenden Diskussionen, ob der Wechsel nun respektlos ist oder nicht, zu vermeiden. Denn Italien, die bislang vielleicht beste Mannschaft dieser Europameisterschaft, hat es nicht nötig, mit etwas anderem als ihrem fußballerischen Können für Schlagzeilen zu sorgen.

Christian Stüwe

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