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München - Vor dem UEFA-Conference-League-Spiel zwischen OGC Nizza und dem 1. FC Köln gab es heftige Ausschreitungen zwischen den Lagern beider Klubs. Nun drohen den Kölnern Strafen durch die Europäische Fußball-Union (UEFA). 

Bislang sei dies zwar "reine Spekulation", sagte Geschäftsführer Christian Keller nach dem 1:1 (1:0) seines Klubs in der Conference League. Die Krawallmacher hätten aber nicht nur "für viele Tausend das Erlebnis mehr oder weniger kaputt" gemacht, sondern auch "für Konsequenzen" gesorgt, "die wir jetzt noch gar nicht absehen können", zitierte der "Express" den 43-Jährigen.

Köln-Fans nicht zum ersten Mal auffällig

Erschwerend dürfte hinzukommen, dass Fans des 1. FC Köln nicht zum ersten Mal negativ auffielen. Auch bei der bislang letzten Saison im Europapokal 2017/2018 musste die UEFA auf das Fehlverhalten einiger Anhänger bei Auswärtsspielen in London und Belgrad reagieren.

"Ich weiß, dass wir auf Bewährung sind", sagte Keller, "sicher ist es auch so, wenn du einmal auffällig warst, dann merkt man besser, was du gemacht hast, als wenn du nie auffällig warst." Was aber ist genau vorgefallen?

Wie Bilder und Videos aus dem Stadion zeigen, kam es zu brutalen Prügeleien und Attacken von beiden Seiten auf Anhänger des jeweils gegnerischen Vereins. Dabei wurden auch Feuerwerks-Raketen und Pyrotechnik auf gegnerische Fans geworfen. Per Durchsage wurden die Anhänger im Stadion vor Anpfiff gewarnt: Beim ersten Zwischenfall werde die Partie sofort abgebrochen.

Schwerverletzte im Stadion

Laut Berichten - unter anderem von der Nachrichtenagentur "AFP" - gibt es 32 Verletzte, darunter mindestens ein deutscher Fan, der angeblich mit einem Messer attackiert wurde. Wie außerdem berichtet wird, hat sich ein als FC-Fan verkleideter Anhänger von Paris St. Germain bei einem Sturz vom Mittelrang schwer verletzt und befindet sich offenbar in einem äußerst kritischen Zustand.

Zuvor waren tausende Kölner gemeinsam in Rot durch die Straßen Nizzas gewandert und hatten sich auf das Spiel gegen den französischen Erstligisten vorbereitet. Das dabei gezeigte Verhalten hat den Bürgermeister Nizzas verärgert. So erklärte er auf Twitter, dass die Rechnung für Schäden und die Reinigung öffentlicher Plätze, die durch die FC-Fans entstanden sind, an den 1. FC Köln geschickt werde.

Jonas Hector wendet sich an Fans

Nach den Ausschreitungen richtete FC-Kapitän Jonas Hector Worte an die mitgereisten Fans im Stadion.

"Wir haben richtig Bock, das Spiel mit euch zu bestreiten. Wir wollen auch, dass das Spiel stattfindet. Aber wir müssen sagen, dass wir sowas nicht gutheißen – wir sehen das gar nicht gern. Wir haben uns dafür letztes Jahr und in den Playoff-Spielen den Arsch aufgerissen. Und wir würden das sehr gerne mit euch machen, und deswegen bitte ich euch: behaltet die Nerven, bleibt ruhig, unterstützt uns so gut es geht. Das ist das, was der Verein auch will. Dass wir zusammenstehen und in Frieden einfach den Fußball feiern und nicht die Gewalt. Danke euch."

1. FC Köln äußert sich auf Twitter

Auch der Klub hat in den sozialen Medien jegliche Form der Gewalt verurteilt und zu fairem und respektvollem Umgang aufgerufen. Daraufhin hat der "Effzeh" durch ein Video auch nochmals bestätigt, dass die Spieler wieder auf dem Platz sind und sich aufwärmen. Die Partie wurde um 19:45 verspätet angepfiffen.

Christian Keller: PSG-Fans involviert

Kölns Geschäftsführer Christian Keller zu den Vorkommnissen bei "RTL+": "Zuerst sind Hooligans aus Nizza in unseren Fanblock eingedrungen. Danach sind Hooligans aus unserem Fanblock, größtenteils aus Paris und als Köln-Fans verkleidet, in den Nizza-Block gestürmt."

Und weiter: "Die Leute, die das gemacht haben, es sind auf beiden Seiten keine 100. Aber das was hier passiert ist, ist pervers." Später kündigte er gegenüber der "Bild" an, hart gegen die Chaoten vorzugehen: "Es war alles vorbereitet für ein richtig gutes Fußballspiel. Was dann folgte war eine Katastrophe und geht mir richtig auf den Sack. Bei jedem, den wir identifizieren, werden wir unabhängig von der Schuldfrage dafür sorgen, dass er in kein Stadion zu einem FC-Spiel mehr kommt."

Co-Trainer Andre Pawlak war ebenfalls fassungslos: "Mir fehlen die Worte. Ich habe so etwas in Köln noch nie erlebt und ich will es auch nie erleben. Wir haben der Mannschaft gesagt, dass sie für sich und für die vielen tausend friedlichen Fans spielen soll."

Keeper Marvin Schwäbe ergänzt: "Wir Torhüter waren schon auf dem Rasen und haben es am Rande mitbekommen. Eigentlich sollte man diesen Menschen gar keine Bühne geben. Aber man muss sich klar davon distanzieren – die haben im Stadion Nichts verloren."

"Wir sind Kölner - und ihr nicht!"

Zudem tauchten Videos aus dem Köln-Block auf, in dem die Fans vermummte FC-Anhänger verbal angehen und aufgrund der Vorkommnisse kritisieren. "Wir sind Kölner - und ihr nicht!", wurde gesungen, während vermummte, mutmaßliche Randalierer durch den Auswärtsblock laufen.

Am Ende hatten die mitgereisten Köln-Fans tatsächlich Grund zu jubeln. Steffen Tigges sorgte für den 1:0-Führungstreffer des "Effzeh". Zwar kassierten die Kölner durch Nizzas Andy Delort nach 62 Minuten noch den Ausgleich, doch am Ende hielt FC-Keeper Marvin Schwäbe den Punkt fest.

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