Lionel Messi wurde zum siebten Mal mit dem Ballon d'Or ausgezeichnet - Bildquelle: GettyLionel Messi wurde zum siebten Mal mit dem Ballon d'Or ausgezeichnet © Getty

München - Vor der Verleihung des Ballon d'Or waren für Lothar Matthäus die Vorzeichen eindeutig. "Ich bin nicht gespannt, für mich ist es klar", erklärte der Rekordnationalspieler. So könne es nur "einen Sieger geben – und das ist Robert Lewandowski. Wenn man die Leistung über das ganze Jahr sieht, ist er klar der Beste."

Bayern-Boss Oliver Kahn sah dies ähnlich. Alles andere als ein Triumph seines Stürmer-Stars würde ihn "zutiefst enttäuschen", wie er erklärte.

Diese Enttäuschung dürfte am Montagabend mit aller Wucht eingetreten sein. Denn entgegen aller Erwartungen und Vorhersagen durfte sich der Pole am Ende nicht über den Sieg freuen, sondern musste sich mit Rang zwei begnügen.

Lewandowski glänzt für FC Bayern

Stattdessen wurde wieder einmal Lionel Messi ausgezeichnet. Jener Spieler also, der mit dem FC Barcelona in der vergangenen Saison in der Liga nur Dritter wurde, in der Champions League im Achtelfinale scheiterte und der in Diensten seines neuen Arbeitgebers Paris Saint-Germain bisher nur selten überzeugen konnte.

Warum also fiel die Wahl zum insgesamt siebten Mal auf den Argentinier?

Beim Blick auf das Abstimmungsergebnis wird eines klar: ein enges Rennen war es zwischen beiden nicht: Messi erhielt 613 Stimmen, Lewandowski nur 580.

In der Bundesliga hatte der Pole in der vergangenen Saison mit 41 Toren die ewige Bestmarke von Gerd Müller geknackt, in der aktuellen Spielzeit steht er nach 20 Pflichtspielen bereits wieder bei 25 Treffern. Im gesamten Kalenderjahr 2021 stehen für Verein und Nationalmannschaft 64 Tore zu Buche. Leistungstechnisch hat der Stürmer also alles getan, um die Trophäe einzufahren.

Ballon d'Or: Lewandowski mit gleichem Problem wie Ribery

Ihm wurde allerdings ein Problem zum Verhängnis, das Spieler des FC Bayern schon seit jeher haben. Zwar gilt der Rekordmeister hierzulande häufig als FC Hollywood, in der internationalen Wahrnehmung ist dies aber mitnichten der Fall.

Vereine wie PSG, Real Madrid oder selbst der von seinem Schuldenberg beinahe erdrückte FC Barcelona schimmern heller als die Münchner. Das solide wirtschaftliche Handeln der Bayern und der Bundesliga mögen vernünftig sein, sorgen aber ohne schlagkräftige Konkurrenz im eigenen Land nicht für Spannung.

41 Tore in einer Liga-Saison sind unumstritten überragend, im Ausland schwingt allerdings immer die Frage mit: Hätte Lewandowski dies auch in England oder Spanien hinbekommen?

Der Stürmer hat das gleiche Problem wie Franck Ribery im Jahr 2013. Damals – und vielleicht sogar noch heute - fühlte sich der Franzose nach einem Ausnahmejahr um die Auszeichnung beraubt. Seinerzeit landeten mit Cristiano Ronaldo und Messi sogar zwei Profis vor ihm.

CR7 und Messi weltweit angesehener 

CR7 und sein langjähriger Rivale haben selbst in Jahren, in denen sie nicht mehr die absoluten Überflieger sind, immer noch zwei entscheidende Vorteile. Neben der Tatsache, dass sie bei internationalen Zuschauern für spannender befundenen Klubs spielen, sind ihre Namen eine Marke auf der ganzen Welt.

Auf allen Kontinenten spielen kleine Jungs mit Messi- und Ronaldo-Trikots auf Bolzplätzen. Jerseys mit dem Namen Lewandowski werden weit weniger vertreten sein.

Bei der Wahl stimmen ausschließlich Journalisten ab und vergeben Punkte an fünf von 30 Spielern auf der Liste. Da spielt das internationale Standing eine nicht unbedeutende Rolle. 

Dass Robert Lewandowski in Bundesliga-Spielen gegen Bochum, Fürth oder Mainz geglänzt hat, dürfte nicht jeder mitbekommen haben. Auf andere Kandidaten wird mehr Aufmerksamkeit gerichtet.

Dazu muss erwähnt werden, dass Messi auch sportliche Gründe für seine Auszeichnung geliefert hat. Im Sommer sicherte er sich mit der argentinischen Nationalmannschaft den so lange ersehnten Sieg bei der Copa America. An neun Toren war der Ausnahmekönner beteiligt - ein ebenfalls wichtiger Faktor auf dem Weg zum Titel.

Messi würde Lewandowski Titel gönnen

Dass Lewandowski dennoch die Auszeichnung verdient gehabt hätte, erkannte auch Preisträger Messi an. "Ich glaube, "France Football" sollte dir den Ballon d'Or für 2020 noch verleihen. Du hättest es verdient", richtete er bei seiner Dankesrede nette Worte in Richtung des Bayern-Stars.

Ausgerechnet im vergangenen Jahr, als Lewandowski mit den Münchnern das Triple gewann, fiel die vom französischen Magazin initiierte Wahl aufgrund von Corona aus.

Auf eine Auszeichnung mit dem Ballon d'Or wartet der Pole also auch nach zwei außergewöhnlichen Jahren weiter vergeblich.

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