Robert Lewandowski droht bei der Wahl zum Ballon d'Or ein Fiasko. - Bildquelle: Getty ImagesRobert Lewandowski droht bei der Wahl zum Ballon d'Or ein Fiasko. © Getty Images

München - Gierig wollen sie beim FC Bayern ständig sein – gierig auf Tore, gierig auf Siege, gierig auf Titel. Während Gier eigentlich im normalen Sprachgebrauch als Makel gilt und gierige Menschen niemand so recht mag, gelten sie an der Säbener Straße als gerade gut genug für den Rekordmeister.

So gesehen ist Robert Lewandowski vermutlich der perfekte Bayern-Profi: Keiner ist gieriger, keiner will so sehr den mannschaftlichen – aber eben auch den persönlichen – Erfolg wie der Pole.

Gerade in diesen Tagen wird das wieder besonders deutlich, denn es gibt wieder etwas zu gewinnen: den Ballon d'Or. Jener Titel, den "Lewy" noch nicht in der Vitrine stehen hat. Und bei aller Freude über die Titel "FIFA-Weltfußballer des Jahres" und "UEFA-Spieler des Jahres", die er 2020 abräumen durfte, ist die Gier auf den goldenen Ball besonders groß.

Der Ballon d'Or gilt als der wichtigste Preis

Beim Ballon d'Or handelt es sich nämlich nicht nur um die traditionsreichste und prestigeträchtigste der drei Ehrungen. Die Tatsache, dass sie 2020 wegen der Corona-Pandemie nicht verliehen wurde, macht sie diesmal doppelt wertvoll. Schließlich wird man quasi für seine Konstanz in zwei Jahren belohnt.

55 Pflichtspieltore in der Saison 2019/20, 48 in der Spielzeit darauf – und auch jetzt wieder auf Rekordkurs. Aktuell bringt es Lewandowski auf 1,35 Torbeteiligungen pro Spiel. Es sind Statistiken eines Galaktischen.

"Kein Spieler hätte es mehr verdient als Robert. Er hat neben seiner Gier auf Tore eine unfassbare Haltung zu diesem Sport", sagte Julian Nagelsmann am Samstag nach dem 1:0-Sieg gegen Arminia Bielefeld und Vorstands-Boss Oliver Kahn hatte bereits am Donnerstag auf der Jahreshauptversammlung verkündet: "Er ist der beste Stürmer der Welt. […] Es würde mich zutiefst enttäuschen, wenn er diese Trophäe nicht erhält. Niemand verdient es wie er."

Thomas Müller drückte es bei "Sky" wohl am prägnantesten aus: "Der Lewy muss das Ding holen und fertig!"

Lewandowski muss sich auch gegen Seilschaften durchsetzen

Doch so einfach ist die Sache nicht, denn wie bei jeder Wahl dieser Art zählen eben nicht nur Tore und Titel (die Lewandowski haufenweise mit den Bayern gewonnen hat), sondern eben auch persönliche Anti- und Sympathien der wahlberechtigten Journalisten. Auch so manche Absprache und Freundschaftsdienste können nie ganz ausgeschlossen werden.

Und nicht zuletzt sorgten mehrere Leaks in den Wochen vor der Ehrung für Aufregung. Der erste Ende Oktober dürfte bei den Bayern-Fans Freude ausgelöst haben.

Auf Twitter tauchte eine angebliche Liste aus der Redaktion von "France Football" auf, dem Magazin, dass seit 1956 den Ballon d'Or verleiht. Ganz oben der Name Robert Lewandowski.

Neue Leaks sehen Messi vorn

Doch ganz aktuell kursieren neue Gerüchte: Die Journalisten Josep Pedrerol (von "El Chiringuito") und Matte Moreno (von "Calciomercato") behaupten, dass Lionel Messi zum siebten Mal die Trophäe gewinnen wird. Lewandowski landet zudem angeblich nur auf Platz drei – noch hinter Karim Benzema. Der Franzose kann sich ohnehin auf die mächtige Lobby von spanischer Presse und Real Madrid verlassen.

Thomas Müller sieht in seinen Überlegungen übrigens tatsächlich Benzema als den eigentlich stärksten Konkurrenten von Lewandowski. "Er hat auch super performt, muss man sagen", sagte Müller.

Warum also angeblich wieder Messi? Der Mann, der sich seit seinem Wechsel nach Paris eher als das müdeste der vielen PSG-Zirkuspferde präsentiert und erst einmal für seinen neuen Klub getroffen hat, umweht trotzdem weiterhin der Geist einer lebenden Legende.

Die Triumphe im spanischen Pokal und vor allem bei der Copa America, Messis erstem Titel mit der A-Nationalmannschaft Argentiniens, könnten "La Pulga" nach ganz vorne spülen.

Ein Preisträger aus der Ligue 1 würde vielen gefallen

Ebenfalls nicht zu unterschätzen: Bei "France Football" könnte man sich sicher mit dem Gedanken anfreunden, den Sieger des goldenen Balles quasi vor der Haustür in Paris zu haben.

Es wäre das erste Mal seit Jean-Pierre Papin im Jahr 1991, dass der Gewinner des Ballon d'Or in der Ligue 1 aktiv ist. George Weah hatte 1995 zwar zunächst für PSG gespielt, war aber noch im Sommer vor der Preisverleihung zum AC Mailand gewechselt.

Die Bayern tragen ungewöhlich dick auf

Ist das Spiel für Lewy also gelaufen?

Ein Indiz dürfte den Fans von Robert Lewandowski doch noch Mut machen: Die Homepage des FC Bayern München dreht sich nur noch um den polnischen Superstürmer. Kaum denkbar, dass der Rekordmeister sich so deutlich positioniert und Lewandowskis Nominierung so zelebriert, wenn man sich nicht sehr, sehr gute Siegchancen ausrechnen würde.

Zum Vergleich: Auf den Seiten von Real Madrid und Paris St. Germain spielt die Ehrung nur eine untergeordnete Rolle.

Alles also offen – nur eines scheint sicher zu sein: Robert Lewandowski wird gierig bleiben. Egal ob er den Ballon d'Or gewinnt oder nicht.

Stefan Kumberger

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