Von Andreas Reiners

München – Es schmerzt, wenn Helden altern. 

Noch schmerzvoller ist es, wenn sie ihren Zenit überschritten und den richtigen Zeitpunkt verpasst haben, abzutreten. Wenn der Glanz verblasst, das Denkmal bröckelt, die Leistungen irdischer werden. Wenn das Vorbild nur noch ein Schatten erfolgreicher Tage ist. Wenn der Abgang längst überfällig ist.

Für eine ganze Generation war jahrelang nur eine Frage im Fußball wichtig: Wer ist der Beste: Lionel Messi? Oder doch Cristiano Ronaldo? 

Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi: Eine Glaubensfrage

Es war nicht einfach nur eine Frage, es war eine Glaubensfrage, über die sich Fans definierten und wunderbar emotional stritten. 

Die Glaubensfrage sorgt ein Stück weit immer noch für leidenschaftliche Diskussionen. Doch Messi ist inzwischen 35, Ronaldo 37. Der Herbst ihrer Karrieren bläst ihnen unbarmherzig und kräftig ins Gesicht.

Deshalb lautet die Frage inzwischen eher: Wer altert würdevoller?

Fest steht inzwischen: Cristiano Ronaldo ist es nicht.

Denn der Portugiese hat in einem großen Interview brachial und mit markigen Worten mit Manchester United abgerechnet, um sich geschlagen, die Brücken abgebrochen, mit voller Absicht, aus reinem Kalkül und sehr öffentlichkeitswirksam. In dieser Form für ihn eher ungewöhnlich, dafür in der Wirkung umso nachhaltiger.

Die Botschaft ist klar: CR7 will nur noch weg.

Das Problem: Niemand will CR7. Zumindest nicht zu seinen Bedingungen.

Wer will CR7?

Das war schon im Sommer so, das wird nun auch im Winter nicht anders sein. Es sei denn, Ronaldo schraubt seine Erwartungen und Forderungen herunter, sieht ein, dass er als Stürmer internationalen Formats immer noch für magische Momente sorgen, dafür aber nicht mehr die volle Exklusivität fordern kann. 

Extrem-Egoismus geht im Fußball so lange gut, bis der Egoist selbst nicht mehr genug geben kann. Ronaldo kann seinen verdienten Legendenstatus auf dem Platz aber schon länger nicht mehr bedienen. Doch eine Nummer kleiner macht es CR7 nicht.

Dafür bedient Ronaldo mit der nun mit dem Interview überraschend angezettelten, öffentlichen Schlammschlacht den früher oft eher unfairen Ruf, ein selbstverliebter Schnösel zu sein. Ronaldo hat schon immer polarisiert. Am meisten dann, wenn er auf besonders extrovertierte Art und Weise den Beleidigten spielte. 

Wie jetzt.

Es ist ein in dieser Form ebenso unnötiges wie unwürdiges Ende seiner Ära bei Manchester United. Ausgerechnet dort, wo alles begann.

Wer nun die Schuld an dem Eklat trägt, wie schlimm es um den Klub steht, wie schlecht Ronaldo wirklich behandelt wurde und warum er das Ganze nicht stilvoller - einer Legende würdig - austrägt – das ist nach der Abrechnung fast schon zweitrangig. 

Cristiano Ronaldo und Manchester United: Es gibt nur Verlierer

Das Tischtuch ist zerschnitten. Der Klub gibt keine gute Figur ab. Eine Legende demontiert sich selbst. Wie so oft gibt es bei diesem Drama nur Verlierer.

Und es schmerzt, wenn Helden altern. Vor allem dann, wenn sie es selbst nicht wahrhaben wollen.

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