Die neue Heimspielstätte des griechischen Traditionsklubs AEK Athen: Das Agi... - Bildquelle: ImagoDie neue Heimspielstätte des griechischen Traditionsklubs AEK Athen: Das Agia-Sofia-Stadion © Imago

München - Mit diesem Satz hatte Toni Saveski, Legende beim griechischen Klub AEK Athen, mehr als nur recht: "Die meisten dachten, in zwei bis drei Jahren ins neue Stadion zurückzukehren. Aber bei AEK kam schon immer alles anders."

Am Montagabend kam es in Griechenlands Hauptstadt zu einem Moment, auf den die Fans des Traditionsvereins sage und schreibe 19 Jahre gewartet haben! Der nominell drittgrößte Klub der griechischen Liga konnte erstmalig wieder ein "echtes" Heimspiel im eigenen Stadion austragen.

100.000 Tickets hätten verkauft können, doch nur 32.000 Fans wurden am Ende Zeugen des historischen Moments.

Das Team von Trainer Matias Almeyda schlug Ionikos Nikea mit 4:1 - der frühere Bundesliga-Profi Mijat Gacinovic trug gleich zwei Treffer zum Erfolg bei. Im Stadion wurde die Rückkehr in die geliebte Heimat mit massenhaft Pyrotechnik gefeiert. Die Fans schienen ob des Ereignisses außer Rand und Band.

AEK Athen 19 Jahre ohne "echtes" Heimspiel

Wie aber kann es sein, dass ein Profiklub 9.070 Tage - und damit 19 Jahre lang - nicht in einem eigenen Stadion spielen kann?

Im September 1999 hatte es in Athen ein verheerendes Erdbeben gegeben, bei dem das Stadion von AEK Athen stark beschädigt wurde. Der Plan seinerzeit: Die bereits 1930 erbaute Arena sollte in den Umbauplan für die Olympischen Spiele 2004 einbezogen werden, das ehrwürdige Bauwerk dabei neu errichtet werden.

Im Mai 2003 fand schließlich das letzte Heimspiel statt. In einer Saison, in der AEK einen bis heute nie wieder erreichten, aber mehr als nur zweifelhaften Rekord erlangte. Als bislang einziges Team der Geschichte schieden die Griechen ungeschlagen in der Champions-League-Gruppenphase aus. Sechs Unentschieden hatten nicht zum Weiterkommen gereicht.

Klub-Führung im Clinch mit der Politik

Was folgte war eine jahrelange Odyssee.

Die Investorengruppe des Klubs traf auf korrupte Politiker und Behörden, schnell wurde der Plan entwickelt, das Stadion andernorts neu zu errichten. Wirklich vorwärts ging es aber nicht, dazu kam der sportliche Misserfolg. Mehr und mehr Investoren sprangen ab, 2013 stieg der Klub erstmals nach 90 Jahren in die zweite Liga ab.

Doch es sollte wieder aufwärts gehen. Ein neuer Präsident übernahm und wollte das neue Stadion genau dort hinstellen, wo das alte zehn Jahre zuvor abgerissen wurde.

Doch erneut gab es Zoff mit der Politik. Der örtliche Bürgermeister lieferte erbitterten Widerstand gegen den Bau einer neuen Arena. Nicklichkeiten landeten vor Gericht. Es wurde sogar um einzelne Bäume, die hätten gefällt werden müssen, gestritten.

Eine finale Baugenehmigung bekam der Klub erst 2017, ein Jahr später wurde die Meisterschaft nicht im Olympiastadion, sondern mit hunderttausenden Anhängern rund um die Baustelle gefeiert.

Das Ende des jahrelangen Nervenkriegs kam aber erst 2019, als ein neuer Bürgermeister – selbst glühender AEK-Anhänger - gewählt wurde.

Agia Sofia an alter Stätte

Er vereinte alle Interessen, die Arena wurde gebaut und die Infrastruktur angepasst. Am vergangenen Freitag war es dann schließlich soweit. Das Agia Sofia, so heißt das legendäre Stadion, wurde feierlich eingeweiht. Das Bauwerk erinnert dabei in vielerlei Hinsicht an die alte Arena.

Bei den Fans ist die Freude über die neue alte Heimstätte nach 19 Jahren grenzenlos. Zur Einweihung kamen Fanklubs aus Australien, den USA und verschiedenen europäischen Ländern. Die Restaurants und Bars rund um das Stadion sind gut gefüllt, viele Fans ließen sich sogar mitten in der Nacht vor dem neuen Prunkstück ablichten.

Richtig rührend wurde es beim Blick auf das erste Banner im Stadion. "Opa, wir sind wieder zurück", schrieb ein Enkel, dessen verstorbener Großvater ob der unzähligen Jahren nicht mehr miterleben konnte, dass es der Klub doch wieder zurück in die alte Heimat geschafft hat.

Dass das erste Heimspiel dann auch noch mit einem souveränen Sieg endete, machte das Glück bei den AEK-Fans perfekt.

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