Georgios Giakoumakis ist ein Spätstarter und galt von seinem Wechsel zu VVV ... - Bildquelle: imago images/Pro ShotsGeorgios Giakoumakis ist ein Spätstarter und galt von seinem Wechsel zu VVV Venlo als Flop © imago images/Pro Shots

Venlo/München - Als der VVV Venlo im August 2020 für den unbekannten Stürmer Georgios Giakoumakis (auch Giorgos Giakoumakis) eine Ablöse von 200.000 Euro zahlte, mag das für Außenstehende kaum nachvollziehbar gewesen sein.

Der Grieche galt bei AEK Athen nämlich als Dauerflop. 2017 wurde er von dem Traditionsverein für 300.000 Euro verpflichtet, weil er in der Vorsaison für AO Platanias immerhin elf Saisontore erzielt hatte.

In Athen und in Polen gescheitert

Diese Investition sollte der zwölfmalige griechische Meister bitter bereuen. Giakoumakis entwickelte sich nämlich zum Chancentod. 17 Ligaspiele bestritt er für Athen, zudem insgesamt neun Europacup-Spiele.

Die maue Ausbeute: ein Tor.

Auch die Ausleihen waren erfolglos. Zwei Tore für OFI Kreta, drei Tore für den polnischen Erstligisten Gornik Zabrze - das war's. Mehr brachte der Stürmer in insgesamt drei Jahren nicht zustande.  

Es ließ sich annehmen, dass die ordentliche Saison von Giakoumakis mit den elf Toren lediglich ein Ausrutscher gewesen war. Auch in den Jahren zuvor machte er nicht gerade als Torjäger von sich reden, erzielte in keiner Saison mehr als zwei Tore.

Athen war 2017 wohl froh, den Stürmer überhaupt losgeworden zu sein. Nun allerdings ist die Stimmungslage sicherlich eine völlig andere. Giakoumakis zählt nämlich plötzlich zu den treffsichersten Stürmern in ganz Europa.

Seine Bilanz: 23 Ligaspiele, 23 Tore. 

Auf dem Kontinent trafen lediglich Robert Lewandowski (Bayern München, 28 Tore) und Paul Onuachu (KRC Genk, 24 Tore) noch häufiger.

Während die genannten beiden Spieler allerdings bei Spitzenvereinen unter Vertrag stehen, trifft Giakoumakis für einen Abstiegskandidaten wie am Fließband.

VVV Venlo steht auf dem 15. Tabellenplatz, hat lediglich fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und blickt einem schwierigen Spiel am Samstag gegen Feyenoord Rotterdam entgegen.

"Durch seine Tore ist er Millionen wert"

Giakoumakis ist praktisch der Heilsbringer von Venlo: Erst soll er den Klassenerhalt sichern, dann den Kontostand des Vereins aufbessern. 

"Durch seine Tore ist er Millionen wert", sagt Sportdirektor Stan Valckx gegenüber "1Limburg". "Wenn das Angebot für alle gut ist, werden wir einem Wechsel zustimmen. Wir wollen verhindern, dass es ein Gefeilsche wird. Zum Glück kommt Georgios gut mit der Situation zurecht und ist nicht abgehoben."

Gut möglich, dass Giakoumakis, der mittlerweile drei Länderspiele für Griechenland bestritten hat, auch das Interesse einiger Bundesligisten weckt. Sein Vertrag läuft noch bis Sommer 2022, inklusive Option auf Verlängerung durch den Klub. Venlo müsste ihn also im Sommer verkaufen, um eine ordentliche Ablöse zu erzielen.

Auf den Spuren von Bas Dost und Alfred Finnbogason

Bislang haben es nur wenige Spieler geschafft, Torschützenkönig der Niederlande zu werden, ohne für einen der Spitzenvereine Ajax Amsterdam, PSV Eindhoven oder Feyenoord Rotterdam zu spielen.

Bas Dost gelang dies 2011/2012 für den SC Heerenveen, er wechselte danach für sieben Millionen Euro zum VfL Wolfsburg. Alfred Finnbogason vollbrachte selbiges 2014 und spielt heute beim FC Augsburg.  

Wie hoch die Ablöse für Giakoumakis auch immer sein mag: Es dürfte sich für Venlo-Sportchef Valckx auch finanziell gelohnt haben, den Torjäger in die Niederlande zu holen. 

Kurios: Das Scouting ging in einem Cafe vonstatten.

Valckx war zum Ende der vergangenen Saison hin extra nach Polen gereist, um sich einen Eindruck von Giakoumakis zu verschaffen.

"Wegen der corona-bedingten Einschränkungen bekam er keine Eintrittskarte und musste sich das Spiel in einem Cafe ansehen", erzählt Giakoumakis: "Danach bat er mich um ein Gespräch am Folgetag. Dass er mir so viel Zeit opferte, hat mich beeindruckt."

Kurz darauf begann sein rasanter Aufstieg in die Elite der europäischen Top-Stürmer. 

Oliver Jensen

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