Lionel Messi gewinnt den Ballon d'Or 2021 - Bildquelle: gettyLionel Messi gewinnt den Ballon d'Or 2021 © getty

München - Dieser Anblick tat nicht nur denen weh, die es mit Robert Lewandowski halten: Paris, Montagabend, 21:53 Uhr – gerade wurde verkündet, dass Lionel Messi die Trophäe zum siebten Mal mit nach Hause nehmen darf, während der polnische Stürmer des FC Bayern leer ausgeht. 

Lewandowski lächelt gequält, applaudiert artig. Aber man kann sich vorstellen, wie es in ihm zugeht. Enttäuschung, ja vielleicht Wut, dürften Lewandowskis vorherrschende Gefühle sein. 

Zu Recht! 

Offenbar zählten auch diesmal nicht die Leistungen in den vergangenen 12 bzw. 24 Monaten (2020 war die Ehrung aufgrund von Corona ausgefallen), sondern der rosarote Blick auf das Lebenswerk von Lionel Messi. 

Ja, er hat kürzlich den spanischen Pokal geholt und ja, er konnte seine Karriere endlich mit einem Titel mit der argentinischen Nationalmannschaft krönen. Aber der dominante Faktor im internationalen Fußball war Robert Lewandowski! 

Was soll Lewandowski denn noch leisten?

55 Pflichtspieltore in der Saison 2019/20, 48 in der Spielzeit darauf und aktuell 1,35 Torbeteiligungen pro Spiel – das soll etwa nicht reichen, um den Ballon d'Or zu gewinnen?  

On top der Triple-Sieg 2020, das Brechen des uralten Torrekords von Gerd Müller in er Bundesliga und bereits neun Tore in der aktuellen Champions-League-Saison. Es sind Werte, die Oliver Kahns Aussage vom vergangenen Donnerstag stützen: "Niemand hat es mehr verdient als Robert Lewandowski!" 

Lewandowski hat keine Lobby

Zugegeben, der 33-Jährige hat mit der Nationalmannschaft keine Triumphe gefeiert, aber als Pole ist das nun mal schwieriger als als Argentinier. Es fehlen einfach die herausragenden Mitspieler.

Nicht nur verwegenen Verschwörungstheoretikern drängen sich zwei Gedanken auf: Zum einen scheinen manche der stimmberechtigen Journalisten einfach aus Gewohnheit ihr Kreuzchen bei Messi zu machen. Damit liegt man schließlich nie komplett falsch.  

Zum anderen scheinen manche Reporter zu sehr im Dunstkreis der Großklubs zu leben, über die sie berichten. Manche Spieler und manche Vereine verfügen über hervorragende Netzwerke, Spindoktoren und Lobbyisten. Lewandowski fehlen diese offenbar. 

Lasst Ex-Profis mitwählen!

Bei den Hütern des Ballon d'Or sollte man sich ehrlich eingestehen: Der aktuelle Modus ist nicht mehr zeitgemäß – ein Korrektiv muss her. Warum lässt man neben der internationalen Journalisten-Schar nicht auch ehemalige Sieger der Trophäe mitwählen?

So geschieht es ja bereits bei der "Kopa-Trophy" für den besten Spieler unter 21 Jahren. Die ehemaligen Weltklassespieler können schließlich am besten einschätzen, welche Leistungen ganz besonders sind und einen Preis verdient haben. Sie kennen all die Entbehrungen, Schmerzen und Umstände eines Musterprofis wie Robert Lewandowski. 

Dem Polen kann man nur wünschen, dass er den Frust schnell ablegt und weiterhin trifft und trifft und trifft. Vielleicht klappt es dann im Jahr 2022.

Stefan Kumberger

Du willst die wichtigsten Fußball-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android.

News-Ticker

Video-Tipps

Aktuelle Galerien