- Bildquelle: IMAGO/Marco Canoniero © IMAGO/Marco Canoniero

München/Mailand - Was haben Andrea Pirlo, Mark van Bommel, Kevin-Prince-Boateng, Sokratis Papastathopoulos, Alessandro Nesta, Filippo Inzaghi und Zlatan Ibrahimovic gemeinsam? Sie alle gehörten zur letzten Meistermannschaft des AC Mailand. Zumindest bis zum 22. Mai 2022. Nach elf Jahren der Belanglosigkeit konnte der stolze Mailänder Klub seinen 19. Meistertitel perfekt machen. Wieder dabei? Natürlich Zlatan Ibrahimovic.

Der mittlerweile 40-Jährige kehrte Anfang Januar 2020 zu seiner alten Liebe zurück, obwohl er in Los Angeles eigentlich seine Karriere hätte ausklingen lassen können. Doch "Ibrakadabra" hatte noch etwas zu erledigen. Er wolle erst gehen, wenn er den AC Mailand wieder zu altem Glanz verholfen habe, kündigte er damals an. Bei seiner Ankunft standen die "Rossoneri" auf Platz elf der Serie A. Diesen Verein, der seit 2011 nur zwei Superpokalsiege feiern konnte, wieder an die Spitze bringen... es glich einer Herkulesaufgabe.

Aber zurück ins Jahr 2011. Oder eher ins Jahr 2012. Milan schaffte es nicht, seinen Titel zu verteidigen, musste sich Juventus Turin, die in der Folge Serienmeister in Italien werden sollten (2012 bis 2020), geschlagen geben. Vereinslegenden wie Gennaro Gattuso, "Pippo" Inzaghi und Alessandro Nesta verließen den Klub. Ohne die Stars der 2010er rutschte der AC Mailand in eines der dunkelsten Kapitel der Vereinsgeschichte ab.

Lange Durststrecke für den AC Mailand

Die Saison 2013 sollte lange Zeit die letzte Spielzeit in der Champions League bleiben. Erst 2021 konnte sich Milan wieder für die "Königsklasse" qualifizieren. Auch in der Liga enttäuschte der einstige Topklub immer wieder. Fand sich im Mittelfeld, weit abseits der internationalen Plätze, wieder. Zwischen 2013 und 2019 versuchten fünf verschiedene Trainer den "schlafenden Riesen" wiederzuerwecken. Alle scheiterten.

Es musste ein Umdenken im Verein stattfinden. Weg von der Selbstverständlichkeit, dass man immer noch ein Spitzenklub sei, hin zur Annahme der "Underdog-Rolle" und dem Eingeständnis, dass es einen Wiederaufbau braucht, um Milan zurück an die Spitze zu bringen.

Der Wiederaufbau trägt zwei wesentliche Namen: Paolo Maldini und Ivan Gazidis. Letzterer wurde, nach vielen Jahren beim FC Arsenal, Anfang Dezember 2018 Chief Executive in Mailand. Kurz zuvor hatte der amerikanische Hedgefond "Elliott Management" den Verein vom chinesischen Investor Li Yonghong gekauft. Zu diesem Zeitpunkt saß der Klub auf einem Haufen Schulden. "Elliott Management" half dabei diese abzubauen, kürzte den Etat und sorgte dafür, dass Gazidis und Maldini kreative Lösungen suchen mussten.

Die Rückkehr zu altem Glanz

Mit dem Duo Gazidis/Maldini gelang dem Klub 2018/19 die beste Ligaplatzierung seit 2013. Mit einem fünften Platz verpasste Milan zudem nur knapp die Qualifikation zur Champions League. Maldini, mit 900 Spielen Rekordspieler des Klubs und seit 2019 Technischer Direkto, und Gazidis brachten den AC Mailand wieder in die Spur. Der Südafrikaner und die Vereinslegende verstärkten den Klub durch teils kluge Transfers. Zudem kehrte mit Stefano Pioli Konstanz auf der Trainerbank ein.

Mit Olivier Giroud, Fikayo Tomori, Sandro Tonali, Rafael Leao Mike Maignan, Theo Hernandez und Franck Kessie verstärkte das Duo die Mannschaft durch eine Mischung aus Erfahrung und entwicklungsfähigen Spielern. Diese sollten die Grundlage für die kommenden Jahre bilden.

Der Weg hat sich, das kann man spätestens nach dem Gewinn der Meisterschaft behaupten, gelohnt. Übrigens auch für "Elliott Management". Die Firma steht kurz vor dem Verkauf des Klubs an einen weiteren amerikanischen Fond: "Red Bird". Kostenpunkt? Rund eine Milliarde Euro.

Zlatan Ibrahimovic und die Herkulesaufgabe

Zurück zu Zlatan Ibrahimovic und seine Aussagen im Januar 2020. Der Klub liegt in diesem Jahr auf Platz elf der Liga, ist jahrelang ein Mittelfeldteam und hat schon lange keinen Titel mehr gewinnen können. Und der Schwede kommt aus den USA zurück und kündigt an, erst wieder zu gehen, wenn der Klub wieder da ist wo er hingehört.

 

In der griechischen Mythologie musste Herakles, um den Mord an seinen Kindern und seiner Frau zu sühnen, zwölf, teils unmögliche Aufgaben erledigen. Die viel beschriebenen "Herkulesaufgaben". Wie gemacht für "Ibrakadabra", den selbst ernannten Gott. Wie gemacht für Zlatan Ibrahimovic. Auch wenn der mittlerweile 40-Jährige auch langsam akzeptieren muss, dass das Alter dem Körper Tribut zollen muss, war er der wohl wichtigste Faktor für die Meisterschaft des AC Mailand.

In 23 Spielen erzielte Ibrahimovic acht Tore, drei weitere legte er vor. Immer wieder machten ihm kleinere Verletzungen zu schaffen. Ob es für ihn weitergeht, ist noch unklar. Nach dem Titelgewinn, als er in der Kabine eine Rede an das Team richtete, erklärte er zu Beginn, dass dies keine Abschied sei. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob der Schwede seine Mission wirklich als beendet sieht oder ob er sich bereits das nächste Ziel gesteckt hat.

Philipp Schmalz

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