Schon 1985 sorgte die Auswärtstorregel bei Borussia Mönchengladbach für ein ... - Bildquelle: ImagoSchon 1985 sorgte die Auswärtstorregel bei Borussia Mönchengladbach für ein bitteres Aus © Imago

München - Hängende Köpfe in Ingolstadt, enttäuschte Gesichter beim FC Bayern München. Dabei hatte der FC Ingolstadt gerade das Relegations-Rückspiel gegen den 1. FC Nürnberg mit 3:1 gewonnen und die Münchner siegten in der Champions League mit 1:0 bei Paris Saint-Germain.

Und dennoch stieg der FCI ab, Bayern schied im Viertelfinale der Königsklasse aus. Beide Mannschaften fielen der Auswärtstorregel zum Opfer.

Jener Regel, die seit 1965 Bestand hatte, aber schon längst aus der Zeit gefallen war. Ihren traurigen Höhepunkt als Farce erlebte sie in Zeiten der Pandemie, als nicht einmal Zuschauer zugelassen waren. Für welchen "Nachteil" sollten die Auswärtsmannschaften also entschädigt werden?

Diese Regeländerung war ein Meilenstein!

Nach fast sechs Jahrzehnten verabschiedete die UEFA diese Regel. Endlich!

Die jetzt zu Ende gehende Saison war vielleicht die gerechteste der letzten 56 Jahre. Ein Meilenstein!

Vorbei ist die Zeit, in der ein 0:0 im Hinspiel für die Heimmannschaft ein gutes Ergebnis war, ein 1:1 hingegen als gefährlich galt, weil das Auswärtsteam das ach so wichtige Tor im fremden Stadion erzielte.

Vorbei ist die Zeit, in der eine Mannschaft aus dem Wettbewerb ausschied, obwohl sich beide Teams in 180 Minuten zwei Mal unentschieden trennten. Fragt in Fürth nach, in Heidenheim, die beide in der Relegation den Aufstieg in die Bundesliga aus genau diesem Grund verpassten. Ein schreckliches Gefühl!

Und vorbei ist auch die Zeit, in der man immer wieder mit dem Mythos aufräumen musste, dass Auswärtstore angeblich doppelt zählen. Mehr Bedeutung besaßen sie - allerdings zu Unrecht.

Ja, die Regel sollte unnötig viele Verlängerungen und Elfmeterschießen verhindern. Und das tat sie auch. Aber auf welche Kosten?

1985 gewann Borussia Mönchengladbach gegen Real Madrid mit 5:1. Weil das Rückspiel mit 4:0 an die Spanier ging, war das Hinspiel auf einen Schlag nichts mehr wert. 

Oder 1991... Der 1. FC Kaiserslautern verlor zwar beim FC Barcelona mit 0:2, spielte die Katalanen im Rückspiel aber förmlich an die Wand. 3:0 stand es. Bis zur 90. Minute. Bis Jose Bakero kam und das 3:1 erzielte. Trotz der Niederlage jubelten die Spanier nach dem Abpfiff. Dank der Auswärtstorregel. Von Gerechtigkeit konnte an diesem Abend niemand sprechen.

Was wohl passiert wäre, in einer Verlängerung, Elfmeterschießen - man wird es nie erfahren. Fairer wäre es aber allemal gewesen.

Die große Angst der Kritiker, dass die Abschaffung der Auswärtstorregel deutlich mehr Verlängerungen hervorbringen würde, hat sich zudem nicht bestätigt. In den drei europäischen Wettbewerben war es in der Saison 2021/22 nur vier Mal der Fall, dass es aufgrund der neuen Regelung zur Verlängerung kam. Bei insgesamt 58 K.o.-Runden.

Doch auch wenn es mehr Verlängerungen gegeben hätte, im Zeichen der sportlichen Fairness wurde der Schritt in die richtige Richtung gegangen. In Zeiten, in denen Spielumstände mehr und mehr vereinheitlicht sind, verlor die Regel ohnehin immer mehr ihre ursprüngliche Begründung, als Auswärtsfahrten noch echte Strapazen waren.

Heutzutage macht es kaum noch einen Unterschied, ob ein Team zu Hause oder auswärts spielt. Die Kabinen sind überall hervorragend ausgestattet, der Rasen in jeder Arena perfekt gepflegt.

Teams konnten in dieser Saison Hinspiele offener gestalten und offensiver agieren, die Heimmannschaft war zu weniger defensivem Taktieren gezwungen. Das darf auch in Zukunft gerne so bleiben.

Die Auswärtstorregel entschied zwar nicht im Vorfeld das Rückspiel, beeinflusste es aber mehr, als es gut für den Fußball war. Wie oft schienen Rückspiele im Vorfeld beinahe aussichtslos, weil die Auswärtsmannschaft die erste Begegnung gewonnen hatte? Das wurde nun entschärft.

Und an Spektakeln sowie spannenden Entscheidungen mangelte es in dieser Saison trotz der Abschaffung nicht - vielleicht sogar gerade deswegen.

Die UEFA leitete keineswegs immer die besten Veränderungen ein, doch in diesem Fall war es die richtige. Zumindest auf der kleinen Ebene hat sie den Fußball etwas gerechter gemacht. 

Es war die gerechteste und damit die schönste Saison seit langem.

Danke!

Luca Ostermeier

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