Hat nun alle drei Wettbewerbe insgesamt fünf Mal gewonnen: Jose Mourinho - Bildquelle: ImagoHat nun alle drei Wettbewerbe insgesamt fünf Mal gewonnen: Jose Mourinho © Imago

München - "Ernsthaft, noch ein Wettbewerb? Die UEFA versucht wirklich alles um Geld zu machen."

Das war der allgemeine Tenor unter den Fußballfans, als die UEFA die Europa Conference League angekündigte. Der dritte Europapokalwettbewerb neben Champions und Europa League. Auch ich war sehr skeptisch. Wer will sich denn schon HJK Helsinki gegen Dynamo Tiflis anschauen? Bei allem Respekt vor beiden Klubs.

Nachdem die erste Saison der Conference League jedoch Geschichte ist, ist mein Fazit eindeutig: Der neue Europapokal ist ein voller Erfolg!

Der Wettbewerb für die kleinen Teams 

Zugegeben: Die Gruppenphase war fußballerisch wirklich nicht das Gelbe vom Ei. Auf die Spiele Alashkert Erewan gegen Maccabi Tel Aviv und Qarabag Agdam gegen Qairat Almaty hätte ich durchaus verzichten können. Aber wen interessiert schon meine Meinung? Darum geht es bei der Europa Conference League nicht.

Die vier genannten Klubs stehen nur beispielhaft für die anderen kleinen Klubs, die es sonst nicht weiter als in die zweite Qualifikationsrunde schaffen. Denn genau für diese Klubs ist der Wettbewerb gemacht. Vereine, die sonst niemals die Chance auf die Gruppenphase im Europapokal hätten, sollen hier eine Bühne bekommen.

Und das hat geklappt. Nicht nur einmal erwischte ich mich, wie ich in der Fußball-Ergebnis-App meines Smartphones an Donnerstagabenden die Ergebnisse der ECL checkte und mich ein wenig freute, wenn die "No-Name-Teams" ein gutes Ergebnis erzielten.

Freudentaumel in Rom, Tränen bei Mourinho

Doch auch als das Teilnehmerfeld dünner wurde und weniger Lincoln Red Imps und Flora Tallinns im Wettbewerb vertreten waren, verlor die ECL keineswegs an Reiz, weil sich zeigte: Die Favoriten in der K.o.-Runde wollten diesen Pokal gewinnen. Denn am Ende ist er genau das gleiche wie die Champions-League-Trophäe und der Europa-League-Pokal: ein europäischer Wettbewerb, den man sich auf den Briefkopf schreiben kann.

Zum Finale im albanischen Tirana, das nebenbei ohne Conference League niemals auch nur in die Nähe der Austragung eines europäischen Finals kommen würde, reisten mehr als 100.000 Fans der Finalisten AS Rom und Feyenoord Rotterdam an. In beiden Städten wurden Public Viewings veranstaltet, das bei Ligaspielen oft überschaubar gefüllte Olimpico in der ewigen Stadt war prall gefüllt.

Als die Roma nach 90 Minuten durch einen verdienten 1:0-Erfolg gegen Feyenoord den ersten Europapokal ihrer Geschichte holte (Messepokal nicht inkludiert), wurde in Rom die Nacht zum Tag gemacht. Startrainer Jose Mourinho, der seinen fünften Europapokal holte, brach bei einer Liebeserklärung an den Klub in Tränen aus.

Genau das ist Europacup, wie ich ihn mir vorstelle: ein spielerisch hochwertiges Finale zwischen zwei Teams, die alles reinwerfen und am Ende ein Sieger, der feiert, als gäbe es kein Morgen. Egal, wie der Wettbewerb heißt oder wie alt er ist.

Union zelebrierte Europacup, Köln ist als nächstes dran

Auch aus deutscher Sicht war die erste ECL-Saison eine denkwürdige. Nicht nur hat Union Berlin zum ersten Mal in seiner Geschichte die Gruppenphase des Europapokals erreicht, die "Eisernen" feierten trotz Umzugs ins ungeliebte Olympiastadion die Heimspiele in Europa trotz geltender Corona-Beschränkungen.

Dass den Unionern in der wohl schwersten Gruppe des Wettbewerbs der Einzug in die K.o.-Phase knapp misslang? Geschenkt.

In der abgelaufenen Saison hat sich der 1. FC Köln für jene Conference League qualifiziert, ein Verein der mindestens genau so emotional und positiv verrückt ist wie Union Berlin. Auch die "Geißböcke" werden, hoffentlich dann ohne Corona-Beschränkungen, jedes Europapokalspiel feiern.

 

Auch wenn die Reisen nicht nach Mailand, Madrid oder Turin gehen sondern eher Baku, Bratislava oder Nikosia. Die Fans in Köln lechzen nach dem Europacup, den sie nun kriegen. Nicht umsonst wurde nach der feststehenden Teilnahme am europäischen Wettbewerb der Platz gestürmt. Die Umstände, dass das den Spielern nicht wirklich passte und etwas gestellt wirkte, mal außen vor gelassen.

Und genau deshalb ist die Europa Conference League ein voller Erfolg und wird hoffentlich weiter in dieser Form zu begeistern wissen.

Kai Esser

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