Stephane Chapuisat ist Chefscout beim Schweizer Meister Young Boys Bern. - Bildquelle: imago images/GeisserStephane Chapuisat ist Chefscout beim Schweizer Meister Young Boys Bern. © imago images/Geisser

Bern/München - In der Schweiz haben sich die Machtverhältnisse gedreht. 

Dominierte jahrelang der FC Basel die eidgenössische Super League, sind seit geraumer Zeit die Young Boys Bern das Team, das es zu schlagen gilt. Zuletzt gewann YB drei Mal in Folge die Meisterschaft und machte am Sonntag den vierten Titel in Folge klar.

Der große Trumpf der Berner ist dabei ein ausgeglichener Kader, der auf den meisten Positionen gleichwertig besetzt ist, sodass die Belastung unter den Spielern gut aufgeteilt werden kann. Großen Anteil am Höhenflug von YB hat auch ein ehemaliger Star von Borussia Dortmund. 

Stephane Chapuisat ist Chefscout in Bern

Der frühere Stürmer-Star Stephane Chapuisat (123 Tore in 284 BVB-Spielen) fungiert in Bern als Chefscout und hat somit enormes Mitspracherecht in Sachen Transfers. Dabei leistet sich Chapuisat eine überraschend niedrige Fehlerquote. "Zuerst legen Trainer und Sportchef fest, welche Spielertypen wir suchen", erzählt Chapuisat im Gespräch mit dem "Blick": "Dann erstellen wir eine erste Liste, die wir bis auf rund drei Namen herunterkürzen. Den Entscheid, welchen Spieler wir dann verpflichten wollen, fällen wir gemeinsam."

Der 51-Jährige ergänzt: "Da ist dann auch der Trainer dabei. Und natürlich gilt es die finanziellen Aspekte zu berücksichtigen." Ein klarer Unterschied im Vergleich zum FC Bayern, wo in der Vergangenheit immer wieder deutlich wurde, dass der Trainer in Sachen Transfers nicht das volle Mitspracherecht hat. 

Doch wie findet Chapuisat die passenden Kandidaten? "Wir fahren mehrspurig. Für externe Scouts haben wir kein Budget mehr. Das wurde eingespart. In der Schweiz beobachten drei Leute die Spiele. Dann ist da mein Netzwerk", so der frühere Stürmer.

"Da geht es um den Charakter des Spielers"

Aber auch Berateragenturen, "von denen wir wissen, dass sie unsere Rahmenbedingungen kennen", erhalten das gesuchte Profil des Spielers. Zudem helfe man sich mit Datenbanken. "Für die Vorauswahl haben diese Scouting-Plattformen massiv an Gewicht zugelegt, weil wir viel seltener in den Stadien sind als früher", meinte Chapuisat. 

Er ergänzte: "Es kam immer wieder vor, dass man wegen eines Spielers irgendwohin flog - und der dann nur die letzten fünf Minuten zum Einsatz kam."

Ungeachtet der sportlichen Qualität achtet Chapuisat, der bei YB bereits als "Super-Auge" bezeichnet wird, besonders auf ein Kriterium: "Der erste Kontakt mit dem Spieler findet physisch statt. Dieses persönliche Gespräch zur Beurteilung, ob ein Spieler zu unserer Philosophie passt oder nicht, ist unabdingbar. Da geht es um den Charakter des Spielers."

Chapuisat sorgt für Top-Verpflichtungen

So hat Bern dank Chapuisats Arbeit einige Hochkaräter im Kader. Spieler wie Jean-Pierre Nsame und Jordan Siebatcheau sind absolute Stützen im YB-Kader und könnten schon bald, gegen eine ordentliche Ablöse, in eine andere Liga wechseln. Siebatcheu entdeckte er in Reims, als er einen anderen Spieler beobachtete. "Siebatcheu war außerhalb unserer Preiskategorie. Ich behielt ihn weiter im Auge im Wissen, dass wir ihn wohl zuerst ausleihen müssen. Als das absehbar wurde, machte ich den ersten Kontakt", erzählte Chapuisat. 

Mit 13 Toren in 37 Einsätzen hat der Stürmer ordentlich eingeschlagen und könnte von YB gekauft werden, um an einen weiteren Klub transferiert zu werden. 

Das wäre ohne Frage ein herber Rückschlag, doch Super-Auge Chapuisat wird sicherlich schon die nächsten Transferziele im Blick haben. Damit die Machtverhältnisse in der Schweiz möglichst lange so bleiben, wie sie aktuell sind. 

Markus Bosch

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