Rüdiger reist als frisch gebackener CL-Sieger zur EM - Bildquelle: 2021 Getty ImagesRüdiger reist als frisch gebackener CL-Sieger zur EM © 2021 Getty Images

München - 28. Minute. Finale der Champions League. Chelsea-Verteidiger Antonio Rüdiger grätscht im Strafraum Manchester Citys Wunderknabe Phil Foden ab und vereitelt damit das drohende 0:1. Kein Foul, einfach nur Abwehr-Kunst allererster Güte.

Ob diese Aktion den Grundstein zu Chelseas Triumph an diesem Abend ebnete, ist spekulativ. Ein Puzzlestück war es allemal. Und ein Anschauungsbeispiel, weshalb Abwehr-Legende Rio Ferdinand den 28-Jährigen als einen der besten Innenverteidiger der Premier League adelte. Aller Thiago Silvas und Virgil van Dijks zum Trotz.

"Unseren" Antonio Rüdiger, den der gemeine Fußballfan in Deutschland vielleicht gar nicht so richtig auf dem Schirm hatte. Vielleicht angesichts der Tatsache, dass er seit langem im Ausland spielt, oder auch, weil er im Nationalmannschafts-Trikot die großen Leistungen bis dato noch nicht abrufen konnte.

Von Dortmund über Stuttgart nach Rom

Rüdiger wuchs im Berliner Problemviertel Neukölln auf, über die BVB-Jugend ging es 2011 zu den Junioren des VfB Stuttgart. Als der damalige VfB-Trainer Bruno Labbadia den 18-jährigen Antonio erstmals bei den Profis mittrainieren ließ, kündigte dieser großspurig an: "Ich werde einmal Champions League spielen." 

Der ehrgeizige 1,90-Meter-Hüne wurde zunächst an die AS Rom verliehen. Eine Saison später, im Sommer 2016, zogen die Italiener die Kaufoption und verpflichteten Rüdiger für neun Millionen Euro Ablöse fest. Stuttgart stieg derweil in Liga zwei ab. Für Rüdiger war es der Beginn seines Aufstiegs.

35 Millionen Euro legte der FC Chelsea vor der Saison 2017/18 auf den Tisch, um sich seine Dienste zu sichern. Rüdiger wurde nach Stürmer-Star Mohamed Salah damit zum zweitteuersten Verkauf der Roma. Unter Trainer Maurizio Sarri schaffte er den Sprung in die Stammelf. Beim Gewinn des FA-Cup 2018 erhielt er die Auszeichnung "Man of the Match". 2019 folgte der Triumph in der Europa League.

Mit Lampard kam der Absturz

Doch mit Sarri-Nachfolger Frank Lampard kam der Absturz für Rüdiger. Zunächst bremste ihn eine Leistenverletzung aus. Anfang der Saison 2020/21 fand sich der einstige Stammspieler meist auf der Bank, manchmal sogar nur auf der Tribüne wieder.

"Ich stand wirklich kurz davor zu gehen", gestand Rüdiger kürzlich dem "kicker": "Es war zum Start in eine Saison mit einer EM am Ende, und auch gegenüber dem DFB sah ich mich dann in der Pflicht, mich nach Alternativen umzuschauen, um genug Spielpraxis zu erhalten."

Rüdiger flirtete mit Tottenham Hotspur. Der damalige PSG-Trainer Thomas Tuchel wollte den Deutschen nach Paris locken. Zu einem Wechsel kam es am Ende nicht. Doch wie heißt es so schön: Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, kommt der Berg eben zum Propheten. Mit Tuchels Unterschrift an der Stamford Bridge brachen urplötzlich auch für Rüdiger wieder rosigere Zeiten an.

Mit Tuchel geht's steil nach oben

Seither geht die Formkurve steil nach oben. Als linker Innenverteidiger in Tuchels bevorzugter Dreierkette überzeugte Rüdiger mit hervorragender Passquote, Übersicht und Zweikampfhärte. Dabei bleibt er fair. Die Gelbe Karte im Finale der Königsklasse nach dem Zusammenprall mit Kevin de Bruyne war Rüdigers erste Verwarnung in dieser Saison im Trikot der "Blues".

Und nicht nur defensiv hält er den Laden zusammen. Auch in der Spieleröffnung hat der Abwehr-Riese dazugelernt. Wie zum Beispiel im Halbfinal-Hinspiel gegen Real Madrid: Rüdiger eroberte den Ball an der Mittelinie, ließ drei auf ihn zustürmende Gegner alt aussehen, um dann einen weit und perfekt getimten Ball in den Lauf von Christian Pulisic zu schlagen, der schließlich das 1:0 erzielte.

Löw setzt auf Rüdiger

Was die breite Öffentlichkeit in der Champions League bestaunte, ist Joachim Löw schon länger bekannt. Der Bundestrainer nominierte Rüdiger im September und November für die Nations League, obwohl er bei Chelsea quasi aussortiert worden war war. Auch wenn die DFB-Elf in diesen Spielen nur selten überzeugte, ist es vielleicht bezeichnend, dass Rüdiger ausgerechnet beim blamablen 0:6 gegen Spanien gelb-gesperrt gefehlt hatte.

Bei der bevorstehenden Europameisterschaft wird der frisch gebackene Champions-League-Sieger neben Rückkehrer Mats Hummels aller Voraussicht nach gesetzt sein. Löw attestierte ihm zuletzt "Weltklasse-Leistungen". Er weiß: So wie im Champions-League-Finale würde auch der Nationalmannschaft die ein oder andere rettende Grätsche in höchster Not mehr als guttun.

Carolin Blüchel

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