Bundestrainer Joachim Löw braucht nach dem Ausfall von Niklas Süle zumindest... - Bildquelle: 2019 Getty ImagesBundestrainer Joachim Löw braucht nach dem Ausfall von Niklas Süle zumindest vorübergehend einen neuen Abwehrchef im DFB-Team. © 2019 Getty Images

Düsseldorf - Die Zeiten, in denen Matthias Ginter bei der Nationalmannschaft fast unscheinbar mitlaufen konnte, sind vorbei. Bei seiner Ankunft im Düsseldorfer Teamhotel wurde der Mönchengladbacher von Journalisten zum Interview gebeten, und Ginter nutzte die für ihn seltene Gelegenheit, um seinen Führungsanspruch zu hinterlegen. Dabei klang er für seine Verhältnisse recht forsch. 

"Ich bin einer, der mit am längsten dabei ist. Ich will mich weiterentwickeln und auch in der Nationalmannschaft die nächsten Schritte gehen", sagte der 25-Jährige, ehe er pflichtbewusst ergänzte: "Aber wie gesagt: Ich bin froh, wieder hier zu sein."

Bierhoff: "Es gibt keinen Einzelspieler, der heraussticht"

Auch Joachim Löw ist froh, dass Ginter seine Anfang Oktober gegen Augsburg erlittene Schulterverletzung auskuriert hat und das Selbstvertrauen eines Bundesliga-Spitzenreiters mitbringt. Der Bundestrainer fahndet nach der schweren Knieverletzung von Niklas Süle nach einem neuen Abwehrchef, der das neuformierte Team auch bei der EURO 2020 von hinten heraus führen soll. "Wir sind noch auf der Suche", sagte Kapitän Manuel Neuer am Mittwoch. DFB-Direktor Oliver Bierhoff meinte dazu: "Es gibt keinen Einzelspieler, der heraussticht."

Ginter werden noch die größten Chancen eingeräumt. Die beiden abschließenden EM-Qualifikationsspielen am Samstag in Mönchengladbach gegen Weißrussland (ab 20:15 Uhr im Liveticker) und drei Tage später in Frankfurt/Main gegen Nordirland (ab 20:15 Uhr im Liveticker) werden für Ginter zum Chef-Test. Der zuverlässige Defensivmann bringt deutlich mehr Erfahrung mit als seine Konkurrenten Jonathan Tah, Niklas Stark oder Robin Koch. Was viele vergessen: Ginter ist im aktuellen Kader neben Toni Kroos der einzig verbliebene Feldspieler aus dem Weltmeister-Team von 2014.

Die Aura eines Weltmeisters geht Ginter aber ab. Er verteidigt stets fleißig und solide, aber selten spektakulär und mit klaren Kommandos. Hier hat Antonio Rüdiger Vorteile, doch der Profi des FC Chelsea hat sich erneut verletzt und muss sich im neuen Jahr erst im Klub wieder herankämpfen.

Neuer hofft bis zur EM-Endrunde auf Süle-Comeback

Tah besitzt zwar körperlich alle Voraussetzungen, um Löws jüngste Forderung nach mehr Robustheit zu erfüllen. Doch der Leverkusener kämpft sich gerade erst aus einem Leistungstief heraus. Außerdem ist er für die Rolle des Abwehrchefs zu introvertiert. 

Stark wird von U21-Nationalcoach Stefan Kuntz als "natürlicher Anführer" bezeichnet, doch dem Hertha-Profi klebte bislang im DFB-Team das Pech an den Schuhen. Aber selbst wenn der schnelle und umsichtige Stark, der nach einem Nasenbeinbruch auch am Mittwoch im Training fehlte, seinen Rhythmus findet - die Führungsrolle kommt für ihn noch zu früh.

Ein absoluter Leader ist zweifelsohne Mats Hummels, doch den im Juni aussortierten Rio-Weltmeister holte Löw für den letzten Lehrgang des Jahres bewusst nicht zurück. Der Bundestrainer hofft, dass Ginter und Co. in die Führungsrolle hineinwachsen. Manuel Neuer hat eine andere Hoffnung noch nicht aufgegeben: "Es ist ja nicht ausgeschlossen, dass Niklas Süle für die EM doch noch infrage kommt."

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