Joachim Löw. - Bildquelle: imago images/ULMER PressebildagenturJoachim Löw. © imago images/ULMER Pressebildagentur

München/Duisburg – Joachim Löw rang nach Worten. Er versuchte sich mit einer Erklärung, die es so im Grunde gar nicht gibt.

Denn wie soll man auch eine erneute historische Pleite vernünftig vermitteln? Gegen den Weltranglisten-65., gegen Nordmazedonien? 

Schließlich ist angesichts des Anspruchs und der Qualität der deutschen Nationalmannschaft alles andere als ein Sieg außerhalb jeglicher Diskussion. Normalerweise.

Doch am dritten Spieltag der WM-Qualifikation setzte es auf der Zielgeraden der Ära Löw mal wieder einen Rückschlag. Einen ebenso unerwarteten wie bitteren. Und peinlichen.

Uninspiriert und fehlerhaft

Einer, der die Zweifel nährt, ob es denn was werden kann bei der Europameisterschaft, ob Löw bei seinem letzten großen Turnier im Sommer die Mannschaft noch einmal auf den Erfolg einstellen und einschwören kann. Ein bisschen Schwung wollte man nach den beiden jüngsten Siegen gegen Island und Rumänien in das dritte Qualispiel mitnehmen und einen Sieg im letzten Pflichtspiel vor der Nominierung in Aufbruchstimmung ummünzen. 

Doch der Auftritt gegen Mazedonien war in weiten Teilen uninspiriert, zu harmlos und zu fehlerhaft, vor allem defensiv. Vorne gab es viel Stückwerk, aber keine Lösungen. Rückschlag statt Aufbruch – es war nicht zu übersehen und zu überhören, wie bitter die Pleite auch für Löw ist.  

"Die Enttäuschung ist riesengroß", sagte Löw, und meinte, es sei schwierig, so schnell eine Analyse vorzunehmen. "Wir haben müde gewirkt, nicht die Frische gehabt. Wir waren zu langsam, haben keine Mittel gefunden, den Gegner vor Probleme zu stellen", so der Bundestrainer.

"Defensive war nicht stabil"

Im Spiel nach vorne habe man viele Bälle verloren, "die Defensive war nicht stabil", so Löw. Das stimmt, kämpferisch war der Auftritt angesichts der jüngsten Belastung zwar in Ordnung, doch Nordmazedonien ließ während der 90 Minuten mit zunehmender Spieldauer kaum etwas anbrennen, hielt clever dagegen und erstickte jegliche Kreativität der Deutschen im Keim. Wie ein großer Kraftakt wirkte es nicht, die Kreise des DFB-Teams einzugrenzen.

Was ebenfalls wieder auffiel: Die inzwischen zur Normalität gewordene Ineffizienz. Stellvertretend dafür stand Timo Werner, der den Ball in der 80. Minute freistehend kläglich verstolperte. Statt das 2:1 zu machen, kassierte das DFB-Team fünf Minuten später das 1:2. "Es gibt kein Patentrezept", sagte Löw auf die Gründe dafür angesprochen. "Das kann man trainieren, aber nicht unter Wettkampfbedingungen. Das war ein Knacks für die Mannschaft, dass wir die Chance ausgelassen haben. Wir müssen das aufzeigen und darüber sprechen."

Bayern-Ehrenpräsdient Uli Hoeneß fand erstmal keine Worte. "Ich dachte, die Mannschaft nimmt den Schwung aus den ersten beiden Spielen mit. Aber wenn man vorne nichts reinbekommt, darf man zumindest hinten nichts reinkriegen", sagte er.

Aus der Mannschaft kamen die üblichen Floskeln, die man in den vergangenen Monaten schon oft gehört hatte. 

"Das darf nicht passieren"

Ist das 1:2 ein Rückschlag? "Das weiß ich nicht, das wird die Zukunft zeigen", sagte Kapitän Ilkay Gündogan. "Das darf nicht passieren. Das geht zu leicht. So eine Niederlage darf so nicht passieren. Es ist nicht zu erklären, das ist nicht unser Anspruch", sagte er. 

Und stellte angesichts der bitteren Lage nach dem letzten Pflichtspiel vor der EM und der Nominierung fest: "Es bleibt uns nichts anderes übrig, als weiterzumachen."

Allerdings nicht so, das weiß auch Löw. Er wolle sich Gedanken machen, was man besser machen könne, sagte er. Auf eine Rückkehr von Mats Hummels und Thomas Müller angesprochen, verwies er darauf, dass im Mai eine Entscheidung falle.

Und flüchtete sich dann auch in Durchhalteparolen. "Wir dürfen nicht den Glauben verlieren und müssen uns auf unsere Stärken besinnen", betonte er: "Wir können ein gutes Turnier spielen. Wir müssen Konstanz reinbringen. Wir werden uns in den nächsten Tagen und Wochen intensiv Gedanken machen. Wir werden noch einmal alles überprüfen." Damit er nicht auch im Sommer nach Worten ringen muss.

Andreas Reiners

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