Jonas Hofmann spielte bei Borussia Mönchengladbach die effektivste Bundeslig... - Bildquelle: imago images/Sven SimonJonas Hofmann spielte bei Borussia Mönchengladbach die effektivste Bundesliga-Saison seiner Karriere © imago images/Sven Simon

München – Völlig überrascht war Jonas Hofmann nicht, als er von Bundestrainer Joachim Löw für die Europameisterschaft nominiert wurde.

"Es wäre in meiner Situation zwar etwas überheblich gewesen, damit zu rechnen", sagt er. "Aber Hoffnung hatte ich schon, weil ich vorher ja schon dabei war, persönlich eine ordentliche Saison gespielt habe und die Gespräche mit dem Bundestrainer sehr gut waren."

Drei Kurzeinsätze für die Nationalmannschaft

Erst drei Länderspiele hat der 28-Jährige bestritten. Sein Debüt gab er im Oktober des vergangenen Jahres beim 3:3 gegen die Türkei. Es folgten weitere Einsätze im November gegen Tschechien und zuletzt gegen Dänemark.

Allerdings waren all dies Testspiele und er kam lediglich als Einwechselspieler zum Einsatz, zuletzt gegen Dänemark erst vier Minuten vor Spielende. Und doch könnte er bei der Europameisterschaft als Joker eine wichtige Rolle einnehmen.  

Der Gladbacher hat in der zurückliegenden Saison bewiesen, welche Impulse er im Spiel nach vorne setzen kann.

Mit sechs Toren und elf Vorlagen spielte er die effektivste Saison seiner Bundesliga-Karriere. Zudem ist er flexibel einsetzbar, kann auf den Flügeln oder im Mittelfeld praktisch alle Positionen einnehmen. 

Möglicherweise wird er die Europameisterschaft sogar nutzen, um sich für einen europäischen Top-Verein zu empfehlen.

Für 40 Millionen Euro wäre Gladbach gesprächsbereit

Sportdirektor Max Eberl hat ihn in der "Bild am Sonntag" mit einem Preisschild versehen: "Wenn irgendwann ein Klub sagt, er bietet 40 Millionen Euro für Jonas, da kann kein Klub sagen, das interessiert mich nicht."

Die "Sport Bild" brachte ihn zum Beispiel mit Atletico Madrid in Verbindung. Zudem gab es Gerüchte über ein Interesse der englischen Top-Vereine FC Chelsea und Tottenham Hotspur.

Hofmann registriert diese Medienberichte – und versteht sie als Kompliment.

"Es ist schön, dass man umworben wird. Das ist eine Anerkennung für die Leistung, die man gezeigt hat. Ich wurde bereits mit dem einen oder anderen Verein in Verbindung gebracht. Es macht ein stückweit stolz, wenn der Name im Umkreis solcher Top-Vereine genannt wird. Aber ich bin niemand, der sich darauf ausruht. Ich will mehr."

Erinnerungen an Borussia Dortmund

Hofmann kennt die Ansprüche, die bei einem internationalen Top-Verein gestellt werden.

Vor zehn Jahren wechselte er vom Nachwuchs der TSG Hoffenheim zu Borussia Dortmund und arbeitete sich von der 2. Mannschaft zu den Profis hoch, absolvierte insgesamt 59 Pflichtspiele in der Liga, dem Pokal, der Europa League und der Champions League. 

Dauerhaft durchsetzen konnte er sich allerdings nicht und wechselte daher im Januar 2016 für eine Ablöse von acht Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach.

Trotzdem denkt Hofmann gerne an seine Zeit beim BVB zurück. "Ich war in der 2. Mannschaft, habe den Sprung zu den Profis geschafft und wurde in meiner ersten Saison 26 Mal eingewechselt (4 Mal stand er in der Startelf., Anm.d.Red.). Oft wurde ich als erster Spieler eingewechselt. Das zeigt, dass ich sehr nahe an der Startelf dran war."

Und weiter: "Für mich war das eine erfolgreiche Zeit bei so einem großen Club, der damals gerade zwei Mal Deutscher Meister wurde, im Champions-League-Finale stand und Pokalsieger war."

Durchbruch unter Dieter Hecking

Zum Leistungsträger und nationalen Top-Spieler entwickelte er sich allerdings erst in Gladbach. "Ich hatte das Glück, dass Dieter Hecking kam und voll auf mich gesetzt hat. Wenn man das Vertrauen des Trainers bekommt, ist man zu Dingen fähig, die man sich selber nicht erträumt hätte. Das wurde unter Marco Rose dann fortgesetzt."

Kommende Saison wird nun allerdings Adi Hütter sein Trainer sein. Welche Rolle Hofmann unter ihm einnimmt, lässt sich kaum voraussehen. Doch er ist kein Mensch, der sich über die Zukunft den Kopf zerbricht.

"Es gibt Wichtigeres im Leben als Fußball", lautet sein Motto. "Daher gehe ich immer alles sehr locker und entspannt an."

Fastfood-Restaurants als zweites Standbein

Um sich bereits auf sein Leben nach dem Fußball vorzubereiten, gründete er gemeinsam mit einem Kumpel drei Fastfood-Restaurants der Marke Subway. 

"Das ist für mich sehr wichtig", sagt er. "Aber da ist natürlich jeder anders. Manche sagen, sie wollen nach dem Fußball erst einmal gar nichts machen. Aber ich bin jemand, der dann sofort weiter in das Business-Leben möchte. Ich möchte mich nicht ausruhen. Dafür ist mir das Leben zu kurz und zu schade."

Und weiter: "Es macht Spaß, neben dem Fußball etwas zu haben, bei dem man den Kopf ein bisschen abschalten kann. Wir sind alle privilegiert und verdienen sehr gutes Geld. Dies bereits jetzt zu nutzen, um sich für die nächsten hoffentlich 40, 50 Jahre etwas aufzubauen, macht aus meiner Sicht jetzt schon Sinn."

Gleichwohl kann es schwierig sei, Profifußball und Unternehmertum miteinander zu vereinbaren. "Für mich wäre es besser, wenn der Tag 48 Stunden hätte, damit ich alles reinpacken kann, was ich erleben will."

Zunächst gilt es aber, nun eines zu erleben: eine erfolgreiche EM.

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