Von Torsten Frings

München - Ich muss ehrlich zugeben, dass ich nach dem Unentschieden der deutschen Mannschaft gegen Spanien mega erleichtert war. Denn jetzt ist die Hoffnung auf das WM-Achtelfinale noch da. Gott sei Dank.

Ich finde, dass man den Jungs auch ein großes Kompliment machen muss, wie sie letztlich mit der harten Kritik nach dem Japan-Spiel umgegangen sind. Da ist ja doch einiges auf sie eingeprasselt. Obwohl auch in dieser Partie sicherlich nicht alles schlecht war.

Und auch dass sie nach dem 0:1 durch Alvaro Morata gegen Spanien nochmal in die Partie zurückgekommen sind, wird der gesamten Mannschaft und vor allem der Stimmung im deutschen Lager richtig gutgetan haben. 

 

Torsten Frings: Leistungsschwankungen nicht nachvollziehbar

Allerdings kann ich trotz allem diese extremen Leistungsschwankungen der DFB-Elf nach wie vor nicht so richtig nachvollziehen. Man muss einfach bei jedem Spiel 100 Prozent Leistung bringen. Und das ist ja genau das, was mich bei der deutschen Mannschaft bislang so gestört hat.

Wenn man diese enorme Laufbereitschaft und den Willen gegen Spanien gesehen hat und das dann mit dem Japan-Spiel vergleicht, da fragt man sich schon, ob vorher wirklich jeder verstanden hat, worum es bei einer Weltmeisterschaft eigentlich geht.

Denn Fußball spielen können die Jungs ja alle, das haben sie jetzt mit einer eindrucksvollen Leistung bewiesen und sich so eben die Chance aufs Achtelfinale offengehalten.

Torsten Frings: Leistung war vielleicht Trotzreaktion

Vielleicht war diese Leistung auch eine kleine Trotzreaktion. Denn ich glaube, dass die Jungs sich nach dem Japan-Spiel auf jeden Fall ganz klar die Meinung gesagt haben. In der Presse wurde ja bereits daran gezweifelt, dass das überhaupt eine Einheit, ein richtiges Team sei.

Wenn du sowas als Spieler liest, tut dir das natürlich weh. Denn so eine Behauptung ist das Schlimmste, was dir als Mannschaft passieren kann.

Deswegen ist da sicherlich Klartext gesprochen worden, damit nun wirklich jeder Spieler kapiert hat, um was es bei diesem Turnier in Katar geht. Leon Goretzka hat es ja ganz richtig gesagt, dass gegen Spanien elf Männer auf dem Platz standen.

Torsten Frings: Warum erst auf die Schnauze fallen für eine Reaktion?

Allerdings geht es nicht in meinen Kopf, dass man erst auf die Schnauze fallen muss, um dann eine Reaktion zu zeigen.

Wir haben uns diese Situation jetzt selbst eingebrockt, können im letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica aber einiges wieder gut machen. Trotzdem sollte man das Japan-Spiel nicht aus den Köpfen streichen. Das war ein totaler Zusammenfall in den letzten 20 Minuten.

Und dann folgt auf einmal 90 Minuten Hintern aufreißen gegen Spanien. Genau diese Einstellung, diese Moral muss aber die Basis sein. Nur so kann man eine WM angehen.

Torsten Frings: Füllkrug hat Vertrauen zurückgezahlt

Dass ausgerechnet Niclas Füllkrug nach seiner Einwechselung zum 1:1 getroffen hat, freut mich persönlich sehr. Er ist ein Spieler, der sich nicht so viele Gedanken macht. Für ihn ist es ein Erlebnis, überhaupt bei der WM dabei sein zu dürfen.

Hinzu kommt, dass Niclas aufgrund seiner bisherigen, sehr erfolgreichen Saison bei Werder Bremen eine totale Euphorie in sich trägt und nur so vor Selbstbewusstsein strotzt.

Warum sollte man so einen Jungen also nicht einfach mal reinschmeißen? Hansi Flick hat es jetzt gemacht und Füllkrug hat ihm das Vertrauen sofort zurückgezahlt.

Ich bin persönlich sowieso ein großer Fan davon, immer mit einem klaren Neuner zu spielen. 

Torsten Frings: "Fülle" gegen Costa Rica in die Startelf

Außerdem ist er mit seiner Körperlichkeit natürlich auch noch eine absolute Waffe bei Standardsituationen und man kann ihm im Zweifel auch mal mit langen, hohen Bällen anspielen, die er dann top verarbeitet. Aus meiner Sicht hat er sich die Chance absolut verdient, gegen Costa Rica in der Startelf zu stehen.

Zumal die anderen Jungs natürlich auch wissen, was sie an Füllkrug haben. Er ist ein klarer Neuner, der die Statik des Spiels verändert. Auf der anderen Seite müsste dann ja jemand anderes für ihn auf die Bank und somit um seinen Platz in der Startelf zittern. Das hat man als Spieler erfahrungsgemäß nicht so gerne.

Allerdings muss man bei so einer WM die eigenen Eitelkeiten hinten anstellen, um erfolgreich zu sein. Und mit dem Wissen, dass wir gegen Costa Rica gewinnen und das eine oder andere Tor erzielen müssen, glaube ich fest daran, dass Flick ihn von Beginn an spielen lassen wird.

Zumal das eine Partie auf ein Tor werden wird - da ist Füllkrug für mich persönlich sowieso gesetzt. Denn es wird sicherlich viele Flanken aus dem Halbfeld geben, die er dann bestenfalls verwerten kann.

Torsten Frings: Musiala nicht mehr aus DFB-Elf wegzudenken

Natürlich hätte Deutschland gegen Spanien noch mehr als einen Treffer erzielen können. Die Chancen waren da. Vor allem für Jamal Musiala und Leroy Sane. Ich sage es mal so: das Ding einfach wie Füllkrug unter die Latte hauen - das ist immer die beste Lösung. Aber Spaß beiseite.

Vor allem Musiala ist in seiner jetzigen Verfassung aber nicht mehr aus der deutschen Nationalmannschaft wegzudenken. Es ist unglaublich, wie gut dieser Junge mit seinen 19 Jahren schon ist. Und er kann vor allem ja nur noch besser werden. Das ist ein Spieler, an dem wir noch sehr viel Freude haben werden.

Allerdings besteht natürlich immer die Gefahr, dass wenn du in so jungen Jahren schon so viele Spiele machst, mal ein kleiner Knick in der Karriere kommt. Leider passiert das häufig durch Verletzungen. Ich wünsche ihm, dass er davon verschont bleibt und seinen Weg weiter geht.

Torsten Frings: Deutschland wird Costa Rica schlagen

Nun geht es gegen Costa Rica, die gegen Japan gezeigt haben, dass sie noch da sind. Ich glaube auch, dass ihnen die sieben Gegentore gegen Spanien richtig weh getan haben und sie das nicht so auf sich sitzen lassen wollten.

Allerdings kann ich Japan nicht verstehen. Die schlagen die deutsche Mannschaft, werden gefeiert ohne Ende und versagen dann in so einem so wichtigen Spiel gegen Costa Rica. Natürlich ist das unter dem Strich eine ordentliche Mannschaft, aber wenn wir gegen sie auch nur halbwegs so spielen wie gegen Spanien, werden wir Costa Rica auch schlagen.

Ich erinnere mich selbst sehr gerne an das Auftaktspiel der WM 2006 im eigenen Land zurück, als wir in München auch auf Costa Rica getroffen sind und ich ein Tor erzielen konnte. Das war sicherlich eines der schönsten Treffer meiner Karriere - weil es auch ein wichtiges war. Da haben wir mit dem 4:2 den Deckel drauf gemacht.

Ich hoffe natürlich, dass die Jungs das am Donnerstag genauso machen.

Torsten Frings: Im Achtelfinale gegen Kroatien

Sollten wir dann tatsächlich ins WM-Achtelfinale einziehen, glaube ich, dass wir auf Kroatien treffen werden. Man darf Belgien natürlich aufgrund ihrer individuellen Klasse nicht unterschätzen, aber ich bin der Überzeugung, dass ihnen die Aussagen von Kevin De Bruyne noch ordentlich nachhängen.

Zumal die Kroaten so abgezockt sind, dass sie, wenn es darauf ankommt, ihr entscheidendes Spiel auch gewinnen werden. Dafür sind sie mit Spielern wie Luka Modric einfach zu erfahren. Das wird also ein ganz dickes Brett für uns im Achtelfinale - wenn wir es denn erreichen.

Davon gehe ich aber ganz sicher aus. Aber klar, erstmal müssen wir Costa Rica schlagen, dann können wir auch ausführlich über Kroatien sprechen.

Torsten Frings: WM 2022 erinnert mich an die WM 2002

Generell erinnert mich diese WM persönlich auch ein wenig an die WM 2002, bei der ich selbst für Deutschland am Start war. Damals sind auch viele Favoriten frühzeitig ausgeschieden oder hatten zumindest so ihre Probleme.

Bei diesem Turnier haben wir dann stark davon profitiert, weil wir im Achtel-, Viertel- und Halbfinale Gegner hatten, denen wir qualitativ deutlich überlegen waren. Und so konnten wir 2002 ja auch ins Finale einziehen.

Ob es dieses Jahr in Katar auch so kommt? Abwarten! Wichtig wird jetzt erstmal sein, dass die Mannschaft den Erfahrungen der letzten WM gelernt hat. Damals herrschte nach dem zweiten Gruppenspiel gegen Schweden auch eine enorme Euphorie und gegen Südkorea mussten wir dann die Segel streichen.

Allerdings glaube ich auch, dass Südkorea damals eine andere Mannschaft war als heute Costa Rica.

 

Dennoch wäre es wünschenswert, wenn wir top vorbereitet wären und aus 2018 unsere Lehren gezogen hätten. Sowas sollte uns nämlich wirklich nicht mehr passieren. Das wäre der Super-Gau.

Nicht nur für uns Fans, sondern auch für den deutschen Fußball. Aber wenn wir Costa Rica nicht schlagen, dann haben wir es auch nicht verdient, bei einer WM dabei zu sein. Dann ist es auch wirklich besser, wenn wir nach Hause fahren.

Ich bin mir aber sicher, dass das nicht passieren wird.

Wann findet das Finale bei der WM 2022 in Katar statt?

Das Finale bei der WM 2022 wird am 18.12.2022 in Katar ausgetragen. Um 16 Uhr ist im Lusail Iconic Stadium Anpfiff. 


Wie ist Deutschland bei der WM 2022 ausgeschieden?

Deutschland hat den Einzug ins Achtelfinale verpasst. Die deutsche Nationalmannschaft holte in der Gruppe E nur vier Punkte und beendete die Gruppe als Tabellenvierter. Japan und Spanien ziehen in die nächste Runde ein.


Wer überträgt die WM 2022 in Katar live?

Übertragen wird die WM 2022 von ARD, ZDF und von MagentaTV. Dabei sind aber nicht alle Spiele der WM im frei empfangbar zu sehen sein: 48 der 64 WM-Spiele werden im Free-TV zu sehen sein, der Rest nur über ein Abonnement von MagentaTV. 


WM 2022: Wie sah der deutsche Kader bei der WM aus?

26 Spieler konnte Bundestrainer Hansi Flick für die WM 2022 in Katar nominieren:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona), Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt)

Abwehr: Antonio Rüdiger (Real Madrid), Niklas Süle (Borussia Dortmund), Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), Thilo Kehrer (West Ham United), David Raum (RB Leipzig), Christian Günter (SC Freiburg), Lukas Klostermann (RB Leipzig), Armel Bella Kotchap (FC Southampton), Matthias Ginter (SC Freiburg)

Mittelfeld und Angriff: Leon Goretzka (FC Bayern München) Joshua Kimmich (FC Bayern München), Ilkay Gündogan (Manchester City), Jonas Hofmann (Borussia Mönchengladbach), Serge Gnabry (FC Bayern München), Jamal Musiala (FC Bayern München), Thomas Müller (FC Bayern München), Leroy Sané (FC Bayern München), Kai Havertz (FC Chelsea), Karim Adeyemi (Borussia Dortmund), Youssoufa Moukoko (Borussia Dortmund), Julian Brandt (Borussia Dortmund), Niclas Füllkrug (Werder Bremen), Mario Götze (Eintracht Frankfurt)


WM 2022 in Katar