Dembele wechselte 2017 von Borussia Dortmund nach Barcelona. - Bildquelle: Getty ImagesDembele wechselte 2017 von Borussia Dortmund nach Barcelona. © Getty Images

München - Noch vor wenigen Wochen erinnerte das Theater um Ousmane Dembele an seinen unrühmlichen Abschied bei Borussia Dortmund. Beim BVB streikte sich der französische Offensivspieler einst zum FC Barcelona. Auch bei den Katalanen fiel Dembele abseits des Platzes immer wieder negativ auf. Alle Zeichen deuteten zu diesem Zeitpunkt auf eine baldige Trennung.

Im Sommer läuft der Vertrag des Weltmeisters von 2018 aus. Die Verhandlungen über eine Verlängerung scheiterten nach Informationen der Zeitung "Cadena Ser" an den Gehaltsforderungen des Franzosen, die bei einem Jahressalär von 40 Millionen Euro gelegen haben sollen. Vor allem aus finanzieller Sicht machte es für den klammen FC Barcelona Sinn, den 24-Jährigen noch im Winter abzugeben.

Im Januar betonte sein Trainer Xavi auf einer Pressekonferenz: "Entweder er verlängert oder es muss eine Lösung mit einem sofortigen Verkauf gefunden werden." Diese sofortige Lösung schien lange Zeit der FC Chelsea werden zu können. Unter deren Trainer Thomas Tuchel feierte Dembele einst bei Borussia Dortmund den sportlichen Durchbruch, gemeinsam gewannen sie den DFB-Pokal. Ein Transfer kam allerdings nicht zustande.

Laut der spanischen Zeitung "Sport" scheiterte der Wechsel zu den "Blues" an Dembele selbst. Chelsea war dem Vernehmen nach bereit, zehn Millionen Euro nach Barcelona zu überweisen. Dembele lehnte ab, da er bei Zahlung einer Ablösesumme wohl auf ein Handgeld hätte verzichten müssen. Im Sommer 2017 zahlte Barcelona noch 140 Millionen Euro für den Transfer des Außenstürmers. 

140 Millionen Euro für Dauerverletzten, Wechseltheater und Pfiffe

Dembele, den in der Vergangenheit vor allem von Oberschenkelverletzungen zurückwarfen, verpasste seit 2017 mehr als 100 Pflichtspiele verletzungsbedingt. Im Januar sorgte er abermals für Unruhe, als er aufgrund von "Magenproblemen" eine Teamsitzung verpasste. Nur kurz darauf betonte der Fußballdirektor der Katalanen, Mateu Alemany, in einem vom Verein publizierten Video, "dass er sofort gehen muss, weil wir engagierte Spieler wollen und hoffen, dass ein Transfer von vor dem 31. Januar möglich wird"

Moussa Sissoko, Berater des Enfant terribles, kritisierte seinerseits die Vereinsführung der Katalanen scharf. "Wenn Barcelona reden will, hätten sie versuchen können, mit uns an einen Tisch zu kommen. Es gibt keine Gespräche, sondern Drohungen, dass er nicht mehr spielen wird. Und das ist verboten. Wir werden die Rechte von Ousmane Dembele gegebenenfalls geltend machen."

Es schien zu diesem Zeitpunkt beinahe ausgeschlossen, dass der 24-Jährige überhaupt noch einmal für Barcelona auf dem Feld stehen wird. Barca-Legende Hristo Stoichkov warf Dembele sogar vor, das "Wappen zu beschmutzen". Die eigenen Fans pfiffen ihn bei seinem ersten Einsatz nach dem gescheiterten Wechsel beim 1:1 gegen Neapel in der Europa League aus.

Folgt mit "Bro" Aubameyang die Wende?

Obwohl Dembele sich zu diesem Zeitpunkt noch Pfiffen ausgesetzt sah, war intern die Situation möglicherweise schon eine andere. Knapp drei Wochen vorher verpflichtete Barca seinen Kumpel aus Dortmunder Zeiten, Pierre-Emerick Aubameyang, vom FC Arsenal. Gegenüber "Mundo Deportivo" machte der Gabuner deutlich, dass er auch in Zukunft mit Dembele zusammenspielen möchte. "Als ich in Barcelona angekommen bin, habe ich ihm gesagt: Du musst bleiben, Bro!"

Ob die Ankunft Aubameyangs den in Ungnade gefallenen Dembele nachhaltig beeinflusste, ist natürlich rein spekulativ. Dennoch: Seit der Wiedervereinigung kommt Dembele immer besser in Fahrt. Besonders beim 4:0 gegen Bilbao schien Dembele nach seiner Einwechslung beim Spielstand von 1:0 wie ausgewechselt. Zunächst erhöhte er selbst nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung auf 2:0. Für die Schlusspunkte sorgten Luuk de Jong (90.) und Memphis Depay (90.+3). Der Vorbereiter der beiden Tore hieß jeweils: Ousmane Dembele. 

"Wir haben den Dembele erlebt, den wir sehen wollen. Das ist der Ousmane, von dem ich glaube, dass er jedes Spiel spielen kann", sagte ein zufriedener Xavi nach der Gala-Vorstellungen seines Jokers.

Jerome Boateng als Vorbild?

Dass in Ungnade gefallene Fußballer, denen ein Wechsel nahe gelegt wurde, doch noch zu wichtigen Leistungsträgern werden können, bewies in der jüngeren Vergangenheit Jerome Boateng beim FC Bayern. Besonders Ehrenpräsident Uli Hoeneß schoss immer wieder scharf gegen den Innenverteidiger. "Wenn er als Freund auf mich hören würde, würde ich ihm empfehlen, sich einen neuen Verein zu suchen." Diese Aussagen tätige Hoeneß öffentlich im Rahmen der Double-Feier des FC Bayern im Mai 2019, bei der Boateng nur körperlich anwesend wirkte.

Der Trainer des Rekordmeisters hieß damals noch Niko Kovac, unter dem der ehemalige Nationalspieler kaum mehr Berücksichtigung fand. Nur ein Jahr zuvor scheiterte ein Wechsel Boatengs nach Paris - nach Aussagen des ehemaligen Vorstandsbosses Karl-Heinz Rummenigge ausgerechnet am Veto von Kovac. 

Boateng blieb auch nach den Worten des Ehrenpräsidenten im Sommer 2019 überraschend beim FC Bayern. Juventus Turin bemühte sich zu dieser Zeit wohl am intensivsten um den Innenverteidiger. Nach dem abermals gescheiterten Wechsel entschuldigte sich der damals 30-Jährige öffentlich für sein Verhalten ein paar Monate zuvor. "Das war nicht in Ordnung, aber ich wollte wirklich niemanden verärgern oder beleidigen. Ich habe nur au steifer Enttäuschung über meine Situation gehandelt. Ich konnte irgendwie nicht anders", sagte er. 

Unter Flick plötzlich wieder Stammspieler

Viel änderte sich nicht an der Situation Boatengs in München zunächst nicht. Obendrein verpflichteten die Bayern mit Lucas Hernandez und Benjamin Pavard weitere Konkurrenz für die Positionen in der Defensive. Erst, als der Rekordmeister Kovac vor die Tür setzte und Hansi Flick an der Isar übernahm, fand Boateng wieder zurück zu alter Stärke. Als Abwehrchef hatte er maßgeblichen Anteil am Sextuple-Gewinn. Der inzwischen 33-Jährige verließ den Rekordmeister erst im vergangenen Sommer nach Auslaufen seines Vertrages. 

Dass er mit dem Rekordmeister nochmals eine derartige Erfolgsgeschichte schreiben könnte, damit hatten wohl die Wenigsten gerechnet - selbst Boateng nicht. Gegenüber "Sport1" sagte er: "Die letzten beiden Jahre mit Hansi Flick waren noch einmal überragend und wir haben es nochmal geschafft, die Champions League zu gewinnen. Ich bin glücklich, dass ich diese Chance bekommen habe und wir so erfolgreich waren. So eine Geschichte schreibt nur der Fußball", so Boateng. 

Ob der Fußball im Falle Dembeles eine ähnliche Geschichte schreibt, bleibt abzuwarten. Das letzte Wort in der Causa scheint nach den Entwicklungen der letzten Wochen allerdings noch nicht gesprochen. Sein "Bro" Aubameyang glaubt zumindest weiter an eine Zusammenarbeit über den Sommer hinaus. "Ich kann nur sagen, dass im Leben alles möglich ist."

Wie schnellebig das Fußballgeschäft ist, bewies nicht zuletzt der Fall-Boateng beim FC Bayern.

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