Joan Laporta (m.) wurde am Sonntag zum neuen Barca-Präsidenten gewählt. - Bildquelle: imago images/Cordon Press/Miguelez SportsJoan Laporta (m.) wurde am Sonntag zum neuen Barca-Präsidenten gewählt. © imago images/Cordon Press/Miguelez Sports

Barcelona/München - Der FC Barcelona hat einen "neuen alten" Präsidenten.

Am Sonntagabend wurde Joan Laporta von 54 Prozent der abstimmenden Barca-Mitglieder zum künftigen Oberhaupt des Klubs gewählt.

Bereits von 2003 bis 2010 war Laporta Präsident des katalanischen Topklubs und versuchte sich anschließend auf dem politischen Parkett. Dort kämpfte er unter anderem für die Unabhängigkeit Kataloniens, trat aber im November 2012 mit seiner Partei Democracia Catalana nicht mehr bei der Regionalwahl an.

Laporta wirbt um Messi

Nun kehrt Laporta wieder nach Barcelona zurück und steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Finanziell hat ihm Vorgänger Josep Maria Bartomeu einen Schuldenberg in Höhe von einer Milliarde (!) Euro hinterlassen. Dazu wurde gegen den im Oktober nicht ganz freiwillig zurückgetretenen Ex-Boss wegen der "Barcagate"-Affäre um illegale Aktivitäten im Netz ermittelt.

Doch am schmerzlichsten für die Barca-Seele ist wohl der Streit zwischen Klub und Superstar Lionel Messi, der im vergangenen Sommer beinahe dazu geführt hatte, dass "La Pulga" seinen Ausbildungsklub fluchtartig verlässt. Spätestens im anstehenden Transferfenster würde Messi aber definitiv den Klub verlassen, meinten Fans und Experten unisono.

Laporta aber spielte im Wahlkampf regelmäßig die "Messi-Karte" und kündigte mehrfach an, dass der Argentinier und wohl wichtigste Angestellte mit ihm als Präsidenten im Klub bleiben werde. Schließlich war es in Laportas erster Ära, als der heutige Superstar seine ersten Schritte bei den Barca-Profis machte.

 

"Beweis, dass Messi Barca liebt"

Und doch war es ein wenig überraschend, dass Messi am Sonntag beim Gang zur Präsidentenwahl öffentlich abgelichtet wurde.

"Ihn heute wählen zu sehen, hat mich berührt. Es ist ein Beweis dafür, dass Leo bleiben will und dass er Barcelona liebt", erklärte Laporta am späteren Abend in seiner Siegesrede. Außerdem kündigte er an: "Wir werden ihm ein wirtschaftliches Angebot machen, damit er sich geschätzt fühlt." Es wäre wohl zu großen Teilen das Verdienst von Laporta, sollte sich Messi doch noch zu einem Verbleib bei seinem Jugendklub entscheiden.

Laut "AS" soll der Rechtsanwalt zudem bereits bei David Alabas Beratern ein Vertragsangebot für den Österreicher angekündigt haben. Sollte es Laporta tatsächlich auch noch gelingen, den Star von Bayern München nach Katalonien zu lotsen, wäre das ein weiterer Meilenstein für den Präsidenten, früh in seiner zweiten Amtszeit. Aber den gigantischen Schuldenberg wird auch "Heilsbringer" Laporta nicht ad hoc beseitigen können.

 

Laporta hat Barca schon einmal saniert

Dabei weiß er durchaus, wo es anzusetzen gilt. 2003 plagten Barca 160 Millionen Euro Schulden, daraufhin kürzte der damalige Neu-Präsident Laporta Stürmer-Star Patrick Kluivert das Gehalt und erhöhte die Ticketpreise für das Camp Nou um schlappe 20 bis 40 Prozent. Dazu wurde in seiner Amtszeit das selbstauferlegte Werbeverbot auf der Brust aufgehoben.

Diesmal braucht es allerdings schärfere Maßnahmen, um sich zumindest der "schwarzen Null" wieder anzunähern. Bei aller Wertschätzung und Verbundenheit könnte dabei auch Messis Monstergehalt von 138 Millionen Euro pro Jahr auf den Prüfstand kommen.

Gleich nach seiner Wahl nahm Laporta dafür auch Messi ein Stück weit in die Pflicht. Es werde von ihm abhängen, ob eine Vertragsverlängerung schlussendlich zustande komme. Laporta weiter: "Ich werde tun, was ich kann, im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten des Klubs."

Allein diese beiden Baustellen wären mit dem Begriff Mammutaufgabe noch rosig umschrieben, doch Laporta muss weitere Hürden beseitigen.

Kehrt ein Cruyff zurück?

Das Camp Nou ist sichtlich in die Jahre gekommen und bedarf einer teuren Modernisierung, zudem müssen die Führungspositionen zwischen Trainer Ronald Koeman und Präsident neu besetzt werden. Jordy Cruyff, Sohn von Barca-Ikone Johan Cruyff, ist, laut "Marca", als Sportdirektor im Gespräch.

Es wäre eine weitere Personalie, um einerseits wieder für ein Stück mehr Frieden in den eigenen Reihen zu sorgen, aber andererseits auch die anstehenden Herausforderungen im Hinblick auf das aktuelle Barca-Team anzugehen.

Denn von einem "Sextuple", wie es Pep Guardiola unter Präsident Laporta 2009 einfuhr, ist Barca momentan weit entfernt. Unabhängig von der Personalie Messi genügt Barcelonas Kader aktuell schlichtweg nicht den höchsten Ansprüchen, wie das 1:4 gegen Paris Saint-Germain im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League eindrucksvoll vor Augen führte.

"Laporta bringt den Fans die Freude zurück"

Und doch gab es am Montag positive Schlagzeilen. "Laporta bringt den Fans die Freude zurück", titelte beispielsweise die "Mundo Deportivo". Die "Sport" meinte, dass "die Erinnerungen an das beste Barca der Geschichte" bei der Wahl entscheidend gewesen seien.

Nun ist es am "neuen alten" Präsidenten, den enormen Hoffnungen und Wünschen der Millionen Barcelona-Fans auf der ganzen Welt gerecht zu werden. Ganz wie es das Klubmotto "Mes que un club" (deutsch: "Mehr als ein Klub") vorgibt.

Markus Bosch

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