Martin Braithwaite (l.) feierte sein Barca-Debüt gegen Eibar - Bildquelle: imago images/AFLOSPORTMartin Braithwaite (l.) feierte sein Barca-Debüt gegen Eibar © imago images/AFLOSPORT

Barcelona - Ousmane Dembele? Verletzt. Luis Suarez? Verletzt.

Die Offensive des FC Barcelona plagt bereits seit Wochen enorme Personalsorgen. Die Liga gestattete den Katalanen daher eine Ausnahmeverpflichtung nach Schließung des Wintertransferfensters. Bedingung: Es musste ein Spieler aus La Liga sein und dieser darf nur in jenem Wettbewerb zum Einsatz kommen. So also auch im Clasico bei Real Madrid am Sonntag (ab 21 Uhr im Liveticker auf ran.de).

300-Millionen-Klausel bei Braithwaite

Nach einer Überlegungsphase entschied sich Barca für Martin Braithwaite, bis dato bei Abstiegskandidat CD Leganes unter Vertrag. Für die festgeschriebene Ablösesumme von 18 Millionen Euro wechselte der Däne zu den Katalanen. Mit der Verpflichtung einhergehend bekam Braithwaite eine in Spanien übliche Ausstiegsklausel von 300 Millionen Euro verpasst.

Alles andere als eine marktübliche Summe für einen Spieler, der bislang sieben Tore in 39 Länderspielen schoss. Seine erfolgreichste Zeit erlebte der Sohn eines Guyaners beim FC Toulouse, wo er in vier Jahren 35 Tore erzielte und zum Kapitän wurde. 2017 zahlte der FC Middlesbrough schließlich elf Millionen Euro für Braithwaite. Auf der Insel wurde der Offensivspieler aber nicht glücklich. Auch die anschließende Station bei Girondins Bordeaux brachte keine Besserung.

Erst eine Leihe zu Leganes im Januar 2019 brachte den erhofften Aufschwung, dort konnte Braithwaite wieder überzeugen und wurde schließlich vor Beginn der Saison für fünf Millionen Euro fest verpflichtet.

Leganes poltert nach Braithwaite-Abgang

Nach 24 Ligaspielen und sechs Toren folgte schließlich Mitte Februar der abrupte Wechsel zum FC Barcelona - sehr zum Ärger von Leganes. "Wir sind verarscht worden. Wir sind in der Tabelle ganz unten und die großen Klubs haben uns zwei Spieler weggenommen. Aber die Sonne ist heute aufgegangen, und solange uns die FIFA mit elf Spielern auflaufen lässt, bin ich zufrieden mit dem, was ich habe", klagte Coach Javier Aguirre.

Neben Braithwaite war im regulären Transferfenster auch noch der Marokkaner Youssef En-Nesry zum FC Sevilla gewechselt. Leganes versuchte ebenfalls eine Ausnahmegenehmigung für eine Nachverpflichtung zu erwirken, bekam vom spanischen Verband aber eine Absage.

Der abstiegsbedrohte Klub aus einer Vorstadt Madrids steht nun ohne seinen besten Torschützen da, während Barca einen Spieler verpflichtet hat, der wohl nicht mehr als eine "Notlösung" ist, darüber darf die immens hohe Ausstiegsklausel nicht hinwegtäuschen.

Im ersten Liga-Spiel nach seiner Verpflichtung kam Braithwaite gegen Kellerkind Eibar gerade einmal 18 Minuten zum Einsatz. Braithwaites Stärken liegen im Konterspiel, eine Spielweise, die in Barcelona nicht gefragt ist. Daher dürfte er vor allem als Joker zum Einsatz kommen und damit eine Position im Barca-Kader einnehmen, die vergleichbar mit der von Kevin-Prince Boateng im Vorjahr ist.

 

Barca mit wenig weitsichtiger Transferpolitik

Letztlich war er mutmaßlich die einzige Alternative zu diesem Zeitpunkt. Barcelona soll auch Angel Rodriguez (Getafe) und Lucas Perez (Alaves) im Blick gehabt haben, aber beide Spieler sind schon jenseits der 30 Jahre und wurden daher offenbar verworfen.

Dass der spanische Meister überhaupt in die Lage kam, Braithwaite holen zu müssen, ist auch der wenig weitsichtigen Transferpolitik zuzuschreiben. Im Winter wurden mit Carles Perez (AS Rom) und Abel Ruiz (SC Braga) zwei Offensivkräfte abgegeben. Zu diesem Zeitpunkt war Suarez' langfristiger Ausfall bereits bekannt und der ohnehin anfällige Dembele verletzte sich kurze Zeit später schwer.

Um den Super-GAU abzuwenden, wurde bei der Liga eine Sondergenehmigung eingereicht und Braithwaite verpflichtet. Er soll nun dazu beitragen, dass sich Barcas Titel-Träume in der Liga erfüllen - ohne dabei wirklich zum Team zu passen.

Markus Bosch

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