Lionel Messi würde wohl gern zum FC Barcelona zurückkehren - Bildquelle: getty/ranLionel Messi würde wohl gern zum FC Barcelona zurückkehren © getty/ran

München/Barcelona - Der vielleicht markanteste Fangesang, der in den letzten Jahren durch das altehrwürdige Camp Nou schallte, erinnerte ein wenig an ein Gebet.

Es war eine Huldigung für jenen Fußballer, der beim FC Barcelona fast wie ein Gott in Stollenschuhen verehrt wird. "Messi, Messi" skandierten die Fans in langgezogenen Chören von der Tribüne, meist nach einem Tor des Argentiniers. Das Camp Nou war Lionel Messis Kirche.

Im krassen Kontrast dazu steht Messis aktuelle Situation bei Paris Saint-Germain: Im ersten Heimspiel nach dem bitteren Champions-League-Aus gegen Real Madrid wurde der 34-Jährige bei jedem Ballkontakt von den PSG-Fans ausgepfiffen - obwohl ihre Mannschaft locker mit 3:0 gegen Girondins Bordeaux siegte.

Für Barca-Fans absolut unvorstellbar, selbst nach den bitteren Enttäuschungen der jüngeren Vergangenheit.

Lionel Messi: Rückkehr zum FC Barcelona?

Schon jetzt gibt es erste Gerüchte über eine spektakuläre Rückkehr nach Katalonien. Der spanische Journalist Gerardo Romero berichtet, dass Messi von einer Barca-Rückkehr träume. Sein Vater und Berater habe in den vergangenen Wochen mehrmals die Barcelona-Verantwortlichen kontaktiert, um seinen Sohn nach Hause zu holen.

Eine Heimkehr zum Herzensverein ergibt aus Messis Perspektive Sinn. Er und seine Familie fühlen sich in der französischen Hauptstadt nicht richtig wohl, das berichten zumindest mehrere spanische Medien.

Auch rein sportlich wirkt Messi im PSG-Starensemble wie ein Fremdkörper. In wettbewerbsübergreifend 27 Pflichtspielen gelangen Messi nur sieben Treffer, immerhin steuerte er noch elf Vorlagen bei.

Messi sehnt sich wohl nach der Komfortzone

Seinem Ziel, noch einmal die Champions League zu gewinnen, ist der Argentinier bei PSG mit dem Achtelfinal-Aus auch nicht näher gekommen. Wenn der höchste sportliche Erfolg ausbleibt, kann er sich auch in seiner Komfortzone mit Liebe überschütten lassen. Finanziell ausgesorgt hat der siebenmalige Weltfußballer ohnehin.

Doch wie realistisch ist die Heimkehr wirklich?

Kein Zweifel: Der Messi-Abgang erschütterte den FC Barcelona und seine Fans zutiefst. Indem er den verlorenen Sohn einem vollgepackten Camp Nou präsentiert, könnte Barca-Präsident Joan Laporta einen großen Makel seiner noch jungen zweiten Amtszeit tilgen. Es wäre die Feel-Good-Story für alle Fußball-Romantiker.

FC Barcelona langt auf dem Winter-Transfermarkt zu

Doch der Romantik stehen die nackten Zahlen gegenüber: Barcelona ist weiter hochverschuldet, das Gehaltsgefüge ist seit Messis Abgang noch engmaschiger geworden.

Im Januar legte Barca auf dem Transfermarkt nochmal ordentlich nach und musste sich sehr strecken, um Neuzugänge wie Ferran Torres oder Pierre-Emerick Aubameyang unter der Gehaltsobergrenze von La Liga zu registrieren.

Aktualisierten Berechnungen der Zeitung "AS" zufolge liegt Barca 144 Millionen Euro über den eigentlich erlaubten Ausgaben für Gehälter. Um mit dem aktuellen Personal in die kommende Saison zu gehen, muss Barca also bestenfalls neue Geldquellen generieren - oder Spieler abgeben. Für ein Messi-Gehalt, selbst zu stark verringerten Bezügen, dürfte schlichtweg kein Platz sein.

Messi müsste laut spanischem Arbeitsrecht mindestens 50 Prozent seines vorherigen Gehalts bekommen, dürfte also nicht mal umsonst spielen.

Zudem wäre ein Wechsel wohl frühestens im Sommer 2023 möglich. Solange läuft Messis Vertrag bei PSG - und der Verein dürfte kein Interesse daran haben, seinen größten Star ohne Ablöse abzugeben.

"CVC" und "Spotify": Frisches Geld für Barca?

Aktuell soll Barca laut "AS" mit dem luxemburgischen Finanzunternehmen "CVC Capital Partners" über einen Deal verhandeln, der bis zu 270 Millionen Euro in die klammen Kassen der "Blaugrana" spülen würde. Abgeschlossen sind die Verhandlungen allerdings nicht. Gleiches gilt wohl für einen Sponsorenvertrag mit dem Musik-Streamingdienst "Spotify".

Selbst wenn Barcelona auf der finanziellen Seite zaubert, ist fraglich, inwiefern ein Transfer aus sportlicher Sicht Sinn ergeben würde.

Mit Torres, der für die stolze Ablösesumme von 55 Millionen Euro von Manchester City kam, Aubameyang und Wolverhampton-Leihgabe Adama Traore hat Trainer Xavi mittlerweile eine Vielzahl von Optionen für seinen Dreiersturm. Erstmals seit Jahren kann Barca wieder mit Variabilität glänzen, während Messi in Frankreich so langsam auch dem Alter Tribut zollt.

Barcelona-Boss Laporta pessimistisch bei Transfers

Dazu kommen noch Memphis Depay, Youngster Gavi, Luuk de Jong und Martin Braithwaite, die ebenfalls alle um Spielzeit kämpfen. An Offensivspielern mangelt es den Katalanen aktuell nicht.

Selbst wenn einige der genannten Akteure verkauft werden und Budget für Transfers im Sommer da wäre, gäbe es größere Baustellen im Kader. Verstärkungen für die Defensive oder ein echter Strafraumstürmer werden dringender benötigt als ein Spieler von Messis Profil.

     

"Auch wenn wir die wirtschaftlichen Voraussetzungen hätten, gibt es Transfers, die wir zum Wohle des Vereins nicht tätigen würden", sagte Laporta zuletzt dem spanischen Fernsehsender "Esport3". Damit distanzierte sich der Barca-Boss indirekt von einem Wettbieten um Erling Haaland, der lange Zeit als Wunschspieler der Katalanen galt.

Die ohnehin schon knappen Ressourcen für viel Nostalgie zu investieren, wäre in Anbetracht dieser Aussage kaum zu rechtfertigen.

Messi von PSG in die MLS?

Möchte Messi PSG unbedingt verlassen, gäbe es realistischere Optionen. Immer wieder wird der Argentinier mit einem Wechsel in die MLS in Verbindung gebracht. Inter Miami, der Klub von David Beckham, würde Messi sicher den roten Teppich ausrollen.

Eine Rückkehr nach Barcelona ist nach dem derzeitigen Stand nicht mehr als ein Wunschtraum - ganz egal, ob er von Messi, Barcelona oder den Fans geträumt wird.

Das Camp Nou wird wohl weiter ohne seinen Messias auskommen müssen.

Julian Huter

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