Pierre-Emerick Aubameyang erzielte für den FC Barcelona gegen Real Madrid zw... - Bildquelle: getty/ranPierre-Emerick Aubameyang erzielte für den FC Barcelona gegen Real Madrid zwei Treffer © getty/ran

München/Barcelona - Pierre-Emerick Aubameyang hatte etwas geschworen.

"2014, kurz bevor mein Großvater aus Avila, nur 100 Kilometer von Madrid, starb, gab ich ihm das Versprechen, eines Tages für Real Madrid zu spielen", erzählte der damalige BVB-Star der "L'Equipe".

Für einen Wechsel zu den "Königlichen" hat es nicht gereicht. Trotzdem zeigte der Gabuner am Sonntag eine Show im Santiago Bernabeu: Zwei Treffer und eine Vorlage markierte Aubameyang in der Real-Heimstätte - ausgerechnet für Erzrivale FC Barcelona.

Die Katalanen lieferten eine ihre besten Leistungen der vergangenen Jahre ab und feierten einen 4:0-Erfolg, der bei besserer Chancenverwertung auch höher hätte ausfallen können.

Aubameyang steht für den Aufschwung beim FC Barcelona

Statt im weißen Trikot der "Königlichen" zu brillieren, steht Aubameyang sinnbildlich für den Aufschwung Barcas unter Trainer Xavi Hernandez. In den vergangenen zehn Ligaspielen holte Barcelona 26 Punkte, in Europas Topligen ist nur der FC Liverpool mit 28 Zählern noch besser. Zudem erreichte Xavis Team auch das Viertelfinale der Europa League.

Aubameyang lief seit seinem Winterwechsel in elf Pflichtspielen für die "Blaugrana" auf, steuerte neun Tore und eine Vorlage bei. Dass der 32-Jährige sofort so einschlägt, hätten wohl nicht einmal die kühnsten Optimisten vermutet. Der ehemalige Dortmunder schien seinen Zenit längst überschritten zu haben.

Zoff mit Arteta beim FC Arsenal

Sein Transfer nach Katalonien war auch ein Stück weit aus der Not geboren. Beim FC Arsenal war Aubameyang, auch aufgrund persönlicher Differenzen mit Trainer Mikel Arteta, in Ungnade gefallen. Wegen eines nicht genauer benannten Disziplinarverstoßes wurde dem Stürmer die Kapitänsbinde entzogen, Arteta verbannte ihn sogar komplett auf die Tribüne.

Die Fronten waren so verhärtet, dass Arsenal am Ende bereit war, den Vertrag des Unruhestifters aufzulösen und ihn ablösefrei abzugeben.

Für den einstigen Bundesliga-Torschützenkönig war offenbar kein Team bereit, noch eine Ablösesumme zu zahlen. Zum einen wegen der Disziplinarprobleme, zum anderen aber wohl auch, weil er zuletzt auch sportlich immer mehr abgebaut hatte. Aubameyang, der von seiner Schnelligkeit lebt, wird dieses Jahr immerhin 33 Jahre alt.

Sogar Xavi zweifelte an Aubameyang

Für den finanziell angeschlagenen FC Barcelona war es eine willkommene Gelegenheit: Auf den letzten Drücker wurde der Transfer eingetütet. Dabei galt Aubameyang als ein Spieler, der nicht in Barcas Spielidee passt. "Mane und Aubameyang können dich im offenen Raum töten. Aber Barcelona braucht Spieler, die wissen, wie man sich auf engstem Raum bewegt", sagte Xavi noch 2020 in einem Interview mit der englischen Zeitung "The Sun".

Inzwischen hat der Coach eine 180-Grad-Drehung hingelegt. "Er ist ein Geschenk, das vom Himmel gefallen ist. Es sind nicht nur die Tore, es ist die Art und Weise, wie er trainiert, und seine Professionalität. Er ist ein Vorbild", schwärmte Xavi schon nach dem 4:0-Sieg gegen CA Osasuna.

Auch in den Spielen fällt Aubameyang mit seiner Arbeitsmoral positiv auf. Der Stürmer lässt sich immer wieder zurückfallen und bietet sich als Anspielstation an. Dabei hat er aber auch immer ein Auge für den besser postierten Mitspieler. So fügt er sich perfekt in das Kurzpassspiel ein, das in der Barca-DNA verankert ist.

Mit seinen altbewährten Qualitäten verleiht der Gabuner diesem aber eine neue Dimension. Auch mit Anfang 30 ist er noch ein gefährlicher Konterspieler, lauert immer wieder an der Grenze zum Abseits oder spekuliert mit Erfolg auf Abstauber. Mit seinen Leistungen hat er in wenigen Wochen Memphis Depay aus der Startelf verdrängt.

Aubameyang: "Opa würde glücklich sein"

Mit seinem Kumpel Ousmane Dembele harmoniert er wie einst in Dortmund, beide profitieren enorm voneinander. "Auba" ließ sogar durchblicken, dass er Dembele davon überzeugen wolle, seinen auslaufenden Vertrag bei den Katalanen zu verlängern.

Bleibt nur die Frage: Was würde der Opa sagen, wenn er seinen Enkel im Trikot des Erzrivalen sehen könnte?

"Meine Familie ist, denke ich, sehr glücklich, dass ich in La Liga spielen kann. Es war eine Sache mit meinem Opa. Dort, wo mein Opa jetzt ist, wird er glücklich sein, mich bei Barca zu sehen", sagte Aubameyang bei seiner Vorstellung.

Für Barca fühlt es sich jedenfalls so an, als hätte der Großvater ihnen ein Geschenk gemacht.

Julian Huter       

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