München/Osnabrück - Am Ende war die Freude riesengroß. Geballte Fäuste, Jubelschreie und herzliche Umarmungen wo man auch hinschaute. Das ausverkaufte Stadion an der Bremer Brücke in Osnabrück wurde an diesem sommerlich warmen Freitagabend im Juni 2022 kurzerhand zur Wohlfühloase.

Kein Wunder. Denn nach dem souveränen 4:0 der deutschen U21-Nationalmannschaft im vorletzten U21-EM-Qualifikationsspiel gegen extrem aggressive und arg ruppige Ungarn ist das Ticket für die U21-Europameisterschaft 2023 in Rumänien und Georgien endgültig und vor allem auch vorzeitig gelöst. Der Titelverteidiger ist wieder mit dabei.

Einziger Wermutstropfen des Abends: die Verletzungen von Jamie Leweling (Verdacht auf Bänderriss), Angelo Stiller (Knieverletzung) und Malick Thiaw (Cut am Auge).

Di Salvo über EM-Qualifikation: "Ganz souverän"

"Es war das große Ziel, uns zu Hause vor den heimischen Fans für die U21-Europameisterschaft im kommenden Jahr zu qualifizieren. Und das haben wir mit einem 4:0 gegen Ungarn heute ganz souverän hinbekommen", freute sich U21-Nationalcoach Antonio Di Salvo natürlich trotzdem über das gelöste U21-EM-Ticket.

Und Ansgar Knauff meinte am ran-Mikrofon: "Wir sind glücklich, dass wir es geschafft und den ersten Matchball heute gegen Ungarn gleich verwandelt haben. Und das vorzeitig in einer schweren Gruppe."

Höhen und Tiefen auf dem Weg zur U21-EM 2023

In der Tat. Es war eine U21-EM-Qualifikation mit Höhen und Tiefen sowie einigen Widrigkeiten. Denn nach den ersten drei Qualifikationsspielen schloss sich der eigentliche Chef- und langjährige Erfolgscoach Stefan Kuntz der Türkei an und wurde dort Trainer der A-Nationalmannschaft. Sein langjähriger Co-Trainer Di Salvo rückte daraufhin ins erste Glied und übernahm die Verantwortung für die DFB-Junioren - mit etwas holprigem Start.

Einem Last-Second-Sieg gegen Israel bei seinem Debüt folgte ein nach dem Ergebnis klares 5:1 gegen Ungarn - was den zähen Spielverlauf allerdings nicht wirklich widerspiegelte - und dann kam das niederschmetternde 0:4 vor heimischem Publikum in Großaspach gegen Polen. Ein Tiefpunkt. "Nach diesem Spiel haben wir uns geschworen, dass uns so eine Leistung nie wieder passieren darf", schaute U21-Kapitän Jonathan Burkardt nochmal kritisch zurück.

Di Salvo peilt die Titelverteidigung an

Und sowohl er als auch die komplette Mannschaft sollten tatsächlich Wort halten. In den darauffolgenden U21-EM-Qualifikationsspielen gegen San Marino (4:0), gegen Lettland (4:0), in Israel (1:0) und jetzt zu Hause gegen Ungarn (4:0) wurden aus vier Partien zwölf von zwölf möglichen Punkten geholt und insgesamt 13:0-Tore erzielt. Eine richtig gute Bilanz.

Die auch Di Salvo stolz macht. "Die Deutlichkeit der Niederlage gegen Polen war schon sehr hart, die Mannschaft und ich hätten diese Partie damals auch am liebsten nicht verloren. Aber sie hat uns gezeigt, dass wir immer mit der richtigen Einstellung ins Spiel gehen müssen."

Er ergänzte: "Wir haben damals alles sehr kritisch und vor allem klar und deutlich angesprochen und analysiert. Und seit diesem Zeitpunkt hatten wir wirklich eine ganz andere Intensität im Spiel und wurden als Team immer eingespielter. Unter dem Strich ist diese Entwicklung für mich allerdings nicht komplett überraschend, freut mich aber umso mehr."

Di Salvo setzt auf weitere Entwicklung bis zum Turnierstart

Überhaupt sieht der U21-Nationalcoach die aktuelle Entwicklung seiner Spieler mit großer Freude. Immer mehr seiner Jungs bekommen in ihren Vereinen regelmäßige Spielzeiten in der Ersten und Zweiten Bundesliga (bspw. Knauff, Burkardt, Leweling, Armel Bella-Kotchap, Luca Netz, Josha Vagnoman, Tom Krauß, Thiaw, Stiller, Faride Alidou) und entwickeln sich dementsprechend weiter.

"Ich sehe das natürlich extrem positiv. Zumal alle diese Spieler ihre Einsatzzeiten nicht geschenkt bekommen, sondern sie sich diese erkämpfen und somit auch verdienen. Das erfüllt mich mit großer Freude und macht Hoffnung für die U21-EM im kommenden Jahr. Denn so haben die Jungs jetzt noch ein ganzes Jahr Zeit, um noch besser zu werden und um sich noch mehr zu entwickeln", frohlockt der Ex-Profi.

Di Salvo verweist auf Werdegang einiger aktueller U21-Europameister

Denn das große Ziel ist klar: die Titelverteidigung in Rumänien und Georgien. Wie man den U21-EM-Titel holt, weiß Di Salvo schon. Beim letzten großen Triumph war er als Co-Trainer an der Seite des damaligen Coaches Kuntz mit dabei.

"Diese U21-EM-Teilnahmen sind für unsere Spieler von enormer Bedeutung für ihre Entwicklung. Man sieht jetzt zum Beispiel ja auch, dass es wieder ein paar Jungs aus dem letzten Jahrgang in die A-Nationalmannschaft geschafft haben (bspw. David Raum, Anton Stach oder Lukas Nmecha; die Red.). Aber alle müssen wissen und verstehen, dass der Erfolg nur gemeinsam gelingen kann. Wir funktionieren immer nur als Team, niemand kann allein etwas erreichen", so Di Salvo, der aber jederzeit nach außen hin glaubhaft vermitteln kann, dass der aktuelle Jahrgang das absolut verinnerlicht hat. Spätestens seit dem Polen-Debakel im vergangenen Jahr.

Burkardt: "Wollten in diesem Spiel etwas klarstellen"

Das Rückspiel in Polen am kommenden Dienstag in Lodz (Di., ab 17:30 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de) hat rein sportlich gesehen jetzt natürlich keinen Einfluss mehr auf die nun bereits entschiedene U21-EM-Qualifikation in Gruppe B. Aber die DFB-Junioren haben das desolate Hinspiel - was in der Rückbetrachtung groteskerweise durchaus als positiver Wendepunkt betrachtet werden kann - sehr wohl noch im Kopf. "In diesem Spiel wollen wir auf jeden Fall noch etwas klarstellen", gibt Burkardt für dieses Spiel schon mal klar die Richtung vor.

Jetzt ist aber erst einmal feiern angesagt. Freude pur über die geschaffte U21-EM-Qualifikation. Und in Polen soll dann eben noch das Sahnehäubchen auf diese Qualifikation gesetzt werden.

Aus Osnabrück berichtet: Dominik Hechler

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