München - "Was der Junge für Abschlussqualitäten hat, völlig egal, ob mit links oder mit rechts, das ist absolut beeindruckend", schwärmte ran-Experte Rene Adler beim 2:1-Siegtor von Youssoufa Moukoko im U21-Spiel gegen Polen.

In der Tat beeindruckte der immer noch erst 17-Jährige in dieser Länderspielpause mit seinem Können. Doch dass Moukoko Talent hat, weiß jeder fußballinteressierte Mensch in Deutschland.

Ein Fragezeichen stand in der Vergangenheit lediglich hinter seiner Gesundheit, seiner Fitness. Doch auch die scheint Moukoko endlich in den Griff bekommen zu haben.

Seuchensaison mit Happy End

Dass Moukoko bei der U21 eine durchwachsene Saison mit viel Verletzungspech zu einem Happy End bringt, ist beinahe schon eine schicksalhafte Fügung - begann die Pechsträhne des in Kamerun geborenen Stürmers doch ebenfalls bei der U21.

An der EM im vergangenen Sommer konnte Moukoko verletzungsbedingt nicht teilnehmen - und verpasste somit den Erfolg des Europameistertitels. Es war so ziemlich der erste Rückschlag des Shootingstars, dessen Karrierekurve bis dahin eigentlich nur steil nach oben zeigte.

Auch die Vorbereitung bei Borussia Dortmund verlief nicht optimal. Neben den Blessuren schien auch die Beziehung zu Ex-Coach Marco Rose nicht die beste zu sein. In den Monaten Oktober, November und Dezember 2021 absolvierte er nur 19 Pflichtspielminuten. Oft verletzungsbedingt, aber auch, weil ihn Rose schlichtweg nicht berücksichtigte.

"Das war kein Druck, ich war einfach verletzt, das hat mich auch traurig gemacht, das war anfangs sehr hart für mich. Aber auch aus Verletzungen lernt man viel, ich habe auch gelernt, damit umzugehen", sagte Moukoko direkt nach dem 2:1 gegen Polen.

Obwohl Moukoko am Ende der Saison beim BVB nur auf mickrige zwei Startelfeinsätze kam, war die letzte Bundesliga-Partie ein Fingerzeig, in welche Richtung es für den 17-Jährigen gehen sollte. Beim 2:1 gegen Hertha BSC schoss er das prächtige Siegtor - mit jener Abschlussstärke, die Adler rund vier Wochen später auch beim U21-Länderspiel feststellte.

"Was er an Qualität hat ist unglaublich", sagte der alte und neue BVB-Trainer Edin Terzic schon nach Moukokos erstem Bundesliga-Tor im November 2020 bei Union Berlin.

2022/23 neuer Angriff beim BVB - Trumpfkarte Terzic

Auf jenen Terzic setzt der 17 Jahre alte Angreifer in der kommenden Saison auch. "Ich will auf jeden Fall mehr Spielpraxis sammeln, mehr Tore schießen und unbedingt verletzungsfrei bleiben", erklärte Moukoko. "Jetzt habe ich Pause und kann durchschnaufen, und dann kann ich nächste Saison voll angreifen, ich bin extrem motiviert."

Voll angreifen kann er womöglich auch deshalb, weil er das volle Vertrauen des Trainers spürt. Auf seinem Instagram-Kanal postete er nach dem Spiel einen Beitrag mit der Unterschrift "#VertrauenIstAlles". Vielleicht auch ein Seitenhieb gegen Marco Rose, der ihm nicht oder nur bedingt vertraute.

"Wir dürfen jetzt nicht anfangen, nach jedem Tor eine Party zu feiern", so Terzic 2020. Der Erwartungsdruck an den U21-Knipser ist seit dieser Aussage sicher nicht gesunken. "Du musst einfach lernen, damit umzugehen", sagt der Betroffene selbst. "Ich glaube, ich komme damit klar", fügte er an.

Ohnehin ist Moukoko selbst sein größter Kritiker: "Ich muss niemandem etwas beweisen, nur mir selbst. Das habe ich gelernt."

Die Anstellung von Terzic als BVB-Coach kann ihm dabei nur gut tun, gilt der 39-Jährige doch als Flüsterer junger Talente. Ansgar Knauff, der sich mit Eintracht Frankfurt mittlerweile Europapokalsieger nennen darf, verhalf er zu seinem Profidebüt. Beim spektakulären Treffer der BVB-Leihgabe gegen Barcelona saß Terzic auf der Tribüne. Der BVB-Coach kümmert sich beinahe liebevoll um seine jungen Spieler.

Haaland-Abgang als Chance für Moukoko

Wie Borussia Dortmund den Abgang von Erling Haaland abfangen will, ist derzeit noch offen. Mit Donyell Malen, Neuzugang Karim Adeyemi sowie "Mouki", wie er von seinen Teamkollegen genannt wird, hat der BVB (noch) keinen richtigen Typen Haaland im Kader. Gut möglich, dass das eine Systemumstellung nach sich zieht, von der auch Moukoko profitiert.

Ob 4-3-3, 4-2-3-1 oder 3-4-1-2, dürfte dem 17-Jährigen aber herzlich egal sein. "Am Ende mache ich die Dinge, die ich gut kann auf dem Platz, und das funktioniert", so der Youngster ganz.

Eine Aussage, die Moukokos Unbeschwertheit zeigt. Eine Unbeschwertheit, für die aber Vertrauen und Gesundheit notwendig sind.

Wenn er es schafft, das in die Saison 2022/23 zu transportieren, dann könnte das kommende Jahr das von Youssoufa Moukoko werden.

Und der 17-Jährige noch viel öfter ganz Deutschland zeigen, wie gut er wirklich ist.

Kai Esser

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