Jamal Musiala spielte gegen England überragend - Bildquelle: ImagoJamal Musiala spielte gegen England überragend © Imago

London – Jamal Musiala nahm sein Herz in die Hand. Der Jungstar des FC Bayern schnappte sich auf dem Rasen des Londoner Wembley-Stadions vor 80.000 Fans den Ball und dribbelte los. Mit Tempo. Mit Finesse. Mit Eleganz.

Zu viel für den britischen, leicht hüftsteifen Innenverteidiger Harry Maguire, der den 19 Jahre jungen deutschen Nationalspieler im Nations-League-Duell zwischen England und der DFB-Elf in der 52. Minute im eigenen Sechzehner nur mit einem plumpen Foul stoppen konnte. Ilkay Gündogan verwandelte den darauffolgenden Elfmeter sicher zum zwischenzeitlichen 1:0 für die deutsche Mannschaft.

Dass Musiala dann rund eine Viertelstunde später mit einem überragenden Ballgewinn – übrigens erneut gegen den fast schon bemitleidenswerten Maguire - auch beim 2:0 durch Kai Havertz wieder direkt beteiligt war, war definitiv kein Zufall. Musiala war an diesem Abend der beste Deutsche auf dem Platz und das einzig richtige und überaus hoffnungsvolle Versprechen auf die Weltmeisterschaft in Katar in rund sieben Wochen.

Musiala belebt ideenloses DFB-Team

Im Gegensatz zum 0:1 gegen Ungarn durfte der 19-Jährige gegen England, seine zweite Heimat, von Beginn an ran und war von der ersten Sekunde an ein überaus belebendes Element in einer ansonsten über weite Strecken doch arg trägen und vor allem offensiv ideenlosen deutschen Mannschaft.

Immer wieder forderte Musiala den Ball, war vorne, hinten, links und rechts auf dem Rasen zu finden, brachte die Engländer mit seinen katzenartigen, flinken, trickreichen Bewegungen immer wieder an ihre Grenzen, glänzte in der eigenen Defensive aber auch als Balleroberer – wie vor dem 2:0 durch Havertz.

Dass bei Musiala an diesem für ihn ganz besonderen Abend („Ich habe schon als Kind davon geträumt, in Wembley zu spielen“) nicht alles klappte, sollte selbstverständlich sein. Dafür ist der Bayern-Star ja auch noch sehr jung – und trotzdem schon der große Hoffnungsträger für die WM.

Müller über Musiala: "Könnt ihn gerne zum Hoffnungsträger machen"

"Dass Jamal uns hilft und seine Qualitäten hat, ist ja klar und nichts Neues", referierte sein bayerischer Teamkollege Thomas Müller nach der Partie im Bauch der Arena geschickt. "Ihr könnt ihn jetzt gerne auch zum großen Hoffnungsträger machen. Aber wir werden uns alle sehr gut auf die WM vorbereiten."

Möglich. Aber Musiala stach beim letztlich glücklichen 3:3 in England eben extrem aus dieser deutschen Mannschaft heraus, es war immer wieder zu erkennen, was für ein Ausnahmekönner der 19-Jährige ist. Das sah auch Bundestrainer Hansi Flick so: "Jamal hat gezeigt, was für ein außergewöhnliches Talent er ist. Er hilft uns offensiv und defensiv."

Und Musiala hat noch einen großen Fan: Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß. "Wenn er so spielt, muss er beim FC Bayern und in der deutschen Nationalmannschaft gesetzt sein", sagte Hoeneß nach dem England-Spiel bei "RTL". Dabei kritisierte er jedoch auch ein wenig den öffentlichen Umgang mit dem 19-Jährigen vor der Partie auf der Insel, da Musiala seiner Meinung nach schon als "Messias" stilisiert wurde – aber: "Er hat dem Druck standgehalten." Das verdient Respekt. Und es zeigt, dass der junge Offensivspieler nicht nur sportlich, sondern auch mental überaus stabil ist.

Southgate: Verlust von Musiala "eine Schande"

Kein Wunder also, dass sich der englische Nationaltrainer Gareth Southgate auch heute noch ärgert, dass sich Musiala nicht für England, sondern für Deutschland entschieden hat. Da ist den Briten nämlich wahrlich ein großes Talent durch die Lappen gegangen.

"Musiala ist ein außergewöhnlicher Spieler. Wir hatten ihn bei uns mit Jude Bellingham in unserer englischen U16 spielen. Sie wissen, wie sehr wir ihn mochten, Sie wissen, wie sehr wir auch versucht haben ihn zu behalten. Er hat aber gleichzeitig beim FC Bayern mit acht deutschen Nationalspielern trainiert, die täglich die Gelegenheit hatten, ihn zu beeinflussen. Das ist eine Schande", ärgert sich Southgate immer noch über die verpasste Chance und fügte hinzu: "Er ist ein sehr spezielles Talent und sein Auftritt heute war exzellent."

Und was sagte Musiala eigentlich selbst zu seinem Auftritt in seinem "zweiten Wohnzimmer"? Nichts! Der 19-Jährige lief ganz ruhig und zurückhaltend durch die Mixed Zone der neuen Wembley-Arena auf geschichtsträchtigem Grund und verschwand im Mannschaftsbus.

Manchmal muss man auch nichts sagen. Es reicht, wenn man auf dem Rasen Taten sprechen lässt – und das hat Musiala gegen England zum wiederholten Male gemacht. Die WM kann für ihn zum ganz großen Durchbruch werden. 

Aus London berichtet: Dominik Hechler

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