Amnesty fordert Entschädigung für Arbeitsmigranten - Bildquelle: AFP/SID/GABRIEL BOUYSAmnesty fordert Entschädigung für Arbeitsmigranten © AFP/SID/GABRIEL BOUYS

Frankfurt am Main (SID) - Amnesty International fordert gemeinsam mit Gewerkschaften und Fangruppen ein Entschädigungsprogramm für von Menschenrechtsverletzungen betroffene Arbeitsmigranten im WM-Gastgeberland Katar. Dies geht aus einem offenen Brief an FIFA-Präsident Gianni Infantino hervor.

Demnach solle der Fußball-Weltverband mit dem Emirat "mindestens 440 Millionen US-Dollar" bereitstellen, laut Amnesty etwa die Summe der WM-Preisgelder.

"Die Bereitschaft der FIFA und Katars, Entschädigungen zu leisten, wären ein wichtiges Signal und eine unmissverständliche Anerkennung der eigenen Verantwortung für die Menschenrechte", sagte Nahost-Expertin Katja Müller-Fahlbusch von Amnesty.

Die FIFA habe "die Augen vor vorhersehbaren Menschenrechtsverletzungen verschlossen und diese nicht gestoppt" sowie "unbestreitbar zu weit verbreiteten Menschenrechtsverstößen" beigetragen. 

Seit Jahren steht Katar als Austragungsland der kommenden WM (21. November bis 18. Dezember) wegen Menschenrechtsverletzungen und der Situation der Arbeitsmigranten in der Kritik. Laut Medienberichten sollen Tausende Arbeiter auf Baustellen gestorben sein. Die katarischen Machthaber bestreiten dies und verweisen stets auf Reformen.

Amnesty stellte im neuen Bericht zur Situation in Katar erneut fest, dass zwar "einige Fortschritte erzielt" worden seien. Der "begrenzte Geltungsbereich und ihre mangelhafte Umsetzung" hätten dazu geführt, "dass schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen fortbestehen". 

Die geforderten 440 Millionen US-Dollar seien das Minimum, "um eine Reihe von Entschädigungszahlungen zu decken", teilte Amnesty mit. Die Gesamtsumme für Arbeiter, die in Vorbereitung auf die WM Menschenrechtsverletzungen erlitten haben, könne "jedoch weitaus höher ausfallen und sollte in einem transparenten und glaubwürdigen Prozess ermittelt werden".

Zudem rief Amnesty den Deutschen Fußball-Bund (DFB) dazu auf, sich den Forderungen anzuschließen. Jetzt könne der DFB zeigen, dass er Worten "konkrete Taten" folgen lasse, hieß es. Den Vorschlag der norwegischen Verbandspräsidentin Lise Klaveness für einen entsprechenden Hilfsfonds für Angehörige hatte der DFB zuletzt begrüßt.

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