In Katar war Fußball bisher nur eine Randsportart. - Bildquelle: 2011 Getty ImagesIn Katar war Fußball bisher nur eine Randsportart. © 2011 Getty Images

München/Washington - Katar hat offenbar jahrelang einen früheren Mitarbeiter des Auslandsgeheimdienstes CIA beschäftigt. Dieser soll dem Emirat geholfen haben, die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 ins eigene Land zu holen.

Der US-Nachrichtenagentur The Associated Press (AP) zufolge, soll Kevin Chalker Katar rund um die WM-Vergabe im Jahr 2010 dabei unterstützt haben, die Entscheidungsträger aus der Welt des Fußballs auszuspionieren. Nachdem Katar die WM erhalten hatte, soll Chalker weiter für das Emirat tätig gewesen sein, damit die Ausrichtung nicht doch noch in Gefahr gerät.

Die Winter-WM im kommenden Jahr ist seit vielen Jahren höchst umstritten. Wegen der Situation der Menschenrechte in Katar, wegen der menschenunwürdigen Zustände auf den Stadion-Baustellen und nicht zuletzt, weil das Emirat keinerlei Fußballgeschichte vorzuweisen hat.

Tatsächlich bietet das weltweit größte Sportereignis Katar aber die Chance, sich von seiner besten Seite zu zeigen und zum Beispiel von Verstößen gegen Menschenrechte abzulenken. Solche Imagekampagnen werden immer wieder als "Sportswashing" bezeichnet.

Spione traten als Journalisten oder attraktive Frauen auf

Den Recherchen der AP zufolge soll sich ein Mitarbeiter Katars als Fotojournalist ausgegeben haben, um die Kampagnen der Mitbewerber um die WM 2022 auszuspionieren. Ein anderer soll online als attraktive Frau aufgetreten sein, um mit Offiziellen in Kontakt zu treten. Auf die Telefonate mindestens eines Top-FIFA-Funktionärs sollen abgehört worden sein.

Weder die FIFA, noch Katar haben zu den Vorwürfen bisher Stellung bezogen. Chalker, der ein Büro in Doha betreibt, erklärte, dass er oder seine Firma sich niemals an "illegalen Überwachungen" beteiligen würden.

Das Problem, dass Ex-Geheimdienstmitarbeiter nach ihrer Karriere den Verlockungen des Geldes nachgeben und für andere Staaten, vor allem aus der Golf-Region, arbeiten, ist aber bekannt und wird in den USA mit Sorge gesehen. Sollten die Recherchen in diesem Fall stimmen, wäre es besonders bitter. Denn die USA waren 2010 einer der Hauptkonkurrenten Katars im Kampf um die Ausrichtung der Fußball-WM 2022.  

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