Die DTM geht 2023 unter dem ADAC in eine neue Ära ihrer langen Geschichte - Bildquelle: Imago ImagesDie DTM geht 2023 unter dem ADAC in eine neue Ära ihrer langen Geschichte © Imago Images

München - Bei einer Pressekonferenz im Clubhaus in München hat der ADAC als neuer Besitzer der DTM-Vermarktungsrechte erste Details bekanntgegeben, wie er die Serie ab 2023 austragen möchte. Das Wichtigste zuerst: Wie "Motorsport-Total.com" berichtet hat, soll das Konzept unverändert bleiben - die DTM setzt auch unter dem Dach des ADAC auf einen Fahrer pro Auto, zwei Läufe pro Wochenende und Performance-Boxenstopps.

Sie soll die "Speerspitze für Profis" sein. Der Kalender, der ebenfalls präsentiert wurde, wird wie 2022 acht Wochenenden umfassen. Bei "sechs bis sieben Veranstaltungen" sollen auch die GT3-Boliden aus dem bisherigen ADAC GT Masters unter dem neuen Dach DTM Endurance im Rahmenprogramm der DTM ihre Rennen austragen. Und zwar in einem gemeinsamen Rennen mit den LMP3-Prototypen des Prototype-Cups Germany.

Letzte Details sind diesbezüglich aber noch nicht geklärt, wie es in der Pressemitteilung heißt: "Hierzu steht der ADAC derzeit in guten Gesprächen mit dem ACO zur Abstimmung der Details."

ADAC GT Masters wird zur DTM Endurance

Fester Bestandteil des DTM-Rahmenprogramms sind neben der neuen DTM Endurance, die das ADAC GT Masters ersetzt, auch die ADAC GT4 Germany, der BMW-M2-Cup und der Porsche-Carrera-Cup Deutschland. Die DTM Trophy wird es in Zukunft nicht mehr geben. Wie es mit der DTM Classic weitergeht ist ebenso offen wie die Einführung der geplanten DTM Electric.

Der Saisonstart wird erst von 26. bis 28. Mai in Oschersleben steigen, anstatt wie bisher geplant Mitte April. Dadurch gewinnt der ADAC an Zeit für die Vorbereitung des neuen Pakets. Weitere Kurse sind Zandvoort, Norisring, Nürburgring, Lausitzring, Sachensring, Red-Bull-Ring und der Hockenheimring, wo von 20. bis 22. Oktober das Finale geplant ist.

Überschneidungen mit der GT-World-Challenge Europe, den großen Langstrecken-Klassikern gibt es nicht. In der Formel E gibt es lediglich eine Termin Kollision am 24. Juni. An diesem Datum fährt die DTM in Zandvoort und die Formel E in Portland.  Ob BMW-Neuzugang Rene Rast auch in der DTM an den Start gehen wird, ist noch unklar.

Reifen von Pirelli, BoP von der SRO

"Die DTM genießt internationales Ansehen und einen über die Grenzen hinaus hervorragenden Ruf, doch das Herz der DTM schlägt in Deutschland. Wir haben jetzt eine langfristige Sicherheit für den Spitzen-Motorsport in Deutschland geschaffen. DTM ist Motorsport in Deutschland - ohne DTM ist Motorsport in Deutschland nicht vorstellbar", erklärt ADAC-Sportpräsident Gerd Ennser, wie man bei der Kalenderplanung vorgegangen ist. "Uns war es ein großes Anliegen, kurz nach dem Erwerb der Markenrechte für die Teams eine Planungssicherheit zu schaffen. Wichtig war dabei, dass wir uns auf den Kernmarkt konzentrieren."

ABT-Teamchef Thomas Biermaier freut sich auf das neue Konzept und bekräftigte das Bekenntnis des Teams zur DTM: "Jeder bei ABT Sportsline ist erleichtert, dass die Zukunft der DTM gesichert ist. Sie ist und bleibt die wichtigste Rennserie Deutschlands. Die Pläne des ADAC klingen vielversprechend und wir haben mit dem ADAC in der Vergangenheit immer gut zusammengearbeitet. Natürlich gibt es vor der neuen Saison noch viele Details zu klären, aber alles, was wir bisher gehört haben, passt für uns. Unser Ziel ist unverändert, 2023 mit mindestens zwei Fahrzeugen in der DTM an den Start zu gehen."

Während zwar die Eckpfeiler der bisherigen DTM erhalten bleiben, übernimmt man bei der neuen DTM auch einige Aspekte aus dem bisherigen ADAC GT Masters. Die Balance of Performance wird ab 2023 nicht mehr von AVL Racetech, sondern in Zukunft von Stephane Ratels SRO Motorsports Group kommen.

Auch die Einheitsreifen werden nicht mehr von Michelin, sondern von Pirelli geliefert, was Sinn ergibt, denn die BoP ist auf die italienischen Pneus ausgerichtet. Für mehr Nachhaltigkeit soll der 2022 bereits im ADAC GT Masters eingesetzte Shell-Sprit sorgen, der zu 50 Prozent aus erneuerbaren Komponenten besteht.

ADAC setzt auf Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit soll überhaupt in Zukunft eine "entscheidende Rolle spielen", auch im Fahrerlager will man Plastikmüll vermeiden. Außerdem hat der ADAC geplant, für die Teams "signifikante Maßnahmen zur Budgetreduzierung" durchzuführen.

"Der ADAC tritt ein großes Erbe an und richtet die DTM mit ihrer länderübergreifenden Strahlkraft weiterhin als starke internationale Marke im europäischen Motorsport aus", so Ennser. "Wir schaffen mit nachhaltigen und zukunftsorientierten Strukturen eine starke Plattform für den deutschen Motorsport."

Am 2. Dezember hatte der ADAC bekanntgegeben, dass er die Markenrechte der DTM von Gerhard Bergers Berger Motorsport GmbH übernommen hat. Die bisherige DTM-Dachorganisation ITR, die 1986 gegründet wurde und seitdem als Promoter der DTM fungierte, wird Ende 2022 geschlossen, die 17 Mitarbeiter erhielten die Kündigung.

Dadurch ist die Ära Berger, der von 2017 bis 2022 Chef der DTM war und von 2020 bis 2022 auch ihr alleiniger Besitzer, in der Traditionsserie beendet. Mit dem ADAC beginnt nun ein neues Kapitel. 

"Seit dem Norisring gab es lockere Gespräche. Ein erstes Angebot zum Erwerb der Markenrechte gab es vor exakt sieben Wochen. Der Kalender ist aus meiner Sicht das Beste aus beiden Welten - auch unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit - und den Schwerpunkten Deutschland und 'back to the roots'. Das Ziel sind ca. 26 Autos, am Rennformat mit einem Fahrer pro Auto wird sich sehr wenig ändern. Die Renndauer wird ca. eine Stunde mit Performance-Boxenstopp betragen. Das Boxenstopp-Fenster wird vermutlich etwas verkürzt, das Rennformat am Samstag und Sonntag identisch sein. Der späte Saisonstart gibt den Teams etwas mehr Vorbereitungszeit", so ADAC-Motorsportchef Thomas Voss.

DTM-Kalender 2023 in der Übersicht

26. bis 28. Mai: Oschersleben

23. bis 25. Juni: Zandvoort

7. bis 9. Juli: Norisring

4. bis 6. August: Nürburgring

18. bis 20. August: Lausitzring

8. bis 10. September: Sachsenring

22. bis 24. September: Spielberg

20 bis 22. Oktober: Hockenheimring