Audis Einsatzleiter Rolf Michl mit Rene Rast vor dessen drei DTM-Titeltrophä... - Bildquelle: Audi AGAudis Einsatzleiter Rolf Michl mit Rene Rast vor dessen drei DTM-Titeltrophäen © Audi AG

Warum trennt sich ein Automobilhersteller wie Audi freiwillig nach zwölf gemeinsamen Jahren von einem seiner besten Fahrer? Das fragten sich viele Fans nach der Bekanntgabe der Ingolstädter am Dienstag, dass mit Rene Rast der dreimalige DTM-Champion trotz eines bis Ende 2023 gültigen Werksvertrags vorzeitig von Bord geht.

"Audi stellt sein ganzes Motorsportprogramm für die Elektrifizierung auf", argumentiert Audis neuer Einsatzleiter Rolf Michl, der seit April im Amt ist. Man habe sich daraufhin mit Rast und seinem Manager Dennis Rostek zu einem "offenen Gespräch" darüber zusammengesetzt, was man in Zukunft erreichen will.

"Natürlich hat Rene ein paar Ziele, er will den Kurs setzen für ein paar neue Abenteuer. Und im Moment kann ihm Audi für das kommende Jahr diesbezüglich kein Angebot machen", erklärt Michl, wieso man keine Einigung erzielen konnte.

Keine Perspektiven für Rast bei Audi

Was er damit meint, ist klar: Das ursprünglich für Rast vorgesehene LMDh-Werksprogramm, mit dem der 35-Jährige seinen Traum vom Le-Mans-Gesamtsieg doch noch verwirklichen wollte, wurde gestoppt, weil das Dakar-Projekt zu hohe Kosten produziert. Aus der Formel E, die für die Fahrer nach wie vor lukrativ ist, ist Audi 2021 ausgestiegen.

Das einzig verbleibende Werksprojekt bei der Rallye Dakar ist für Rast aktuell sportlich uninteressant, weil er keinerlei Erfahrung im Offroad-Bereich hat. Und die Formel-1-Pläne Audis sind kein Thema, da der Einstieg in die Königsklasse erst 2026 geplant ist: Dann ist Rast fast 40 Jahre alt - und er hat kaum Erfahrung im Monopostobereich.

Bliebe also nur ein GT3-Engagement bei Audi Sport Customer Racing - doch dafür ist Rast zu ehrgeizig. "Unser größtes Ziel ist es immer, einem professionellen Rennfahrer die Möglichkeit zur Weiterentwicklung zu bieten", sagt Audi-Einsatzleiter Michl. Das habe man Rast in der Vergangenheit bieten können, jetzt allerdings nicht mehr.

Trennung "aus persönlicher Sicht ziemlich hart"

Laut Michl läuft die Trennung von Rast, der vor einem Wechsel zu McLaren in der Formel E steht, nicht ohne Wehmut ab. "Wir sind zur Entscheidung gekommen, mit Saisonende und ab dem nächsten Jahr unsere professionelle Partnerschaft zu trennen. Das ist aus persönlicher Sicht ziemlich hart, denn wir reden hier nicht nur über einen Fahrer, sondern über einen langjährigen Freund."

Der Respekt für Rast und seine Karriere habe aber am Ende zur Entscheidung geführt, ihn ziehen zu lassen: "Wir würden dir gerne weitere Möglichkeiten geben, dich auf der Rennstrecke weiterzuentwickeln", so Michl. Die Freundschaft würde aber auch in Zukunft weiter bestehen - zudem gäbe es noch "ein paar Ideen" für die laufende Saison.

Rast kämpft mit den Tränen

Rast selbst spricht von einem "emotionalen und schwierigen Tag" - und kämpft dabei mit den Tränen. "Audi Sport hat mich zu dem Fahrer gemacht, der ich heute bin. Ich hatte so viele gute Zeiten hier - und ich möchte mich bei allen für ihre Bemühungen bedanken. Alle sind immer hinter mir gestanden, haben mir geholfen." Selbst in schwierigen Zeiten habe man einander "immer gegenseitig motiviert", sagt er.

Zumindest die Erinnerungen an die erfolgreiche Ära werden laut Rast für immer bleiben: "Ich bin einfach dankbar, dass mir Audi Sport die Möglichkeit gegeben hat, meine Träume als Rennfahrer zu erfüllen. Dreimaliger DTM-Champion zu sein ist etwas besonderes. Und selbst wenn ich alt bin, werde ich auf diese Zeiten zurückblicken."