Sheldon van der Linde musste sich gegen Maro Engel verteidigen - Bildquelle: DTMSheldon van der Linde musste sich gegen Maro Engel verteidigen © DTM

Startplatz zwei und Sieg am Samstag, Poleposition und Sieg am Sonntag: Schubert-BMW-Pilot Sheldon van der Linde hat beim zweiten Rennwochenende der DTM-Saison 2022 auf dem Lausitzring eine nahezu perfekte Leistung abgeliefert und sich damit an die Spitze der Meisterschaftswertung katapultiert. Doch richtig angekommen war das beim Südafrikaner bei der Pressekonferenz nach dem Rennen noch nicht.

"Ich glaube nicht, dass ich schon wirklich realisiert habe, was wir erreicht haben. Ich lebe noch immer in meiner eigenen Traumwelt. Vielleicht fühlt es sich etwas realistischer an, wenn ich morgen aufwache", sagt van der Linde, der in der Laustiz seine DTM-Siege zwei und drei feierte.

"Das Auto fuhr an diesem Wochenenden wie auf Schienen", lobt van der Linde den von der Schubert-Mannschaft vorbereiteten BMW M4 GT3. "Das Team hat unglaubliche Arbeit geleistet. Aber ich muss mich generell beim Team bedanken. Die Boxenstopps waren heute richtig gut. Ich denke, das war der Schlüssel zum Erfolg."

Verfolger rangeln miteinander, van der Linde freut's

Vorentscheidend war jedoch wie schon am Samstag der Start. Van der Linde nutzte erneut die starke Beschleunigung des BMW, um sich durch Turn 1 und auf der Gegengeraden schon einen Vorsprung vor seinen Rivalen herauszufarhen. "Der Start war natürlich sehr gut. Wir wussten, dass wir am Start im Vergleich zu den anderen im Vorteil sein würden", sagt er.

Nach Kurve 2 lag der BMW-Pilot dann schon deutlich vorne - dank der "Mithilfe" seiner Verfolger, namentlich Mercedes-Pilot Maro Engel und Lamborghini-Fahrer Mirko Bortolotti. "Ich weiß nicht genau, was hinter mir passiert ist. Ich habe gesehen, dass ein Lamborghini zum Überholen von drei Autos angesetzt hat. Irgendwann sind sie zu viert nebeneinander gefahren."

Beim Einbiegen in Kurve 2 berührten sich die Autos von Engel und Bortolotti. Engel musste über das Gras ausweichen und kam dann unmittelbar vor Bortolotti und Audi-Pilot Rene Rast auf die Strecke, die beide bbbremsen mussten. So vergrößerte van der Linde seinen Vorsprung deutlich.

Erfolgsballast erhöht Reifenverschleiß

"Das hat mir in den ersten zwei Runden auch einen Puffer verschafft, auf dem ich aufbauen konnte", sagt van der Linde. "Dann habe ich gesehen, dass Maro immer näher kam. Da wusste ich, dass mich jeder kleine Fehler den Sieg kosten konnte. Ich habe es hinbekommen, keine Fehler zu machen. Auch das war ein Schlüssel zum Erfolg."

Doch das kostete van der Linde einige Nerven. Nach seinem Sieg vom Samstag hatte er 25 Kilogramm Erfolgsballast einladen müssen. Der Südafrikaner wusste, dass sich dieses Zusatzgewicht nachteilig auf den Reifenverschleiß auswirken würde. Dementsprechend galt sein Augenmerk den Pneus.

"Das war eine große Sorge, das ganze Rennen lang! Ich habe zu Beginn des zweiten Stint versucht, das zu managen. Mir war klar, dass sich das in die Länge ziehen wird, denn wir sind ziemlich früh an die Box gekommen, um den Undercut der Autos hinter mir zu vermeiden", so van der Linde, der schon in Runde 10 zum Pflichtboxenstopp kam.

Warnanzeige im Cockpit sorgt für Stress

"Mir war also klar, dass ich auf die Reifen achten musste. Gleichzeitig musste ich aber den Abstand zu Maro halten. Das waren irgendwie eine Million Sachen, auf die ich achten musste. Das war wirklich nicht einfach", berichtet van der Linde über die zweite Rennhälfte. "Vor allem in den letzten fünf Runden hatte ich Probleme mit den Hinterreifen, der komplett in die Knie ging.

Eine Warnanzeige im Cockpit des BMW M4 GT3 sorgte dabei noch für zusätzlichen Stress: "Wir haben so ein Reifenabbau-System auf dem Display und ich sah nur noch Lichter. Es sah aus wie ein Weihnachtsbaum. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie ich es dann noch geschafft habe. In der letzten Kurve war es nochmal sehr eng. Ich kann mir vorstellen, dass sich Maro noch zwei Runden mehr gewünscht hätte. Ich hätte mir zwei weniger gewünscht."

Auch Verfolger Engel glaubt, dass er bei einer etwas längeren Renndistanz noch in Schlagdistanz hätte kommen können. "Ich habe versucht, so viel druck wir möglich auf Sheldon auszuüben. In der letzten Runde habe ich es noch einmal versucht. Es war eng Vielleicht noch eine Runde ..."

Letztlich muss der Mercedes-Pilot die Überlegenheit seines BMW-Rivalen aber anerkennen: "Glückwunsch an ihn, er ist ein fantastisches Rennen gefahren - vor allem, wenn man den Ballast bedenkt. Das ist schon sehr beeindruckend. Wir sind aber zufrieden mit Platz zwei. das ist für uns ein großartiges Ergebnis."