Mirko Bortolotti bei seinem einzigen Red-Bull-Test 2009 in Jerez im Toro Ros... - Bildquelle: Motorsport ImagesMirko Bortolotti bei seinem einzigen Red-Bull-Test 2009 in Jerez im Toro Rosso © Motorsport Images

Bevor Lamborghini-Werksfahrer und DTM-Leader Mirko Bortolotti zu einem der besten GT3-Piloten der Welt wurde, durfte der in Wien lebende Italiener sogar von einer Formel-1-Karriere träumen. Denn 2009 holte Helmut Marko den 19-Jährigen in sein Red-Bull-Juniorenprogramm, ehe dieser 2010 in die Ferrari-Driver-Academy wechselte.

Aber wie nah war Bortolotti, der ja nach Felipe Massas Ungarn-Crash 2009 als Ersatz gehandelt wurde, wirklich an einem Formel-1-Cockpit dran? "Am realistischsten wäre es im Nachhinein betrachtet bei Red Bull gewesen, hätte ich dort meinen Weg erfolgreich weitergestaltet", so Bortolotti im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Dann hätte ich wahrscheinlich die Chance auf ein Formel-1-Cockpit erhalten."

Im Red-Bull-Nachwuchsprogramm sei man zumindest zu seiner Zeit "am fairsten mit den Fahrern umgegangen", erinnert sich Bortolotti. "Für den ein oder anderen Fahrer sieht das vielleicht nicht so aus, weil er nicht das bekommen hat, was er sich erwartet hat. Das kann schnell als unfair durchgehen. Aber was mich betrifft, ist es sehr fair gewesen."

Bortolotti: Markos Red-Bull-Programm "am fairsten"

Das führt Bortolotti auch auf Marko zurück, für den nur Leistung zähle. "Du weißt, woran du bist", so Bortolotti. "Mir ist es lieber, jemand sagt mir ins Gesicht, was er von mir denkt. Und gibt klare Richtlinien: 'Das und das muss passieren, dann können wir das und das machen.' Deshalb zähle ich Helmut zu den Leuten, die knallhart sind. Es ist aber auch ein knallhartes Business."

Doch wie wurde Bortolotti überhaupt entdeckt? 2008 erhielt der in Trient geborene Youngster als Belohnung für seinen Titel in der italienischen Formel-3-Meisterschaft einen Ferrari-Formel-1-Test und unterbot in Fiorano völlig überraschend den Rundenrekord.

Damit erregte er auch Markos Interesse, der den talentierten Piloten rasch an Bord holte. Aber wieso entschied sich Bortolotti Ende 2009 nach Platz vier in der Formel 2 freiwillig gegen einen Verbleib bei Red Bull?

Warum Bortolotti 2010 von Red Bull zu Ferrari wechselte

"Ich habe mich dazu entschieden, nicht mit Red Bull weiterzumachen, sondern in die Ferrari-Akademie zu wechseln, weil mir Red Bull 2010 ein weiteres Jahr in der Formel 2 angeboten hätte", geht Bortolotti ins Detail. "Ferrari war damals auf dem Papier die bessere Option, das hat sich aber nicht so herausgestellt."

In der GP3-Serie holte Bortolotti 2010 zwar doppelt so viele Punkte wie seine beiden Addax-Teamkollegen zusammen, kam aber nicht über Platz elf in der Meisterschaft hinaus. Und wurde mit Jahresende von Ferrari fallen gelassen. "Bei Ferrari war die Chance von Beginn an gering", sagt Bortolotti im Nachhinein.

Im Jahr darauf versuchte er ein zweites Mal - diesmal aber auf eigene Faust - sein Glück in der Formel 2 und holte den Titel. Als Belohnung winkte ein Formel-1-Test im Williams nach dem Saisonfinale. "Mir war schon vor dem Abu-Dhabi-Test 2011 klar, dass das aller Voraussicht nach der letzte Formel-1-Test werden wird", so Bortolotti. "Man muss realistisch sein im Leben."

Wie groß war Chance 2009 auf Massa-Cockpit wirklich?

Es habe sich um einen "reinen Preistest für den Titelgewinn" gehandelt - "nicht mehr und nicht weniger". Und so saß Bortolotti zwar in einem aktuellen Formel-1-Boliden und war nur unwesentlich langsamer als der damalige Testfahrer Valtteri Bottas, stand aber ohne Perspektiven da. Und machte nach dem Platzen des Formeltraums im GT3-Sport Karriere.

Aber was war 2009 wirklich dran an den Gerüchten, dass er in der Formel 1 Massa im Ferrari ersetzen soll? "Damals wurde sehr viel spekuliert, dass ich das Cockpit von Felipe übernehmen soll", weiß Bortolotti selbst.

"Das war aber erstens nicht der Fall, weil ich bei Red Bull unter Vertrag war. Zweitens wurde ich nie von Ferrari kontaktiert, ein Formel-1-Rennen zu fahren, obwohl der Test im November 2008 sehr positiv war", spricht er Klartext. Den Zuschlag erhielt damals der glücklose Luca Badoer, der wenig später vom ebenso glücklosen Giancarlo Fisichella als Teamkollege von Kimi Räikkönen ersetzt wurde.