Die DTM ist in Monza in die neue Saison gestartet. - Bildquelle: imago imagesDie DTM ist in Monza in die neue Saison gestartet. © imago images

München - Das Echo im Vorfeld war gespalten. Zweifelnd bis negativ. Skeptisch.

Der Tenor: Die DTM hat sich zwar mal wieder als Überlebenskünstler bewiesen und den Ausstieg ihrer Hersteller weggesteckt, doch zu welchem Preis? Alleinstellungsmerkmale gibt es im Grunde keine mehr, was es aber satt und genug gibt, sind GT3-Serien.

DTM-Chef Gerhard Berger hat deshalb seit Wochen unermüdlich getrommelt für seine "neue" DTM mit dem weit verbreiteten GT3-Reglement, neuen Autos, sechs Marken und alten DTM-Recken, GT-Spezialisten und neuen Gesichtern.

Der Erfolg hängt am Racing

An diesem Wochenende wurde dann endlich Tacheles geredet, und zwar auf der Strecke. Die DTM präsentierte sich in ihrem neuen Gewand und deutete dabei ihr Potenzial an. Denn klar war im Vorfeld auch: Auf dem Hochgeschwindigkeitskurs in Monza wird es möglicherwiese schwierig mit Überholen, so ohne die bisherigen Hilfen Push-to-Pass und DRS. 

Doch GT3, neue Ära, viele Marken oder Alleinstellungsmerkmale hin oder her: Der Erfolg einer Serie steht und fällt mit dem Racing. Mit der Action auf der Strecke, mit der Unterhaltung.

Bedeutet im Fall der DTM seit dieser Saison auch: Viel hängt von der "Balance of Performance" ab, mit der die unterschiedlichen Fahrzeugkonzepte angeglichen werden sollen, um Spannung zu garantieren. Und da war klar, dass es zu Startschwierigkeiten kommen würde. 

Immerhin: Beim Qualifying am Sonntagmorgen fuhren fünf Marken auf die ersten sechs Plätze: Audi, Ferrari, BMW, Lamborghini und Mercedes-AMG. 

Die beiden Rennen boten durchaus intensive Duelle, harte Zweikämpfe, eine Prise wildes Chaos, Abwechslung, schöne Geschichten wie Liam Lawson, der jüngste Rennsieger in der Geschichte der Serie, der AF Corse und Ferrari einen umjubelten Heimsieg bescherte. Oder Kelvin van der Linde, der am Sonntag gewann. Passenderweise an seinem 25. Geburtstag.

Unter dem Strich ist aber auch klar: Es gibt noch Luft nach oben. Denn so unterhaltsam die Kämpfe waren, so deutlich und souverän setzten sich die beiden Rennsieger am Ende durch.

Was freilich fehlte, war das unmittelbare Feedback, der Zuspruch an der Strecke, die Fans. Es wird sich in den kommenden Wochen zeigen, wie die neue DTM bei den Zuschauern ankommt. 

"Serie verdient den Namen"

Der Anfang ist schon mal gemacht. "Das war ein großartiger Start, es war großartiges Racing", sagte van der Linde: "Es gab viele negative Kommentare vor dem Wochenende, wir konnten einige von ihnen verstummen lassen."

Nico Müller, der Vizemeister der vergangenen beiden Jahre, hat sogar den direkten Vergleich zwischen alter und neuer DTM.

"Wir haben gezeigt, dass diese Serie ihren Namen und ihre Werte weiterhin verdient", sagte Müller, der auch Vorteile des neuen Reglements sieht: "Was die DTM noch aufregender macht: Dass du Rennautos mit so unterschiedlichen Stärken und Schwächen hast. Heißt: Je nachdem, welches Auto du vor dir hast auf der Strecke, hast du eine neue Herausforderung. Man muss seinen Fahrstil ändern. Und die Performances werden sich von Wochenende zu Wochenende ändern, man muss seine Möglichkeiten maximieren." 

Womit wir bei der Schwäche der neuen DTM wären, mit der sie aber leben muss. Die Frage ist, wie gut sie das hinbekommt. Denn Diskussionen um eine "BoP" gibt es immer, sie haben Tradition. Mehrfach musste die Balance während des Wochenendes angepasst werden. Nicht ungewöhnlich. 

Ungewöhnlich ist es eher, dass die DTM die Einstufungen nicht kommuniziert, was immer Raum für Interpretationen und Spekulationen lässt. Unnötige Diskussionen sollen so im Keim erstickt werden, fachen sie aber eher zusätzlich an.

Keine Lust auf Politik

Die Piloten halten sich aus der Politik hinter den Kulissen am liebsten raus.

"Als Fahrer bleiben wir bei diesen Diskussionen gerne außen vor. Das betrifft die Leute hinter den Kulissen", sagte van der Linde - lobte dann aber, dass nach dem Samstag Änderungen vorgenommen wurden: "Fünf Hersteller unter den ersten Sechs im Qualifying - Kompliment, dass sie so offen sind. An anderen Plätzen gibt es diesen offenen Ansatz nicht. Das wollen wir erreichen. Einen offenen und ehrlichen Ansatz zwischen Teams, Herstellern und der DTM. Es ist im Interesser aller, eine gute Show zu haben."

"Am Ende sprechen wir von Nuancen, und es hat funktioniert. Dieser von Kelvin erwähnte Ansatz ist der richtige, und ich hoffe, dass es so weitergeht", sagte Müller. 

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