Ralf Schumacher ist mit der Rennleitung in der DTM nicht einverstanden - Bildquelle: Motorsport ImagesRalf Schumacher ist mit der Rennleitung in der DTM nicht einverstanden © Motorsport Images

München - Beim DTM-Wochenende in Spa-Francorchamps (die DTM live und exklusiv auf ProSieben und ran.de) hat Ralf Schumacher heftige Kritik geäußert und einen Appell an DTM-Boss Gerhard Berger gerichtet. "Das Regel-Wirrwarr ist nicht nachvollziehbar - und die Strafen auch nicht", so Schumacher bei ran. Er forderte, dass sich die Verantwortlichen "endlich mal offen zeigen und hinsetzen - und nicht beratungsresistent sind."

Denn "wie schön auch immer die DTM ist, kann es sie in Gefahr bringen", warnte er. "Und das wäre natürlich schade, denn die Teams investieren hier viel Zeit und Geld."

Konkret stößt dem Ex-Formel-1-Pilot sauer auf, dass sein Sohn David Schumacher nach Tracklimits-Verstößen um ganze zwölf Startplätze zurückversetzt wurde, obwohl dieser keinen Vorteil dadurch gehabt habe. Zudem wirft er der DTM vor, dass das Strafmaß nach einem Regelverstoß vieler Teams von einem Tag auf den anderen geändert worden sei.

Berger: "Glaube, dass das bei Ralf aus der Emotion kommt"

Was Berger dazu sagt? "Wir hatten zwar zwei, drei Themen, die wir uns anschauen müssen, aber ich glaube, dass das bei Ralf eher aus der Emotion kommt, die er an so einem Wochenende mitträgt", meint der Österreicher im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Ich sehe das gelassen."

Der Österreicher, dessen fünfjähriger Sohn ebenfalls bereits Kart fährt, kann sich in Ralf Schumacher hineinversetzen, zumal David Schumacher bislang punktelos blieb: "Ralf ist ein emotionaler Vater in der Startaufstellung. Für ihn ist das Thema extrem schwierig. Ich kenne das. Wenn man seinen eigenen Sohn dabei hat und es läuft nicht immer alles ganz rund, dann sucht man Themen."

Ralf Schumacher sage aber "auch oft Dinge, die richtig sind", so Berger. Daher sei die Kritik "in Ordnung". Ganz seiner Meinung sei er dennoch nicht. "Von einem Regel-Wirrwarr würde ich nicht sprechen", sagt der Österreicher. "Dass das mit Reglements mit so vielen Paragraphen und Wörtern, die man hin und herdrehen kann, immer schwierig ist, wissen wir aus anderen Serien. Im Vergleich dazu läuft das bei uns relativ gut."

So lautet Ralf Schumachers Kritik

Wie Ralf Schumachers Kritik im Detail lautet? "Von so einer Strafe habe ich noch nie gehört", spielte er am Sonntag auf die Strafe gegen David Schumacher vom Samstag an, der - wie in der DTM üblich - nach dreimaligem Verstoß gegen die Tracklimits eine Verwarnung erhielt und beim vierten Vergehen eine Rückversetzung in der Startaufstellung um drei Plätze beim folgenden Rennen hinnehmen musste.

Da Schumacher als einziger Fahrer ein fünftes, sechstes und siebtes Mal gegen die Tracklimits verstieß, wurden drei weitere Male drei Startplätze addiert, wodurch er insgesamt auf zwölf Startplätze kam. Da er im Qualifying dann auf dem 25. von 27 Plätzen landete, wurde die Strafe zunächst in eine Stop-and-Go-Strafe umgewandelt, ehe diese "aus Sicherheitsgründen" - Grundlage dürfte die enge Boxengasse in Spa gewesen sein - zu einer Drive-Through-Strafe wurde.

Ralf Schumacher findet, dass man bei Tracklimits-Verstößen das System aus der Formel 1 übernehmen sollte. "Dreimal - und beim vierten Mal gibt es plus fünf Sekunden. Das wird am Ende draufgerechnet - dann hat man wieder dreimal, dann gibt es wieder plus fünf", nennt er den Modus. "Das finde ich eindeutig. Könnte man kopieren, funktioniert in der Formel 1. Soll ja nicht so schlecht ein, der Laden, kleiner Tipp!"

Abgesehen davon sei sein Sohn zu Unrecht so hart bestraft worden. "Grundsätzlich hat er den Fehler gemacht und ist über die Tracklimits drüber", meint Ralf Schumacher. Man müsse aber den Einzelfall betrachten: "War das ein Übersteuern, weil es nass war? Ist es ein Vorteil gewesen? Bei diesen Situationen war es nie ein Vorteil, weil er tatsächlich Übersteuern in der Eau Rouge hatte."

Ralf Schumachers Vorwurf: Über Nacht Strafmaß geändert?

Noch "viel schlimmer" finde er den Fall um die Boxenstopp-Plätze, die einige Teams am verregneten Samstag mit einem Laubgebläse trockneten, was laut Reglement verboten ist. Stattdessen darf man das nur mit einem Besen oder einem handelsüblichen Gummischieber tun.

Am Sonntag wurde eine Verwarnung für die 15 Fahrer und eine Geldstrafe in Höhe von je 1.000 Euro für die sieben Teams verhängt. Laut Schumacher habe es aber zunächst geheißen, dass jeder Pilot eine Rückversetzung um drei Plätze erhalte. Danach habe es "eine Beschwerde" geben, wodurch das Strafmaß geändert worden sei. Zum Nachteil von David Schumachers Winward-Team, das nicht gegen die Regel verstoßen hatte.

"Da muss ich ganz ehrlich sagen: Das verstehe ich überhaupt nicht, weil es ein Vorteil ist, wenn man auf der trockenen Position stoppen kann", so Schumacher, der bei DTM-Boss Berger Handlungsbedarf sieht. "Gerhard redet sich da immer ein bisschen raus und sagt, er habe mit den Regeln nichts zu tun", so der Ex-DTM-Fahrer. "Da macht er es sich ein bisschen leicht. Das könnte man ändern."

Renndirektor Scot Elkins: "Fahrer nicht selbst involviert"

Warum man sich entschieden hat, die Fahrer in der Startaufstellung am Sonntag nicht zurückzuversetzen? Das hat laut Renndirektor Scot Elkins damit zu tun, dass es sich um kein aktives Vergehen der Fahrer gehandelt habe.

"Die zwischenzeitliche Diskussion drehte sich darum, was eine faire Strafe für den Fahrer wäre, der nicht selbst in die Trocknungsaktion in der Boxenstopp-Station involviert war", erklärt der US-Amerikaner, der bei der Bemessung des Strafmaßes keinen offenen Strafenkatalog nutzt, um strategisches Handeln zu unterbinden.

Zunächst sei man laut Elkins der Meinung gewesen, "dass eine Gridstrafe angemessen wäre, doch nach weiterer Diskussion entschied man sich für eine Verwarnung."

Die übrigens nicht ohne Konsequenzen für die Fahrer ist: Denn bei drei Verwarnungen wird der Fahrer beim nächsten Rennen in der Startaufstellung um fünf Plätze zurückversetzt, wie das bei SSR-Porsche-Pilot Laurens Vanthoor am Sonntag in Spa als Folge der Boxenstopp-Platz-Trocknung bereits der Fall war.

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