Die deutschen Fans dürfen sich über eine Abkehr von der Internationalisierun... - Bildquelle: DTMDie deutschen Fans dürfen sich über eine Abkehr von der Internationalisierung freuen © DTM

München - Der DTM-Kalender für die Saison 2023 steht kurz vor der Finalisierung. DTM-Boss Gerhard Berger hofft darauf, schon am kommenden DTM-Wochenende in Spielberg die Katze aus dem Sack lassen zu können, auf welchen Rennstrecken die Traditionsserie in der dritten GT3-Saison gastiert.

"Ich gehe von acht Events aus", sagt Berger im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com', der den Fans eine Rückkehr zu den Wurzeln verspricht. "Der Kalender wird sich sehr auf Deutschland und den Deutschland-nahen Raum konzentrieren."

Das liegt daran, dass die DTM abgesehen von Sponsoren nur über volle Ränge Geld verdient. "Uns ist wahnsinnig wichtig, die Community in Deutschland in den nächsten Jahren wieder richtig zu stärken", gibt Berger die Richtung vor.

DTM-Comeback in Oschersleben oder zweimal Hockenheim?

Doch was bedeutet das konkret? Je eine Veranstaltung auf dem Hockenheimring, der sich vertraglich das Saisonfinale gesichert hat, auf dem Norisring, auf dem Lausitzring und auf dem Nürburgring stehen fest. Apropos: Trotz Bemühungen ist es erneut nicht gelungen, mit den Nürburgring-Betreibern eine finanziell machbare Lösung zu finden, um auf der legendären Nordschleife zu fahren.

Es soll allerdings noch eine fünfte Veranstaltung in Deutschland geben: Die DTM-Dachorganisation ITR hat diesbezüglich mit Oschersleben, wo die DTM 2015 zum bislang letzten Mal gastierte, über eine Rückkehr verhandelt.

Die Alternative wäre, dass man Hockenheim abgesehen vom Finale auch den Saisonauftakt austrägt. "Das ist ein Thema", bestätigt DTM-Boss Berger die Variante, zwei Events in Baden-Württemberg auszutragen, wie es bis 2019 ohnehin üblich war. Die Tendenz dürfte eher in diese Richtung gehen als zu einer Rückkehr nach Oschersleben, obwohl man mit Schubert sogar ein dort ansässiges Team hat.

Salzburgring: Boxengebäude erfüllt DTM-Anforderungen!

Zum Deutschland-nahen Ausland: Da ist der Red-Bull-Ring in Österreich ein Fixstarter. Aber auch der Salzburgring, auf dem die DTM zuletzt 1988 gastierte und der durch die München-Nähe ein günstiges Einzugsgebiet hat, soll 2023 in den DTM-Kalender zurückkehren.

Denn laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' ist die ITR zum Schluss gekommen, dass das Boxengebäude die Anforderungen erfüllt, um für die Stopps des großen GT3-Feldes ausreichend Platz zu bieten. Das war zuletzt das größte Hindernis. Beim Salzburgring peilt man übrigens einen Termin in der ersten Saisonhälfte im Mai an, während Spielberg in der zweiten Saisonhälfte bleiben soll.

Wenn neben den fünf Deutschland-Wochenenden auch die zwei Events in Österreich wie erwartet den Weg in den Kalender finden, dann bleibt bei acht Events nur noch ein Platz frei für eine Rennstrecke im nicht-deutschsprachigen Ausland. "Momentan gibt es zwei, drei Versionen", so Berger Ende vergangener Woche. "Was wir am Ende rausstreichen, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden."

Berger zu Italien: "Kann sein, dass sich das nochmal dreht"

An Kandidaten mangelt es nicht: Italien würde wegen der Hersteller Ferrari und Lamborghini Sinn ergeben, Strecken wie Spa und Zolder in Belgien oder Zandvoort und Assen in den Niederlanden liegen unweit der deutschen Grenze, wodurch es Potenzial gibt, Zuschauer anzulocken.

Italien galt bereits als aus dem Kalenderentwurf für 2023 gestrichen, doch Berger macht eine überraschende Ansage: "Es kann sein, dass sich das bei Italien noch einmal dreht." Und das, obwohl es auch 2022 in Imola nicht gelungen ist, Zuschauer zur DTM zu locken. Und auch die italienischen Hersteller keine besonderen Aktivitäten gesetzt haben, um das zu ändern.

"Ich war gestern bei Ferrari - und die haben mir auch erzählt, wie schwierig es in Italien ist, die Fans an die Rennstrecke zu kriegen. Darum müssen wir uns in Italien wirklich wahnsinnig bemühen, während die Leute in Deutschland wie zuletzt am Nürburgring mit Freude auf uns zugehen", erklärt Berger die Problematik, unter der in Italien abgesehen von der Formel 1 aktuell alle Rennserien leiden.

"Meine persönliche Präferenz ist Monza"

Als Kandidaten würden 2023 Monza, Imola, Misano, Mugello und Vallelunga infrage kommen. "Meine persönliche Präferenz ist Monza", sagt Berger. "Weil dort das Windschatten-Fahren gute Rennen liefern kann. Aber auch Imola ist super - und andere Strecken. Entscheidend ist aber, dass wir für die Fans eine gute Stimmung hinkriegen."

Zudem dürften der Promoter nach dem Vorjahr, als viele Rennserien wegen der hohen Kosten einen Bogen um Monza machten, das Angebot verbessert haben. Dass Italien nun doch wieder gute Chancen hat, könnte auch damit zusammenhängen, dass die Situation in anderen Ländern schwierig ist: Zwischen Assen-Promoter Lee van Dam und der ITR gab es 2021 trotz der besten Zuschauerzahlen des gesamten Jahres Differenzen über den Vertrag, weshalb man die Zusammenarbeit aussetzte.

Lärmtage als Zandvoort-Hürde

Zandvoort wäre ein willkommener Ersatz, zumal man auch in den Hersteller-Zeiten gute Zuschauerzahlen erreichte. Doch der Dünenkurs hat ein Lärmproblem - und nur an zwölf Tagen dürfen die Grenzwerte überschritten werden: Je drei Tage sind für die Formel 1 und den historischen Grand Prix gebucht, zudem hat auch die GT-World-Challenge-Europe-Sprintserie Zandvoort 2023 im Kalender.

Und dann wäre da noch das ADAC GT Masters, das dieses Jahr ebenfalls in Zandvoort gastierte und möglicherweise mit dem Rennen plant. Gut möglich also, dass man der DTM 2023 keinen Platz im Kalender anbieten kann.

Wie es mit Spa-Francorchamps aussieht? Der legendäre Kurs ist ein erklärter Favorit der Fahrer, aber das Zuschauerinteresse hielt sich am vergangenen Wochenende in Grenzen. Das hat auch damit zu tun, dass man nach dem Tod der langjährigen Spa-Geschäftsführerin Nathalie Maillet Nachfolger Amaury Bertholome fast ausschließlich auf die Formel 1 setzt - und die Bewerbung anderer Events eher vernachlässigt.

Theoretisch könnte man auch noch nach Zolder zurückkehren, wo man zuletzt 2021 fuhr, aber auch diesbezüglich scheint sich die Begeisterung eher in Grenzen zu halten. Die Strecke ist veraltet, Überholmanöver sind vor allem mit den GT3-Autos sehr schwierig - und auch die Zuschauerzahlen waren nicht mit Assen vergleichbar. All das könnte am Ende noch den Ausschlag für Italien geben.

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