Ein DTM-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife? Berger kämpft weiter - Bildquelle: PorscheEin DTM-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife? Berger kämpft weiter © Porsche

Die DTM arbeitet dieser Tage eifrig am Kalender für die kommende Saison. Ein Thema, das neben einem Salzburgring-Rennen weiterhin am Tisch liegt, ist eine Rückkehr auf die legendäre Nürburgring-Nordschleife. Denn durch die GT3-Boliden ist der Traum jetzt theoretisch umsetzbar.

"Wir würden es gerne machen, aber ich brauche die Unterstützung der Nürburgring GmbH", meinte DTM-Boss Gerhard Berger Ende April im Rahmen des Saisonauftakts in Portugal. "Das muss man jetzt noch einmal angehen."

Und laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' handelt es sich bei Bergers Aussagen keineswegs um einen PR-Gag: Bei der DTM-Dachorganisation ITR in München macht man sich tatsächlich ernsthafte Gedanken, bereits 2023 die 20,832 Kilometer lange Kultstrecke, auf der die DTM zuletzt 1993 fuhr, wieder zu befahren.

Sogar gemeinsamer Event für Berger "kein Problem"

Vorstellbar seien dabei Rennen im Rahmen eines anderen Events wie dem 24-Stunden-Rennen oder auch eine komplett eigene Veranstaltung. Mit der Idee, die Strecke zu teilen, hätte Berger laut eigenen Angaben "in einem vernünftigen Rahmen kein Problem". Die Hürde seien diesbezüglich meistens die Sponsoren und die Bandenwerbung.

"Aber manchmal, wenn man sich hinsetzt und das sauber aussortiert, bleiben dann gar nicht so viele Probleme übrig. Ich würde nur wahnsinnig gerne mit der DTM am Nürburgring über die große Schleife fahren", betonte Berger sein Vorhaben.

Ein Gedanke, dem auch zahlreiche Piloten einiges abgewinnen können. Zum Beispiel DTM-Leader und Grasser-Lamborghini-Pilot Mirko Bortolotti, der neben seinem Wunsch, 2023 in Zandvoort zu fahren, auch von der Kultrennstrecke in der Eifel träumt.

Bortolotti träumt von DTM auf der Nordschleife

"Wenn man nur über das reine Rennfahren nachdenkt, dann wäre die Nordschleife mein größter Favorit", sagt er im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Aber das ist wahrscheinlich unmöglich oder wird schwierig."

MIt der Tatsache, dass ein DTM-Rennen durch das Sprintformat nicht viel länger als sechs Runden dauern würde, könnte Bortolotti, der 2020 im Audi und 2021 im Lamborghini beim 24-Stunden-Rennen startete, leben: "Es wäre wahrscheinlich trotzdem cool."

Er weiß aber, dass die Strecke in Hinblick auf Zweikämpfe kein einfaches Pflaster wäre: "Es würde auf der Nordschleife wahrscheinlich wenige Überholmanöver geben - bis zur Döttinger Höhe. Dort passiert dann viel."

Stuck denkt an Sicherheit: "Man sollte Test machen"

Aber was sagt die 71-jährige Rennsport-Legende Hans-Joachim Stuck zu einem DTM-Rennen auf der Berg-und-Talbahn? "Also ich bin bestimmt einer, der vor nichts Angst hat", meint er in einem Videointerview, das auf dem YouTube-Kanal von Motorsport-Total.com erschienen ist.

"Aber man muss auf der Nordschleife aufpassen, was man da heute fährt. Sie ist nicht nur 'tricky' zu fahren, sie hat auch viele Bodenwellen und Sprunghügel. Und die heutigen Autos sind zum Springen nicht mehr geeignet, das muss man deutlich sagen."

Er unterstütze Bergers Vorhaben grundsätzlich, aber "man sollte einfach mal einen Test machen", sagt Stuck, der sich gleich selbst anbietet. "Für das Probieren wäre ich dabei. Also auch fahren - würde ich machen, kein Problem", grinst er.

DTM hätte auf der Nordschleife kein Lizenzproblem

Die Problematik sollte sich aber eigentlich in Grenzen halten, denn die Nürburgring-Nordschleife verfügt über eine 3T-Lizenz, die Anfang des Jahres erneuert wurde und Rennen mit GT3-Boliden erlaubt, wie sie in der DTM, aber auch beim 24-Stunden-Rennen genutzt werden. Zum Vergleich: Für ein Rennen mit den Class-1-Autos hätte man eine Grade-2-Lizenz der FIA benötigt.

Zudem hat DTM-Reifenpartner Michelin durch die Einsätze beim 24-Stunden-Rennen und in der Nürburgring-Langstrecken-Serie NLS (vormals VLN) viel Erfahrung mit der längsten permanenten Rennstrecke der Welt, auch wenn dabei Spezialmischungen zum Einsatz kommen. Diesbezüglich würde man aber sicher auch einen Weg finden.

Logistischer Aufwand als riesige Hürde

Die größte Hürde sind aber die Kosten und der logistische Aufwand, wofür die DTM-Dachorganisation ITR aufkommen müsste. Denn anders als in der NLS, in der die Übertragung vor allem über Onboard-Kameras geschieht, hat die DTM einen höheren Anspruch, was die TV-Produktion angeht.

Die gesamte Strecke für nur wenige Runden komplett mit Kameras abzudecken und auch das Sicherheitspersonal und die Sportwarte zu stellen, wäre eine enorme finanzielle Herausforderung.

Will man über den Ticketverkauf Geld verdienen, dann müsste man auch die gesamte Rennstrecke abriegeln und Kontrollen installieren. Daraus ergibt sich, dass eine Umsetzung am ehesten Sinn ergeben würde, wenn man diese im Rahmen einer anderen Veranstaltung durchführt.

So wie in den 1990er-Jahren das 24-Stunden-Rennen zu nutzen, wäre aber gar nicht so einfach, da zahlreiche DTM-Piloten beim kräfteraubenden Klassiker ohnehin an den Start gehen. Man darf also gespannt sein, ob Berger eine Lösung findet - und den Schritt wagt.