Imola - Die erwartete Hitze hatte die DTM bei der Imola-Premiere schon am ersten Trainingstag fest im Griff: Die Lufttemperatur betrug am Freitag bereits 34 Grad, der Asphalt wurde sogar auf fast 50 Grad aufgeheizt. Und die schnellste Rundenzeit im durch das T3-Aus und Timo Glocks Gaststart 28 Boliden umfassenden Feld gelang Rosberg-Audi-Pilot Nico Müller im zweiten Training.

Der Schweizer fuhr 1:40.909 und war um 0,110 Sekunden schneller als Kelvin van der Linde. "Das fühlt sich ziemlich gut an", sagt Müller nach der Bestzeit. "Hoffentlich können wir morgen daran anknüpfen und um die Podiumsplätze kämpfen - das muss das Ziel sein. Aber wir müssen auf der Hut sein, denn vielleicht kann der eine oder andere noch ein bisschen schneller werden."

Müllers Abt-Markenkollege van der Linde deutete mit Platz zwei an, dass er seine bisherigen Probleme beim Test in Hockenheim vergangene Woche tatsächlich in den Griff bekommen hat .

Imola-Kurs passt zum kurzen Audi-Mittelmotor-Boliden

Der südafrikanische Imola-Spezialist hatte im ersten Training in 1:41.351 sogar die Bestzeit geholt. "Sehr schön, endlich mal wieder vorne mitzufahren", zeigt sich van der Linde guter Dinge. "Wir haben nach dem Lausitzring glaube ich den Grund gefunden und sind auf einem guten Weg."

Dass der Audi R8 LMS GT3 Evo II im Autodromo Enzo e Dino Ferrari gut funktioniert, zeigt auch Rene Rast, der sich im ersten Training drehte, mit seinem vierten Platz und 0,184 Sekunden Rückstand.

Und das ist keine Überraschung, denn der Mittelmotor-Bolide mit dem kurzen Radstand harmoniert mit dem Streckenlayout, das von schnellen Richtungsänderungen und harten Bremspunkten gezeichnet ist, die dem Audi liegen.

Gewichts-Nachteil für AMG im Rennen?

Wie sich die Piloten der anderen Hersteller schlugen? Schubert-Fahrer Philipp Eng war mit 0,177 Sekunden Rückstand als Dritter bester BMW-Pilot, während DTM-Leader und Teamkollege Sheldon van der Linde Sechster wurde. Landsmann und Bernhard-Pilot Thomas Preining setzte mit 0,329 auf Platz fünf die Porsche-Bestzeit und Mirko Bortolotti kam beim Heimspiel als bester Lamborghini Pilot mit 0,375 Sekunden Rückstand auf Platz sieben.

Schwächster Hersteller im Klassement war zumindest am Freitag Mercedes-AMG: Bester Pilot der Marke mit dem Stern war Titelverteidiger Maximilian Götz mit 0,514 Sekunden, was ihn im Tages-Klassement auf den zwölften Platz brachte.

Im AMG-Lager befürchtet man außerdem, dass man bei der enormen Hitze durch die aktuelle Balance-of-Performance-Einstufung als schwerstes Auto - der Mercedes-AMG GT3 bringt um 75 Kilogramm mehr auf die Waage als der Porsche 911 GT3 R - im Rennen unter Graining leiden könnte.

Gaststarter Glock trotz Luftdruck-Fehler stark

Waren die Rundenzeiten am Freitag schon am Limit? Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' hat BoP-Dienstleister AVL Racetech eine Qualifying-Bestzeit von 1:40.5 simuliert. Die Freitag-Zeiten waren also nur um vier Zehntel langsamer, was beachtlich ist. Zumal Kelvin van der Linde sogar auf 1:40.796 gekommen wäre, hätte er die besten Sektoren in einer Runde absolviert. Ebenfalls beeindruckend war, dass im Gesamtergebnis die Top 22 innerhalb von nur einer Sekunde lagen.

Wie es Ceccato-BMW-Gaststarter Timo Glock bei seinem Comeback erging? Der Odenwälder kam im Tages-Klassement mit einer persönlichen Bestzeit von 1:41.491 und 0,582 Sekunden Rückstand auf Platz 14. Das ist beachtlich, da Roberto Ravaglias Team kaum Erfahrung mit den Michelin-Reifen hat und auch nur einen halben Tag in Misano testen konnte.

Da darf es auch nicht verwundern, dass nicht von Anfang an alles perfekt klappte. "Im ersten Training waren sie beim Luftdruck komplett daneben, und er war unzufrieden", erzählt Glocks Kumpel und Ex-Champion Timo Scheider bei 'ran.de', dass man zunächst auf einen zu niedrigen Luftdruck gesetzt hatte und der walkende Reifen nie auf Temperatur kam.

Pneus am Limit, Schmid fliegt von der Strecke

Das hat mit der enormen Hitze zu tun, wodurch sich die Teams zu unkonventionellen Strategien gezwungen sahen. "Es ist nicht einfach, da draußen bei dieser Hitze eine Runde zusammenzubringen, die Reifen sind ziemlich am Limit", meint sogar Bestzeit-Halter Müller.

Sein Rosberg-Audi-Teamkollege Dev Gore verzeichnete im ersten Training auf einem alten Michelin-Satz einen Reifenschaden, was auch Grasser-Lamborghini-Pilot Clemens Schmid wiederfuhr. Der Österreicher drehte sich 18 Minuten vor Schluss beim Anbremsen der Tamburello-Schikane mehrmals um die eigene Achse.

Schmid konnte den Huracan GT3 Evo mit Reifenschaden rechts hinten an die Box zurückbringen - und fuhr im zweiten Training keine einzige Runde. Aber auch bei seinem Teamkollegen Bortolotti gab es ein Problem.

Zahlreiche Dreher und Ausritte

Beim Lokalmatador gab es rechts hinten einen Druckverlust bei einem neuen Reifensatz, weshalb Bortolotti als Vorsichtsmaßnahme langsam zurück an die Box fuhr. Man wollte keinen weiteren Reifenschaden riskieren.

Abgesehen davon gab es einige Ausritte: Neben Rast rutschte auch Walkenhorst-BMW-Pilot Marco Wittmann ausgangs der Tamburello-Schikane ins Kiesbett, konnte aber einen Berührung mit der Mauer verhindern. Teamkollege Esteban Muth und AF-Corse-Ferrari-Pilot Felipe Fraga, der nach dem Feuer-Zwischenfall in einem neu aufgebauten 488 GT3 Evo saß, waren ebenfalls kurz neben der Strecke.

Und Winward-Mercedes-Pilot Lucas Auer musste am Nachmittag dem langsam fahrenden Grasser-Lamborghini-Pilot Alessio Deledda ausweichen - und nutze dafür ebenfalls die Auslaufzone.

Nach dem zwei 45-minütigen Trainings nutzen nun viele Piloten die im Fahrerlager aufgestellten Schwimmbecken, die die Teams wegen der enormen Hitze kurzfristig im Supermarkt gekauft hatten, damit sich die Piloten abkühlen können.

Am Samstag wird es um 10:05 Uhr beim ersten Qualifying erstmals in Imola richtig ernst - denn das Überholen ist auf dem Traditionskurs in der Emilia Romagna bekanntlich schwierig.

DTM live in Imola: So geht es weiter

Am Samstag und Sonntag stehen jeweils um 9:45 Uhr die Qualifyings an (live auf ran.de), um 13:00 Uhr gibt es jeweils das Rennen live auf ProSieben und ran.de.

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