Rene Rast und Mirko Bortolotti fuhren lange im Paarflug um die Strecke - Bildquelle: DTMRene Rast und Mirko Bortolotti fuhren lange im Paarflug um die Strecke © DTM

Die beiden Meisterschafts-Anwärter Rene Rast (Abt-Audi) und Mirko Bortolotti (Grasser-Lamborghini) lieferten sich beim Samstagsrennen der DTM auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg ein Duell, dass eher an ein Schachspiel als an einen echten Kampf erinnerte.

Nach einem jeweils guten Start fanden sich beide in der ersten Runde rasch auf den Positionen zwei (Rast) und drei (Bortolotti) wieder. Und daran sollte sich bis zur Zieldurchfahrt nichts ändern. Vor allem im ersten Stint, den beide Fahrer bis weit ans Ende des Boxenstopp-Fensters ausdehnten, fuhren sie lange im Paarflug um den Kurs, ohen dass es wirklich eng wurde.

"War spannend", findet Rast. "Ich habe immer viel in den Rückspiegel geguckt, was er macht. Speziell im Mittelsektor war er immer sehr dicht hinter mir, hat aber nie wirklich versucht, mich zu attackieren. Von daher war das alles relativ, nicht entspannt, aber er war nie in der Position um daneben zu fahren. Ich durfte aber auch keinen Fehler machen, sonst wäre er durchgerutscht."

Bortolotti hoffte auf Einbruch von Nick Cassidy

Die zurückhaltenden Fahrweise von Bortolotti hatte zwei Gründe. Zum einen kam er nie wirklich in eine Position, aus der er hätte Rast erfolgversprechend angreifen können. "Und zweitens hatte ich das Ziel im Hinterkopf, das Rennen zu gewinnen", sagt er. "Und wenn ich im ersten Stint wie verrückt mit Rene gekämpft hätte, wäre Nick [Cassidy] noch weiter weggezogen. Es wäre also noch schwieriger geworden."

Bortolotti wusste, dass Polesetter Cassidy nach seinem Sieg in Spa 25 Kilogramm Erfolgsbalast im Auto hatte. Zudem hatten die Ferraris im Zuge einer kurzfristigen Anpassung der Balance of Perfromance nach dem Qualifying noch einmal 15 Kilogramm zusätzlich einladen müssen.

"Also habe ich irgendwie gehofft, dass er mehr abbaut, damit wir die Lücke schließen können, aber das ist nicht passiert", sagt Bortolotti. Doch auch nachdem sich herauskristallisierte, dass gegen AF-Corse-Mann Cassidy heute kein Kraut gewachsen war, sah Bortolotti von einem Angriff auf Rast ab. "Ich wusste, dass die Entscheidung nicht vor dem Boxenstopp fallen würde. In dieser Situation war es also sinnlos, wie verrückt mit Rene zu kämpfen."

Beim Boxenstopp klemmt das linke Vorderrad

Vielmehr wollte der Austro-Italiener die Strategiekarte ausspielen. "Ich glaube, dass wir eine Chance bekommen hätten, weil ich wahrscheinlich der einzige im Feld war, der neue Reifen hatte. Ich bin im Qualifying nur einen Schuss gefahren und hatte einen nagelneuen Satz. Das wäre ein riesen Vorteil gewesen."

Zudem spielte Bortolotti ein Overcut gegen Rast in die Karten. Der dreimalige DTM-Champion kam in Runde 26 an die Box, Bortolotti eine Runde später. "Die Extrarunde ist schneller als die Outlap, weil die Temperatur vom Reifen da ist am Ende vom Stint. Wenn du aus der Box rausfährst, hast du kalte Reifen mit niedrigen Drücken. Das funktioniert die ersten drei, vier Kurven nicht."

Soweit Bortolottis Plan. Damit er hätte aufgehen können, hätte es eines perfekten Boxenstopps bedurft, "den wir leider nicht hatten." Den Grasser-Mechanikern gelang es erst mit einiger Verzögerung, das linke Vorderrad an Bortolottis Lamborghini zu befestigen. Dadurch verlor er die entscheidenden Sekunden und fuhr trotz der schnellsten Rennrunde die Lücke zu Rast nicht mehr zu. "Wenn wir den gleichen Boxenstopp haben wie der Rene, komme ich vor ihm raus", ist Bortolotti überzeugt.

Rast holt in der Meisterschaft mächtig auf

So war Rast als Zweiter am Samstag der große Gewinner und verkürzte den Rückstand auf den Meisterschaftsführenden Sheldon van der Linde (Schubert-BMW) auf nur noch 13 Punkte. "Es war ein guter Tag, ein wichtiger Schritt in der Meisterschaft. 21 Punkte aufgeholt, genau das, was wir gebraucht haben", sagt Rast. "Für morgen hoffen wir, dass wir nochmal ein paar Punkte mitnehmen und den Abstand auf Sheldon noch einmal verkleinern können."

Erwartet hatte Rast eine solch starke Vorstellung auf einer vermeintlichen Angststrecke von Audi noch am Samstagmorgen nicht. "Überraschend nach gestern, ich glaube Zwölfter und 13. war ich da. Da habe ich heute morgen nicht damit gerechnet, dass wir auf Pole fahren. Riccardo [Feller], Kel [Kelvin van der Linde] und ich haben noch Wetten abgeschlossen, wo wir ankommen. Ich habe gesagt Platz 15, weil ich nie damit gerechnet hätte, dass wir so konkurrenzfähig sind."