Auch der Winward-Mercedes von Lucas Auer war in Barcelona im Einsatz - Bildquelle: WWR Winward RacingAuch der Winward-Mercedes von Lucas Auer war in Barcelona im Einsatz © WWR Winward Racing

Im Zuge der Mercedes-AMG-Trackdays und der Saisonabschlussfeier am Samstagabend fanden vergangene Woche auch die traditionellen Young-Driver-Tests der AMG-Teams in Barcelona statt. Die Fahrer-Line-ups wurden nicht offiziell verkündet, doch laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' waren am Donnerstag und am Freitag einige Piloten unterwegs, die man eigentlich mit anderen Marken in Verbindung bringt.

Darunter DTM-Entdeckung Leon Köhler, der bei den letzten zwei Saison-Wochenenden im Walkenhorst-BMW Esteban Muth ersetzte und mit starken Leistungen auf sich aufmerksam machte, und Attempto-Audi-Pilot Marius Zug, der beim Finale starker Vierter wurde.

Während der erst 19-jährige Zug im DTM-Boliden von Winward saß und auch mit Michelin-Reifen fuhr, kam der 23-jährige Köhler, der laut eigenen Angaben um einen DTM-Stammplatz kämpft, überraschenderweise im Mercedes-AMG GT3 des ADAC-GT-Masters-Teams ZVO zum Einsatz - und war daher mit Pirelli-Pneus unterwegs.

Owega-Brüder testen für DTM-Team Winward

Dass Zug nach dem Audi-Jahr nun im Mercedes saß, sollte man aber nicht überbewerten. Denn er ist nach wie vor auch ein Kandidat beim Attempto-Team, das 2023 in der DTM gerne mindestens zwei Autos einsetzen möchte.

Zug und Köhler waren nicht die einzigen Teilnehmer: Für das Winward-Team, bei dem Stammfahrer und Vizemeister Lucas Auer als Referenzfahrer fungierte, traten neben Zug auch die aus dem Land-Audi im ADAC GT Masters bekannten Brüder Jusuf und Salman Owega an.

Dass diese auch im DTM-Auto saßen, habe aber laut Mercedes-AMG-DTM-Leiter Thomas Jäger nicht viel zu bedeuten. "Man muss schauen, was sich ergibt", sagt er im auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com'. "Das heißt nicht zwingend, dass sie das machen müssen. Vielleicht fahren sie auch in einer anderen Serie. Aber grundsätzlich besteht die Chance - das ist schon klar."

Alain Valente und Jordan Love bei HRT im Einsatz

Bestes Beispiel ist David Schumacher: Im Vorjahr gelang es dem Sohn von Ralf Schumacher, nach dem Young-Driver-Test für HRT in Le Castellet bei Winward einen Platz für die DTM-Saison 2022 zu ergattern.

Dieses Jahr waren beim Team von Hubert Haupt der 25-jährige Schweizer Alain Valente und der 23-jährige Australier Jordan Love im Einsatz. Beide traten für die am Nürburgring ansässige Truppe, die aus Black Falcon hervorging, dieses Jahr bereits in der GT-World-Challenge Europe an, testeten aber diesmal mit Michelin-Reifen. Als DTM-Referenzfahrer war bei HRT der bisherige GruppeM-Pilot Maro Engel zuständig.

Carrie Schreiner war wie im Vorjahr im Zuge der GT3- und GT4-Kundensport-Tests am Donnerstag und am Freitag ebenfalls für HRT unterwegs, allerdings zählte ihr Programm nicht zum Young-Driver-Test. Neben den zwei DTM-Teams Winward und HRT sowie ZVO nutzten auch GetSpeed, AKKA ASP und Landgraf die Gelegenheit, auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya zu testen.

Gute Bedingungen trotz Regenschauer

Nachdem die ersten Tage für Kunden-Tests mit dem neuen Mercedes-AMG-Hypercar Project One und für die Auslieferung der ersten elf Boliden des neuen Mercedes-AMG Track-Series inklusive Testfahrten genutzt wurden, waren danach eineinhalb Tage Zeit für die Kundensport-Tests mit GT3- und GT4-Boliden.

Die Bedingungen waren mit Temperaturen zwischen zwölf und 23 Grad gut. Nur am Donnerstag, als nur der Nachmittag zur Verfügung stand, regnete es in der Mittagspause. Die Strecke trocknete aber rasch wieder ab. Am Freitag regnete es gar nicht. Abgesehen von Testzeit für Longruns gab es auch die Möglichkeit zu Qualifying-Simulationen.

"Wäre unfair, jetzt voreilige Schlüsse zu ziehen"

Wie es nach dem Young-Driver-Tests jetzt weitergeht? "Wir wollen jetzt eine ordentliche Auswertung machen", kündigt Jäger an. "Das wird bis Mitte der Woche dauern. Einzelne Gespräche haben wir mit den Jungs schon geführt - und man muss generell sagen, dass das Niveau durchgehend gut war. Wir wollen aber zuerst die Longruns ordentlich auswerten."

Auch das Wetter spielt diesbezüglich eine Rolle. "Durch den Regen gab es von Tag 1 auf Tag 2 schon ein bisschen einen Unterschied an der Strecke, der das Niveau etwas verschoben hat. Das muss man jetzt erst mal 1:1 rausarbeiten. Wir haben ja immer zuerst die Referenzfahrer fahren lassen, damit wir sehen, wo wir in etwa stehen. Es wäre unfair, jetzt voreilige Schlüsse zu ziehen, wenn man nicht alles auf dem Tisch hat."

Während die Fahrer beim Young-Driver-Test von den Teams nominiert wurden, stellte Mercedes-AMG wie in der DTM die Performance-Ingenieure, die auch für die Auswertung der Daten zuständig sind.

Jägers Fazit nach dem Young-Driver-Test? "Das Interesse war sehr groß, was uns natürlich freut", sagt er. "Und was auffällig war: Diejenigen, die noch keinen AMG-GT3 gefahren sind, waren vom Auto begeistert. Alle haben einheitlich gesagt: 'Tolles Auto, man kommt schnell ans Limit - und es ist easy fahrbar im Vergleich zum Wettbewerb", freut sich der Ex-DTM-Pilot.