Philipp Eng im Heck von Teamkollege und Meister Sheldon van der Linde - Bildquelle: Alexander TrienitzPhilipp Eng im Heck von Teamkollege und Meister Sheldon van der Linde © Alexander Trienitz

BMW-Werkspilot Philipp Eng kehrte 2022 nach einem Jahr Pause mit Schubert und als Teamkollege von Sheldon van der Linde in die DTM zurück, doch nun stehen die Zeichen schon wieder auf Abschied: Der 32-jährige Österreicher hat in der IMSA-Sportwagen-Meisterschaft eines der begehrten LMDh-Werkscockpits von BMW erhalten - und es gibt drei Überschneidungen mit der DTM.

"Ich würde nicht davon ausgehen, dass ich DTM fahre", sagt Eng im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com', obwohl die Letztentscheidung beim Hersteller liegt. "Ich glaube, dass das LMDh-Projekt nächstes Jahr grundsätzlich von allen Beteiligten sehr viel Aufmerksamkeit braucht. Und drei Überschneidungen sind natürlich nicht optimal."

Dabei handelt es sich um das zweite, dritte und vierte DTM-Saisonwochenende in Zandvoort, auf dem Norisring und auf dem Nürburgring (IMSA: Watkins Glen, Mosport und Elkhart Lake), an denen er sich den BMW M Hybrid V8 mit Ex-DTM-Kollege Augusto Farfus teilen wird.

Eng: "Das war das schwierigste an der Sache"

Aber hat der Wechsel von Ex-Class-1-Pilot Eng zu den Prototypen etwas damit zu tun, dass ihm die Aero-Boliden möglicherweise besser liegen als die GT3-Autos? "Das muss man unabhängig davon sehen, ob es mir liegt oder nicht", antwortet Eng, der auch im GT3-Auto bereits erfolgreich war, aber im Vorjahr in der Gesamtwertung mit 64 Punkten 14. wurde, während sein Teamkollege 100 Punkte mehr auf dem Konto hatte und den Titel holte.

Eng, der 2019 in Zolder in der DTM siegte, hat eine Erklärung für sein Abschneiden: "In der DTM hat es dieses Jahr aus vielen Gründen nicht geklappt. Es kommt auf so viele Details an. Auf meiner Seite der Garage hat es einfach ein bisschen gedauert, bis sich alles eingespielt hat, weil das Team in der Form bei mir erst relativ spät zusammengekommen ist."

Tatsächlich hatte Sheldon van der Linde nicht nur den Vorteil, dass er schon 2020 im ADAC GT Masters bei Schubert Corona-bedingt für Nick Yelloly einsprang und daher schon etwas Vorerfahrung mit dem Team hatte, sondern seine Crew für die Saison 2022 stand schon früher fest als bei Eng.

"Ich habe meine Crew erst sehr spät gekriegt", bestätigt Eng. "Das war aus meiner Sicht das schwierigste an der Sache - dass wir einfach etwas Zeit gebraucht haben, bis wir alle zusammenfinden. Bei Sheldon war das anders. Seine Crew war von Anfang an gleich - auch sein Renningenieur. Ich habe meinen erst später dazubekommen. Dadurch war der Anfang etwas schwieriger."

Eng und Renningenieur kannten einander von McLaren

Als Schubert Mitte Februar 2022 seine Fahrer bestätigte, war laut Eng noch nicht klar, dass der Schweizer Othmar Welti sein Renningenieur werden würde. Währenddessen stand längst fest, dass van der Linde mit Marcel Schmidt arbeiten würde, der gleichzeitig in Personalunion als Teammanager fungierte.

Diesen Zeitvorteil könne man nutzen, indem "man sich vorher schon trifft und Abendessen geht, um zu verstehen, wie der andere tickt", verweist Eng auf das berühmte "blinde Verständnis", das zwischen Fahrer und Renningenieur notwendig ist, um absolut konkurrenzfähig zu sein.

Er habe zwar mit Welti schon 2012 im ADAC GT Masters beim MRS-Team von Karsten Molitor zusammengearbeitet, als dieser ebenfalls Engs Renningenieur war und man einen McLaren einsetzte, "aber das ist halt ewig her", sagt Eng. "Du entwickelst dich weiter als Fahrer, du entwickelst dich weiter als Ingenieur, du kriegst andere Ideen. Das dauert dann einfach, bis alles zusammenpasst."

Durch Safety-Car Regel um möglichen Sieg betrogen

Vor allem im in der DTM so wichtigen Qualifying haben sich die Anlaufschwierigkeiten laut Eng bemerkbar gemacht, in der zweiten Saisonhälfte verhinderte dann Pech oft bessere Ergebnisse. Zum Beispiel beim Sonntagsrennen auf dem Nürburgring, als Eng hinter seinem mit Erfolgsballast versehenen Teamkollegen auf Platz zwei in Lauerstellung war, ehe die Safety-Car-Phase sein Rennen zerstörte und er eine Runde länger draußen bleiben musste als sein Teamkollege.

So reichte es zwar nie für Podestplätze, aber wenn Eng ins Ziel kam, holte er meist gute Punkte, wie ein vierter, zwei fünfte, drei sechste und ein siebter und ein neunter Platz beweisen. Er ermöglichte damit auch den Schubert-Triumph in der Teamwertung.

Eng freut sich auf LMDh-Projekt: "Das hat noch gefehlt"

Mit welchen Erwartungen er nun auf das Jahr 2023 blickt? "Der Prototypensport ist absoluter Werkssport", verweist Eng auf das LMDh-Programm. "Da wirst du als Fahrer ganz anders gefordert, nicht nur, was das Rennfahren betrifft, sondern auch bei der Weiterentwicklung. Weil du einfach viel mehr Möglichkeiten hast als im GT3-Bereich, das Auto zu verbessern."

Diese Herausforderung sei auch eine enorme Verantwortung, weiß Eng. "Aber ich freue mich extrem darauf", sagt er - und erinnert sich an den Moment, als er von Motorsportleiter Andreas Roos über die neuen Aufgabe informiert wurde.

"Als mich Andreas angerufen hat, habe ich mich sehr gefreut, weil die Prototypen zu diesem Zeitpunkt das einzige Auto waren, das ich in meiner Karriere noch nicht gefahren bin", so Eng, der bei einem BMW-Sauber-Test sogar schon Formel-1-Erfahrung sammelte. "Das hat noch gefehlt. Das habe ich beim ersten Test erledigt - und ich habe mich nicht komplett blamiert", grinst er.