Vor dem Saisonfinale griff Thomas Preining bereits nach Sheldon van der Lind... - Bildquelle: DTMVor dem Saisonfinale griff Thomas Preining bereits nach Sheldon van der Linde © DTM

Bis zum dritten Saison-Wochenende im Imola war Thomas Preining in der DTM-Saison 2022 ein reiner Statist, aber danach holte mit Ausnahme von Rene Rast kein Pilot so viele Punkte wie die österreichische Porsche-Entdeckung. Jetzt relativiert der 24-Jährige seine Aussagen vor dem Titelfinale, er habe "nichts zu verlieren" und spüre "keinen Druck".

"Ich habe nie aufgehört, daran zu glauben, dass wir das noch gewinnen", sagt Preining im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Selbst in Imola, als wir nach den ersten Saisonrennen null Punkte hatten. Ich denke immer positiv und habe immer Zahlen im Kopf, weil Wörter und Namen kann ich mir schwer merken."

Wie Preinings Titel-Fahrplan nach den zwei Nullern in Portimao und auf dem Lausitzring aussah? "Ich wusste: Wir haben 60, 65 Punkte Rückstand. Wenn wir jetzt im Durchschnitt bis zum Saisonfinale pro Rennen fünf Punkte gutmachen, werden wir Meister", erzählt der Linzer. "Wie machen wir das? Fangen wir in Imola damit an."

"Eigentlich eine sehr einfache Rechenaufgabe"

Und tatsächlich begann dort nach Startplatz drei und Rang vier die Aufholjagd, ehe mit dem ersten Porsche-Sieg auf dem Norisring endgültig der Knoten platzte. "Dann ist es stetig bergauf gegangen - und wir waren nur noch 13 Punkte hinten", erinnert sich Preining nach dem zweiten Saisonsieg in Spielberg an die Ausgangslage vor dem Hockenheim-Finale.

"Da habe ich mir gedacht: Einfach so weitermachen wie bisher, denn bis dahin haben wir pro Wochenende 15 Punkte gut gemacht. Wenn ich wieder 15 gutmache, bin ich Meister. Eigentlich eine sehr einfache Rechenaufgabe. Und die Kurve war sehr linear."

Doch dann kam beim Samstagsrennen in Hockenheim der große Crash, bei dem sich Preining Prellungen zuzog, weshalb er am Sonntag gar nicht mehr starten konnte. "Der Frust war schon groß", gibt der Fünftplatzierte in der Meisterschaft zu. Denn während Preining von der Öffentlichkeit erst in der Endphase der Saison als Titelkandidat wahrgenommen wurde, hatte er die Hoffnung nie aufgegeben.

Begab sich Preining bewusst in die Rolle des "Underdogs"?

"Ich habe es nie so gesehen, dass ich plötzlich im Titelkampf war", sagt er. "Ich bin schon die ganze Saison mit dem Fernziel gefahren, dass ich Meister werden will. Auch wenn ich in der Presse vielleicht gesagt habe: 'Ich habe eine super Saison gehabt, wir haben keinen Druck, das hat keiner erwartet. Und wenn wir doch Meister werden, ist es schön.' Für mich war aber klar: Ich komme hin und will Meister werden, sonst fahre ich enttäuscht nach Hause."

Ob die Tatsache, dass er beim Crash Glück im Unglück hatte, daran etwas verändert habe? "Ich war einerseits froh, dass mir nichts schlimmeres passiert ist, aber einen Tag nach dem Unfall denkst du nicht mehr daran, dass es dir zum Glück gutgeht. Sondern du denkst: 'Ich bin nicht Meister. Schlecht! Wie machen ich es nächstes Jahr besser?' Mit ein bisschen mehr Konstanz von Anfang an und einer besseren Saisonvorbereitung wäre mehr möglich gewesen."

Aber wie ist es Preining und dem Bernhard-Team eigentlich gelungen, ab Imola eine Trendwende einzuleiten? Den Ausschlag gab laut Preining zu 50 Prozent eine neue Set-up-Philosophie, die man bei einem Test ausprobierte, während die anderen 50 Prozent vom Fahrer kamen.

Bessere Fahrbarkeit als Schlüssel zur Aufholjagd

"Grundsätzlich ging es um die Fahrbarkeit", sagt Preining. "Wenn das Auto fahrbarer ist, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass du eine komplette Runde ohne Fehler zusammenbringst. Imola war der erste Schritt - und wir haben daran über den Rest der Saison immer ein bisschen gefeilt, und es ist immer bergauf gegangen."

Konkret passte das Bernhard-Team das Set-up an, damit der Porsche am Kurveneingang mehr Stabilität an der Hinterachse hatte und dadurch gutmütiger wird. "Dann kannst du mit dem Auto mehr spielen, kannst das Auto mehr reinzwingen in gewisse Situationen", erklärt Preining, der davon auch im Zweikampf profitierte. "Das Überholen war gerade in der zweiten Hälfte unsere große Stärke. Sicher brauchst du einen Fahrer, der spät bremst. Aber mit einem guten Auto ist es leichter, spät zu bremsen", stellt er klar.

Abgesehen vom Set-up habe er sich laut eigenen Angaben auch als Fahrer im Verlauf der Saison entwickelt. "In der DTM geht es auch um die Ruhe - dass du mental voll da bist und 100 Prozent im Qualifying abrufst", sagt er.

"Das Auto ist vielleicht nicht jedes Mal schnell genug oder die Runde nicht jedes Mal ein Traum. Aber wenn du konstant deine Leistung abrufst, bist du jedes Mal in den ersten drei, vier Reihen. Und dann ist im Rennen alles möglich. Das war das Wichtigste."