Spielberg - DTM-Fans erleben in Spielberg nicht nur eine mögliche Vorentscheidung im Titelkampf, sondern auch eine DTM-Electric-Premiere: Denn das Demofahrzeug für die Elektro-Rennserie, die spätestens 2025 ihre ersten Rennen absolvieren soll, wurde mit einem speziellen Sounddesign versehen, das man auf dem Red-Bull-Ring erstmals ausprobieren möchte.

"Die DTM Electric soll weder einen typischen Verbrenner nachahmen noch wie Science-Fiction klingen", erklärt Jochen Schröder, der bei DTM-Partner Schaeffler für den Bereich E-Mobilität zuständig ist. "Vielmehr haben wir den Klang ganz nah an der Physik eines E-Motors entwickelt, nur eben cooler."

Am Steuer des DTM-Electric-Demofahrzeugs - es handelt sich dabei nicht um den Prototypen, der erst 2023 fahrtüchtig sein soll - wird in beim DTM-Electric-Sound-Run Ex-DTM-Pilotin und Schaeffler-Markenbotschafterin Sophia Flörsch sitzen, die am Freitag zweimal 20 Minuten und an den Renntagen je 20 Minuten im Einsatz ist.

"Ich freue mich, mal wieder im DTM-Fahrerlager zu sein", sagte die 21-Jährige am ran-Mikrofon, und verriet, dass sie sich durchaus vorstellen könne, auch wieder als feste Fahrerin an den Start gehe zu wollen: "Vielleicht ja bald mal wieder." Im Moment konzentriert sich Flörsch auf die Langstrecke, in diesem Jahr ging sie unter anderem zum dritten Mal in Folge bei den 24 Stunden von Le Mans an den Start.

Zum ganzen Interview mit Sophia Flörsch.

Setzt man jetzt doch auf ein Sounddesign?

Dass man bei der DTM Electric nun doch auf ein Sounddesign setzen möchte, kommt überraschend, denn DTM-Technikchef Michael Resl hatte im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' gemeint, man wolle auf einen künstlich erzeugten Klang verzichten.

Der Test in Spielberg wird aber von der DTM-Dachorganisation ITR nur als "eine Möglichkeit" bezeichnet. Ob sich die Rennwagen der DTM Electric dann auch final so anhören werden, werde noch evaluiert. Dennoch zeigt sich Resl schon jetzt begeistert. "Was zunächst im Labor gelungen ist und am Red-Bull-Ring auf die Strecke gebracht werden soll, ist absolut atemberaubend", sagt der Österreicher.

"Schaeffler ist es gelungen, ein Soundsystem zu entwickeln, das dem hohen Leistungsvermögen der DTM-Electric-Boliden Rechnung trägt und den Rennwagen eine entsprechende Soundkulisse spendiert."

Wie der DTM-Electric-Sound entsteht

Beim Sounddesign orientiert man sich am tatsächlichen Klangspektrum der vier verbauten Elektromotoren, die Schaeffler selbst herstellt. Wie die Umsetzung läuft? Um einen authentischen Klang zu erzeugen, wurde laut dem Automobil-Zulieferer aus Herzogenaurach zunächst der Klang des elektrischen Antriebs genau analysiert.

In einer eigens entwickelten Klangsynthese-Software entstand auf dieser Basis ein neues Soundprofil speziell für die Rennserie. Während der Fahrt werden in Echtzeit Fahrzeugdaten wie Drehzahl, Motorlast und Bremsdruck in die Software eingespeist. Diese passt Tonhöhe und Schallpegel des hinterlegten Profils exakt an die jeweilige Fahrsituation an.

Schwingende Karosserie als Schlüssel

Beim Gas geben und Bremsen in verschiedenen Geschwindigkeiten entsteht so der erwünschte Sound. Dieser soll tatsächlich nicht weit weg sein vom realen Sound des E-Motors, aber dumpfer und basslastiger - und damit angenehmer - klingen. Detailänderungen sind in Zukunft jederzeit möglich: Theoretisch könnte sogar jeder Hersteller, der in der Serie antritt, sein einiges Sounddesign nutzen.

Doch wie wird der Sound dann für die Fans an der Rennstrecke hörbar gemacht? Der Klang wird über einen Verstärker an spezielle Spulen im Fahrzeug weitergegeben, welche die Karosserie anregen und zum Schwingen bringen. Dadurch klingt das Auto deutlich voluminöser - und das ohne Lautsprecher. Schaeffler greift dabei auf seine mehr als 20-jährige Erfahrung in der Entwicklung technischer Akustik zurück.

Künftig soll diese Echtzeit-Klangsynthese auch in Elektro-Serienfahrzeugen zum Einsatz kommen. Denn auch aus Sicherheitsgründen ist es vorgeschrieben, dass Elektro-Autos mit einem Sound versehen werden müssen.

Schaeffler: Erfahrung mit technischer Akustik aus der Serie

Aber schon bisher hat Schaeffler im Bereich NVH (Noise, Vibration und Harshness - auf Deutsch: Geräusch, Vibration und Rauigkeit) intensiv mit der Autoindustrie zusammengearbeitet, um je nach Bedarf auch bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ein vorteilhaftes Sounddesign zu kreieren. Das geschah wie beim DTM-Electric-Sound über Schwingungen in der Karosserie.

In der Serie ging es bisher darum, unerwünschte Geräusche der Fahrzeugkomponenten herauszufiltern, gezielt zu dämpfen oder ganz abzustellen. Es sollen nur Geräusche übrigbleiben, die ein angenehmes Klangbild ausmachen - und das Fahrzeug somit für den Markt attraktiver werden.

Beim DTM-Electric-Sound-Run auf dem Red-Bull-Ring will Schaeffler nun beweisen, "dass auch elektrischer Motorsport Emotionen pur erzeugt", wie Schaefflers E-Mobilitätsleiter Schröder erklärt.

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