In diesem AF-Corse-Ferrari hätte Herta seinen DTM-Gaststart absolvieren soll... - Bildquelle: Red BullIn diesem AF-Corse-Ferrari hätte Herta seinen DTM-Gaststart absolvieren sollen © Red Bull

Spektakulärer Plan für das DTM-Wochenende in Spielberg: Wie 'Motorsport-Total.com' erfahren hat, wollte Red Bull beim bevorstehenden Heimspiel auf dem Red-Bull-Ring dieses Wochenende den US-Amerikaner Colton Herta in einem dritten AF-Corse-Ferrari einsetzen!

Der Gaststart wurde bereits beantragt und genehmigt, aber dann wieder zurückgezogen. Dazu passt auch die Aussage von AF-Corse-Sportdirektor Ron Reichert, der auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com' klarstellt: "Wir werden in Spielberg kein drittes Auto einsetzen." Was nicht bedeutet, dass das nicht ursprünglich geplant war.

Denn eigentlich wollte Red Bull den Gaststart des Formel-1-Aspiranten erst in wenigen Tagen kommunizieren und damit eine Überraschung landen, ehe Ende vergangener Woche die Entscheidung fiel, den Geheimplan nicht weiter zu verfolgen.

Red Bulls Kampf um Hertas Superlizenz

Warum das Projekt kurzfristig abgesagt wurde? Das dürfte damit zu tun haben, dass Red Bull seine Bemühungen eingestellt hat, den 22-jährige IndyCar-Senkrechtstarter zu AlphaTauri in die Formel 1 zu holen.

Der Sohn von IndyCar-Legende Bryan Herta hatte in der US-Monoposto-Königsklasse bereits siebenmal triumphiert und sich 2019 zum jüngsten Sieger der Geschichte gekrönt, verfügt aber wegen der mäßigen Einstufung der US-Serie und seines zehnten Platzes im Gesamtklassement nicht über die nötigen Superlizenzpunkte, die ihn zu einem Start in der Formel 1 berechtigen.

Red Bull bat die FIA-Verantwortlichen trotzdem um eine Ausstellung der Superlizenz, zumal die Formel 1 seit vielen Jahren einen starken US-Amerikaner sucht. Und auch das Timing perfekt gepasst hätte, denn in den USA, wo 2023 mit Las Vegas noch ein dritter Grands Prix dazukommt, herrscht aktuell ein regelrechter Formel-1-Boom.

Warum man Herta in der DTM einsetzen wollte

Dennoch blieb die FIA hart, wodurch Herta nur noch die Möglichkeit gehabt hätte, die fehlenden acht Superlizenzpunkte in anderen Rennserien und über Formel-1-Freitagseinsätze zu sammeln.

Aber wäre der DTM-Einsatz ein Versuch gewesen, die fehlenden Punkte zu holen? Tatsächlich gibt es in der DTM bis zu Platz neun in der Fahrermeisterschaft Superlizenzpunkte, doch Herta wäre als Gastfahrer nicht punkteberechtigt gewesen.

Und selbst wenn das doch der Fall wäre und Herta in Spielberg mit zwei Siegen, Poles und schnellsten Runden alle 58 möglichen Punkte für die Meisterschaft geholt hätte, hätte es nicht gereicht. Er wäre damit deutlich hinter dem auf Platz neun liegenden Abt-Audi-Piloten Kelvin van der Linde, der aktuell 76 Punkte innehat, geblieben.

Tatsächlich hätte Red Bull den DTM-Gaststart in Spielberg aber als Marketingaktion gesehen, um den kommenden Formel-1-Piloten zu präsentieren. Durch die FIA-Absage und weil auch Herta für nächstes Jahr die Weichen stellen muss, bemüht sich Red Bull aber nun um eine Alternative zum talentierten US-Amerikaner.

Daytona-Sieger Herta im GT-Auto nicht komplett unerfahren

Beweis dafür ist auch das Treffen von Motorsportkonsulent Helmut Marko mit Monza-Überraschung Nyck de Vries am Freitag in Graz. Dass der Formel-1-Plan mit Herta nicht aufging, ist schade für die DTM, denn es wäre ein spannendes Experiment gewesen, den Rohdiamanten vor seinem Formel-1-Debüt in einem AF-Corse-Ferrari in der DTM zu beobachten.

Zumal Herta auch im GT-Bereich nicht völlig unerfahren ist: Er absolvierte von 2019 bis 2021 sieben BMW-Einsätze in der IMSA-Sportwagen-Meisterschaft, darunter drei Starts beim 24-Stunden-Klassiker in Daytona.

2019 feierte er gemeinsam mit DTM-Pilot Philipp Eng, Augusto Farfus und Landsmann Connor De Phillippi im vom Rahal-Letterman-Lanigan-Team eingesetzten BMW M8 GTE den Sieg, 2021 saß er beim Einsatz für Turner das einzige Mal im GT3-Auto.